Die Flä­che Forch­heims ver­schwin­det inner­halb von 363 Tagen

Aktion von Grünen und BN zur Bodenversiegelung
Aktion von Grünen und BN zur Bodenversiegelung

Akti­on von Grü­nen und BN zur Boden­ver­sie­ge­lung, Sa. 9.September in der Fußgängerzone

Laut dem Baye­ri­schen Lan­des­amt für Umwelt wer­den in Bay­ern im Durch­schnitt pro Jahr 44,7 Qua­drat­ki­lo­me­ter Boden­flä­che neu ver­sie­gelt. „Das sind“, rech­net Emme­rich Huber, Spre­cher der Grü­nen in Forch­heim, vor „fast 30 Hekt­ar mehr als die Flä­che des gesam­ten Stadt­ge­bie­tes von Forch­heim. Rech­ne­risch wird also die Flä­che Forch­heims in 363 Tagen neu versiegelt“.

Wie rasant die Boden­ver­sie­ge­lung in Bay­ern vor­an­schrei­tet demon­strier­ten die Grü­nen und der Bund Natur­schutz am Sams­tag 9.9. um 12 Uhr in der Fuß­gän­ger­zo­ne Forch­heims mit vor­be­rei­te­ten Papp­kar­tons. Aber Pap­pe bei Dau­er­re­gen war natür­lich ein Pro­blem. Hel­fer und auch eini­ge zufäl­li­ge Pas­san­ten, die die Vor­be­rei­tun­gen mit­be­ka­men und mit­ma­chen woll­ten, schau­ten besorgt auf die Wol­ken. Schließ­lich ent­schied Huber, Initia­tor der Akti­on: „In Bay­ern wird bei jeden Wet­ter beto­niert, also zie­hen wir das auch durch“. Punkt 12 Uhr erfolg­te per gro­ßem Gong der Start­schuß und dann wur­de nach Plan ver­sie­gelt was das Zeug hielt.

Links und rechts vom Bäch­la waren auf Höhe der Volks­bank je 30 durch­num­me­rier­te und je 1,5qm gro­ße Kar­tons abge­legt und auf jeder Sei­te hat­ten sich je 10 „Natur­zer­stö­rer“, wie Huber Sie bei der Bespre­chung freund­lich nann­te, auf­ge­stellt. Im Sekun­den­takt muß­te dann jeder Hel­fer einen Kar­ton in der rich­ti­gen Rei­hen­fol­ge able­gen, zurück zum Sta­pel, den näch­sten Kar­ton holen und wie­der able­gen. Das gan­ze 60 Sekun­den lang, so dass am Ende 90qm Flä­che ent­lang des Bäch­la „ver­sie­gelt“ waren mit der Auf­schrift „Die­ses Flä­che wird in Bay­ern in 1 Minu­te ver­sie­gelt“. Das ist näm­lich genau das Tem­po, mit dem in Bay­ern Boden und Natur zube­to­niert, geteert und über­baut wer­den. Pro Tag sind das 13,1 Hekt­ar, oder etwa 18 nor­mal gro­ße Fußballplätze.

Obwohl sich im Übri­gen die „Natur­zer­stö­rer“ red­lich Mühe gaben und teils im Lauf­schritt die Plat­ten hol­ten und ver­leg­ten, ver­fehl­ten sie die Vor­ga­be von 1 Minu­te und brauch­ten 7 Sekun­den län­ger. „Nicht ein­mal mit 20 Leu­ten und minu­tiö­ser Vor­be­rei­tung kann man mit dem Tem­po der Boden­ver­sie­ge­lung in Bay­ern Schritt hal­ten“ stell­te Huber fest und auch Lisa Badum, Bun­des­tags­kan­di­da­tin der Grü­nen für den Wahl­kreis Forchheim/​Bamberg, die enga­giert mit­ver­sie­gelt hat­te, staun­te über das Tem­po, mit dem Flä­che ver­schwin­det. „So wie bis­her darf es mit dem Natur­ver­brauch ein­fach nicht wei­ter­ge­hen“ sagt sie und fährt fort: „Unser Bay­ern gibt es nur ein­mal, Land und Boden sind nicht ver­mehr­bar und wir müs­sen end­lich sorg­sa­mer damit umge­hen.“ Sie ver­weist außer­dem dar­auf, daß eben­falls nach Erhe­bun­gen des Lan­des­am­tes für Umwelt über 11.000 Hekt­ar still­ge­leg­te Gewer­be­flä­chen offi­zi­ell gemel­det sind und for­dert, daß die­se auf­be­rei­tet und genutzt wer­den. Badum setzt dabei auf das von den Grü­nen aktu­ell gestar­te­te Volks­be­geh­ren gegen die Beton­flut und hofft, dass die­ses rasch die 1. Hür­de von 25.000 Unter­stüt­zern nimmt und letzt­lich in ein Gesetz zur Ein­däm­mung des Flä­chen­ver­brauchs mündet.

Auch Hein­rich Kat­ten­beck, Spre­cher der Bür­ger­initia­ti­ve pro Wie­sen­tal und Dr. Uli Buch­holz, Vor­sit­zen­der des Bund Natur­schutz Kreis Forch­heim waren aktiv dabei und dis­ku­tier­ten mit den Bür­gern ein regio­na­les Pro­jekt von extre­mer Natur­zer­stö­rung, näm­lich die geplan­te Ost­um­ge­hung. „Die­ses Irr­sinns­pro­jekt ver­braucht min­de­stens 50 Hekt­ar Land und es zer­stört unwie­der­bring­lich schön­ste Land­schaft und Hei­mat“ beklagt Kat­ten­beck. Er bezwei­felt zudem jeg­li­chen ver­kehr­li­chen Nut­zen und ist sich sicher, dass die Umge­hung in der geplan­ten Form ins­ge­samt zu mehr Ver­kehrs- und Lärm­be­la­stung füh­ren wird.

Nicht abge­stimmt war die Ver­sie­ge­lungs­ak­ti­on übri­gens mit dem Start des Volks­be­geh­rens gegen die Beton­flut, aber es paß­te gut und so konn­ten sich die Bür­ger schon vor und nach der Akti­on in die Unter­schrif­ten­li­sten ein­tra­gen. Rund 80 Forch­hei­mer kamen dem nach und es wären sicher noch mehr gewe­sen, wenn die Listen gereicht hät­ten. Huber ver­spricht, daß am näch­sten Sams­tag, 16.9. am Info­stand der Grü­nen genü­gend Listen vor­han­den sein wer­den – bei jeden Wetter.

Impres­sio­nen von der Aktion

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