Autorenlesung mit Frank Michael Wagner in Bayreuth

Am Donnerstag, 9. November, um 19 Uhr, wird Frank Michael Wagner aus seinem Buch „Das unreife Wanken des Schlüpferdiebs in der Wolfsschanze. Auf den Spuren des Dritten Reiches in der DDR“ in der Black Box des RW21 lesen.

Die Idee zu diesem Debüt-Roman, vom Größenwahn-Verlag jüngst zur Frankfurter Buchmesse präsentiert, trug der Autor bereits vor zehn Jahren mit sich herum. Dann waren andere Dinge im Leben wichtiger. Und irgendwann, als das Manuskript fertig war, stellten sich die Verlage auf den Standpunkt, die DDR sei nun literarisch auserzählt. Doch der realsozialistische Alltag in der Übergangszeit von Ulbricht auf Honecker – geschildert aus der Perspektive aufmüpfiger Jugendlicher im Ferienlager inmitten der Einöde des tschechischen Böhmerwalds – ist genau das Thema der teils bitterbösen, teils amüsanten Satire. Die Hauptfigur Konrad und dessen Kumpel Halleluja, Ratte und Hutzel bauen sich da aus Langeweile einen Wachturm, dann zieht es sie in ein altes Gewölbe, das sie zur Wolfsschanze erklären, dort den Zweiten Weltkrieg nachspielen und die Rollen der NS-Führungsriege untereinander aufteilen. Aber je stärker ihr Spiel ausufert, sie die anderen Kinder im Lager tyrannisieren, desto schwerer lässt sich das vor den Betreuern verheimlichen. In der vielschichtigen Handlung geht es jedoch auch um Ferienlagerromantik, erste Liebe, Eifersucht, westliche Rockmusik, Bespitzelung sowie das Aufbegehren gegen den Opportunismus der Eltern und ein verlogenes System.

„Die politisch und kulturell spannende Zeit in der DDR Anfang der 1970er Jahre ist gesellschaftswissenschaftlich bisher kaum untersucht worden“, sagt Wagner, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert in der Stadtverwaltung Rudolstadt als Pressesprecher tätig ist. Darüber hinaus gilt sein Faible der Literatur, wobei er bereits Kurzgeschichten, Reportagen, Essays und Lyrik veröffentlicht hat. Mit seinem Roman wird ein spezieller Abschnitt ostdeutscher Geschichte wieder lebendig. Frank Michael Wagner wirft in seiner bitterbösen Satire einen zeitgeschichtlichen Blick auf die DDR. Ein Roman über die eigenwillige Moral einer Gesellschaft, die sich nach Freiheit sehnt, sie aber nicht sehen kann.

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