Neu­er Ein­wan­de­rer ent­deckt: die Fluss­grun­del

Schwarzmeer-Grundel. Foto: Andreas Hartl
Schwarzmeer-Grundel. Foto: Andreas Hartl

Die Flüs­se und Bäche Ober­fran­kens wer­den von einer neu­en Fisch­art besie­delt, die aus dem Schwarz­meer­raum zuwan­dert: die Fluss­grun­del ist jetzt in der Aisch behei­ma­tet.

Seit fünf Jah­ren angeln Paul Bir­kner (13) und Tim Still­ke­rich (14), aber was ihnen beim Jugend­zelt­la­ger des Fische­rei­ver­eins Wil­lers­dorf in den Som­mer­fe­ri­en an den Haken ging, war ihnen unbe­kannt. Dass es eine Grun­del­art sein müss­te, war Ihnen klar. Aber wel­che?
Der Fische­rei­ver­ein Willersdorf/​Haid (Lkr. Forch­heim) hat­te sich im Juli an die Fach­be­ra­tung für Fische­rei des Bezirks Ober­fran­ken gewandt. Schnell war klar, dass es sich um eine wei­te­re ein­ge­wan­der­te Fisch­art aus dem Donau­raum han­deln muss­te, eine bis­her für Bay­ern nicht nach­ge­wie­se­ne Schwarz­meer­grun­del-Art.

Schon die ersten Fotos von Mit­glie­dern des Fische­rei­ver­eins Willersdorf/​Haid die­ses bis dahin noch unbekannten/​in Bay­ern noch nicht nach­ge­wie­se­nen Fisches lie­ßen dies ver­mu­ten. Doch trotz einer umfang­rei­chen Befischung im Juli durch die Fach­be­ra­tung für Fische­rei gelang es nicht, die­se Fisch­art noch­mals zu fan­gen, um sie gezielt zu bestim­men. So blieb der Ver­dacht unbe­stä­tigt, dass es sich um einen wei­te­ren Neu­an­kömm­ling aus dem Schwarz­meer­raum han­deln könn­te – die Fluss­grun­del.

Für das Zelt­la­ger des Fische­rei­ver­eins Willersdorf/​Haid stell­te die Fach­be­ra­tung dann zusätz­lich Reu­sen zur Ver­fü­gung. Zudem hat­te sich die Fach­be­ra­tung für Fische­rei mit inter­na­tio­na­len Grun­del­ex­per­ten, unter ande­rem aus Rumä­ni­en, aus­ge­tauscht.
Die­se hat­ten eine spe­zi­el­le Angel­tech­nik mit Wurm- oder Maden-Köder emp­foh­len, wie sie auch gezielt für das Köder­fi­schen ein­ge­setzt wird. Ins­ge­samt 9 die­ser Fische konn­ten so mit der Angel wäh­rend des Zelt­la­gers gefan­gen wer­den. Eine Fluss­grun­del ver­irr­te sich zusätz­lich in eine der aus­ge­leg­ten Reu­sen.

Nach einer abschlie­ßen­den Prü­fung durch die Zoo­lo­gi­sche Staats­samm­lung in Mün­chen war klar: die Fluss­grun­del hat nun Bay­ern ein­deu­tig erreicht. Bis­her wur­de sie in Deutsch­land nur ein­ma­lig im Jahr 2011 in Nord­rhein-West­fa­len nach­ge­wie­sen, im Rhein nahe der hol­län­di­schen Gren­ze. In der Aisch wur­den zudem auch die Schwarz­mund­grun­del nach­ge­wie­sen, die bereits in Main und Reg­nitz hei­misch ist.

„Die Fluss­grun­del kommt aus dem Schwarz­meer­ge­biet, also aus Rumä­ni­en und Bul­ga­ri­en zu uns. In Wil­lers­dorf gibt es damit den ersten Nach­weis für Ihr Auf­tre­ten in Bay­ern. Gene­rell brei­ten sich die Grun­del­ar­ten im Donau­sy­stem immer wei­ter aus“, berich­tet Dr. Tho­mas Speierl, Lei­ter der Fach­be­ra­tung für Fische­rei des Bezirks Ober­fran­ken.
Oft wan­dern die Fische im Bal­last­was­ser von Schif­fen ein. „Ob die Zuwan­de­rung bezie­hungs­wei­se Ver­brei­tung nun über die Donau und über den Main-Donau-Kanal erfolg­te, der die ursprüng­lich getrenn­ten Ein­zugs­ge­bie­te von Donau und Rhein nun unna­tür­lich ver­bin­det, oder ob die Fluss­grun­del über die Schiffs­trans­port­we­ge den Rhein bezie­hungs­wei­se den Main auf­wärts nach Ober­fran­ken gelang­te, bleibt unklar.
Nach­dem in der Aisch kein Schiffs­ver­kehr besteht, steht fest, dass die Fluss­grun­del die in den letz­ten Jah­ren erstell­ten Fisch­auf­stiegs­an­la­gen gezielt zur Ein­wan­de­rung genutzt hat. Die Aisch ist auf­grund der gerin­gen Strö­mung, des hohen Sand­an­teils und der vie­len Untie­fen, vor allem in den Stau­be­rei­chen ein gün­sti­ger Lebens­raum für die­se neue Fisch­art – wie auch alle wei­te­ren links­sei­ti­gen Zuflüs­se der Reg­nitz.“

Fische­rei­wirt­schaft­lich besitzt die Fluss­grun­del auf­grund ihrer gerin­gen Grö­ße kei­ne wirt­schaft­li­che Bedeu­tung. Als Lebens­mit­tel zeich­net sie ihr süßes Fleisch aus, das sehr schmack­haft ist, wenn es frisch ver­zehrt wird. Dies trifft auch alle übri­gen Grun­del-Arten zu.

Wel­che Fol­gen die Besied­lung durch eine sol­che neue Fisch­art haben wird, ist nicht wirk­lich abzu­schät­zen: Einer­seits ist die Grun­del Fut­ter für Raub­fi­sche wie Zan­der oder Aal, sie kann aber auch Kon­kur­renz für hei­mi­sche Klein­fisch­ar­ten sein. Zudem umfasst bei allen Schwarz­meer­grun­del-Arten die Nah­rung eine hohe Band­brei­te an wir­bel­lo­sen Tie­ren, Kru­sten­tie­ren sowie Fisch­ge­le­gen, Fisch­lar­ven und auch Jung­fi­schen. Das Gefähr­dungs­po­ten­zi­al für die hei­mi­schen Fisch­be­stän­de ist somit noch nicht ein­deu­tig abzu­schät­zen.

Dass die Fluss­grun­del nach Ober­fran­ken gekom­men ist, hat laut Speierl viel mit dem zuneh­men­den inter­na­tio­na­len Schiffs­ver­kehr zu tun: „ Auch die Schwarz­meer­grun­del-Arten gehen sozu­sa­gen auf Kreuz­fahrt und dass sich in der Genuss­re­gi­on Ober­fran­ken nie­der­las­sen und ein­rich­ten, muss man ihnen wohl nach­se­hen“, meint der Fisch­ex­per­te des Bezirks mit einem Augen­zwin­kern.
Zudem kom­me die zuneh­men­de Erwär­mung der Gewäs­ser die­sen süd­ost­eu­ro­päi­schen Fisch­ar­ten ent­ge­gen. „Es wer­den wei­te­re Arten zu uns sto­ßen – die Migra­ti­on bei die­sen Fisch­ar­ten hat gera­de erst begon­nen“, so sei­ne Ein­schät­zung: „Wir erwar­ten als näch­stes die Nackthals­grun­del“.

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