Erzbischof Schick zum Jubiläum 100 Jahre Fachakademie St. Elisabeth Bamberg: „Wir sollen uns sorgen, aber nicht besorgt sein“

Den Wandel gestalten

Erzbischof Ludwig Schick ruft die Christen dazu auf, den Wandel der Zeit zu gestalten. „Wer Stillstand will, der katapultiert sich aus der Geschichte, wird ineffizient und wertlos“, sagte Schick am Freitag in seiner Festrede zum 100. Jubiläum der Fachakademie St. Elisabeth in Bamberg. Die Menschheit befinde sich in einer Übergangs- oder Schwellensituation ähnlich wie beim Übergang vom Altertum zum Mittelalter oder vom Mittelalter in die Neuzeit. Solche Zeiten seien unruhig und schwierig, weil die Fragen gestellt werden: „Was wird anders? Was kommt auf uns zu?“ Wichtig sei vor allem die Frage: „Was muss bleiben?“ Die Antwort müsse lauten: „Der Wandel muss bleiben. Aber er muss gestaltet werden. Dazu müssen die Überzeugungen, Werte und Tugenden bleiben, die unserer Vergangenheit Menschlichkeit, Solidarität, Sicherheit und Frieden gegeben haben“.

Zu dem, was bleiben müsse, gehörten Vorbilder. Eine Gesellschaft brauche Menschen, zu denen man aufschauen könne. Das seien in unserer Tradition die Heiligen, wie Martin, Elisabeth, Don Bosco, Mutter Teresa, Rupert Mayer und Dietrich Bonhoeffer. Sie müssten insbesondere für Menschen, die Verantwortung in Gesellschaft, Kirche, Wirtschaft oder im Sozialbereich übernehmen, Vorbilder sein und diese selbst zu Vorbildern machen. „Wer sich nicht für das Gemeinwohl engagiert, der verdient nicht, Führung und Leitung zu übernehmen.“

Bleiben müsse auch das Evangelium mit den Zehn Geboten und der Goldenen Regel: „Was du willst, was man dir tut, das tue zuerst den anderen!“ Die Zehn Gebote verböten das Stehlen, wozu auch Steuerhinterziehung, Kapitalflucht, Korruption und Ausnutzung der Sozialsysteme gehörten. Mobbing, Populismus und Fake News seien Lügen in der modernen Welt und mit den Zehn Geboten, die gutes Leben garantieren wollen, unvereinbar.

Schick plädierte dafür, dass auch die Religion als Ressource der Wertevermittlung und Quelle des ehrenamtlichen Engagements erhalten werden müsse. Zugleich müsse dem Missbrauch von Religion entgegengetreten werden, damit in ihrem Namen nicht Intoleranz, Krieg und Terror geschehen. Die Religionen müssten im Dialog stehen, sich gegenseitig anregen, korrigieren und beflügeln, damit die Ehre Gottes Heil für die Menschen bewirke. Auch die Kirche als Gemeinschaft der Christen müsse bleiben, und zwar in ökumenischer Verbundenheit.

Der Erzbischof betonte: „Wir sollen uns sorgen, aber nicht besorgt sein. Das Besorgtsein hindert uns am wirklichen zukunftsträchtigen Sorgen.“ Bleiben müsse die Achtsamkeit, damit der Wandel gut begleitet werde. Gebraucht würden Verantwortungsträger, keine Sorgenträger. Und bleiben müsse der Segen Gottes, den Schick besonders der Fachakademie St. Elisabeth, dem Kindergarten und der Jugendhilfe wünschte.

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