Klinikum Bamberg: Risikosenkung für den plötzlichen Kindstod

Klinikum Bamberg bietet kostenloses dopplersonografisches Screening bei Neugeborenen an und senkt damit die Häufigkeit der plötzlichen Kindstode in Bamberg auf unter zehn Prozent des bundesweiten Durchschnitts

Es passiert im Schlaf, egal ob im Kinderbett, im Tragetuch, beim Mittagsschlaf oder nachts. Das Kind hört unbemerkt auf zu atmen. Der plötzliche Kindstod ist auch heute noch die häufigste Todesursache bei Säuglingen. Am Klinikum Bamberg halfen und helfen vorbeugende Maßnahmen gegen das sogenannte Sudden Infant Death Syndrom (SIDS), die Häufigkeit der Todesfälle im Säuglingsalter in Bamberg drastisch auf unter zehn Prozent der Häufigkeit von SIDS in Deutschland zu senken.

Seit 1998 wird in Bamberg als einziger Klinik Deutschlands das generelle dopplersonografische SIDS-Screening-Verfahren für alle Geburten angeboten und durchgeführt. Dieses zeigt an, ob ein Kind möglicherweise ein erhöhtes Risiko besitzt, am plötzlichen Kindstod zu sterben. Dieses Verfahren, auch Dopplersonografie genannt, ist für das Neugeborene unbedenklich, erklärt Professor Dr. Deeg, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche in der Sozialstiftung Bamberg: „Das Screening ist vollkommen schmerzfrei und unschädlich für den Säugling. Während dieser Untersuchung wird die Blutströmung in den Hirnbasisgefäßen gemessen, die den Hirnstamm – Sitz des Atem- und Kreislaufzentrums – mit Blut versorgen. Mithilfe dieser Methode kann nachgewiesen werden, ob die Blutströmung in den Gefäßen abhängig von der Körperlage und Drehung des Kopfes ist. Bei Risikopatienten kann es in Bauchlage und bei Drehung des Kopfes zu einem starken Abfall der Blutströmung in den Hirnbasisarterien kommen. Eine Minderdurchblutung des Atem- und Kreislaufzentrums kann dann zum plötzlichen Kindstod führen.“

Allen Eltern, deren Kinder in der Frauenklinik Bamberg geboren wurden oder werden, wird diese Untersuchung kostenlos angeboten. Eltern, deren Kinder in anderen Einrichtungen auf die Welt kommen, müssen die Kosten für die Untersuchung selbst tragen. Das hat sich ausgezahlt, weiß der Experte: „Aufgrund des Screenings konnten wir 90 Prozent der plötzlichen Kindstode in Bamberg verhindern. Vor der Einführung des Screenings in der Sozialstiftung Bamberg 1998 sind bis zu sechs Kinder pro Jahr in Bamberg und Umgebung an SIDS gestorben. Seit der Einführung vor gut 20 Jahren sind in dem ganzen Zeitraum von 1998 bis 2017 nur zwei von über 33.000 untersuchten Kindern an SIDS gestorben, bei denen das Screening keine Auffälligkeiten gezeigt hatte.“

Vorbeugende Maßnahmen reduzieren Risiko

Vor sieben Jahren brachte Kathrin Lerch ihren Sohn Yonah im Klinikum Bamberg zur Welt. Nachdem ihr die Möglichkeit des Screening-Verfahrens vorgestellt wurde, entschied sie sich für die Untersuchung. Das Ergebnis: Bei ihrem Sohn fiel die Blutströmung in den Hirnbasisarterien bei Kopfdrehung massiv ab, sodass er ein erhöhtes Risiko hatte, am plötzlichen Kindstod zu versterben. Nach einem sehr ausführlichen Beratungsgespräch und dem Hinweis, Yonah nachts nicht auf dem Bauch schlafen zu lassen, durfte Familie Lerch einen Überwachungsmonitor mit nach Hause nehmen, der nachts die Atem- und Herzgeräusche überwachte, und ein spezielles Lagerungskissen, um das zu weite Drehen des Kopfes zu vermeiden. „Insgesamt war ich dank des Monitors sehr viel ruhiger und konnte nachts guten Gewissens schlafen. Ich würde aufgrund dieser Serviceleistung der kostenlosen Untersuchung und aufgrund der wirklich liebevollen Fürsorge vor Ort das Klinikum Bamberg jederzeit weiterempfehlen“, berichtet die Mutter.

Hintergrund

Die Sozialstiftung Bamberg besteht aus dem Klinikum Bamberg, dem Seniorenzentrum, der Rehabilitations- und Therapieeinrichtung saludis sowie mehreren Medizinischen Versorgungszentren. Die gemeinnützige Stiftung ist einer der größten Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen in der Region und beschäftigt über 4000 Mitarbeiter.