Zwei­ter S‑Bahn-Halt für Bam­berg greif­bar nah

CSU-Kreisvorsitzender Bürgermeister Dr. Christian Lange, Innenminister Joachim Herrmann, Parl. Staatssekretär Thomas Silberhorn und Staatsministerin Melanie Huml
CSU-Kreisvorsitzender Bürgermeister Dr. Christian Lange, Innenminister Joachim Herrmann, Parl. Staatssekretär Thomas Silberhorn und Staatsministerin Melanie Huml

Bay­erns Innen- und Ver­kehrs­mi­ni­ster Joa­chim Herr­mann: “Zusätz­li­cher S‑Bahn-Halt für Bam­berg mög­lich – Stadt muss sich aber für ober­ir­di­schen Bahn­aus­bau posi­tio­nie­ren”

Die Chan­cen für eine zusätz­li­che Bahn­sta­ti­on in Bam­berg sind enorm gestie­gen. Bay­erns Innen- und Ver­kehrs­mi­ni­ster Joa­chim Herr­mann hat sei­ne Zusa­ge aller­dings unter einer wich­ti­gen Bedin­gung gege­ben: „Wir sind bereit, den Bam­ber­ger Süden mit einem S‑Bahn-Halt ans Bahn­netz anzu­schlie­ßen, die Sta­ti­on zu finan­zie­ren und S‑Bahn-Züge dort hal­ten zu las­sen. Dafür muss die Stadt den Bahn­aus­bau in Bam­berg aber ober­ir­disch rea­li­sie­ren las­sen“, so Herr­mann mit Blick auf die Stadt. Wie Herr­mann wei­ter mit­teil­te, wer­de sich auch der Bund finan­zi­ell betei­li­gen. So habe Ber­lin signa­li­siert, dass zusätz­li­che Mit­tel für die not­wen­di­gen Netz­maß­nah­men bereit­ge­stellt wer­den könn­ten. Staats­mi­ni­ste­rin Mela­nie Huml aus Bam­berg füg­te hin­zu: „Der zusätz­li­che S‑Bahn-Hal­te­punkt Bam­berg Süd wür­de den öffent­li­chen Ver­kehr in der Regi­on noch attrak­ti­ver machen. Damit könn­te unter ande­rem auch Bay­erns dritt­größ­te Ver­an­stal­tungs­hal­le, die Bro­se Are­na, erschlos­sen wer­den.“ Herr­mann kün­dig­te an, dass sein Haus gemein­sam mit der Bahn die ersten Pla­nun­gen ange­hen wer­de, damit das Pro­jekt unmit­tel­bar nach der Ent­schei­dung über den Bahn­aus­bau in Bam­berg gestar­tet wer­den kön­ne. Herr­mann macht klar: „Der Ball liegt jetzt bei der Stadt.“ Auf eine zügi­ge Posi­tio­nie­rung drängt auch der par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär Tho­mas Sil­ber­horn: „Bam­berg soll­te sei­ne spe­zi­fi­schen Anlie­gen jetzt aufs Gleis set­zen. Der best­mög­li­che Lärm­schutz und der geringst­mög­li­che Ein­griff ins Gärt­ner­land sind nur mit dem ober­ir­di­schen Strecken­aus­bau mach­bar.“

Wie aktu­el­le Unter­su­chun­gen der DB Netz AG zei­gen, kostet der Bau des zusätz­li­chen Hal­te­punkts in Bam­berg bei einer Unter­tun­ne­lung der Neu­bau­strecke ein Viel­fa­ches gegen­über einer Rea­li­sie­rung bei einer ober­ir­di­schen Durch­fah­rung und wäre wirt­schaft­lich nicht zu recht­fer­ti­gen. „Der neue Halt ist daher nur im Paket mit der ober­ir­di­schen Vari­an­te zu haben“, beton­te Herr­mann heu­te. Das hat Herr­mann auch bei einem Spit­zen­ge­spräch unter Betei­li­gung der Bam­ber­ger Stadt­spit­ze, der DB, des Bun­des­ver­kehrs­mi­ni­ste­ri­ums und regio­na­len Man­dats­trä­gern klar­ge­stellt. Dabei hat­te die DB auch dar­über infor­miert, dass bei einem ober­ir­di­schen Aus­bau der Flä­chen­ver­brauch für die Ver­bin­dung der Neu­bau­strecke zur Strecke nach Schwein­furt im soge­nann­ten Bam­ber­ger Gärt­ner­land deut­lich gerin­ger aus­fal­len wür­de. „Bam­berg ver­dankt den Welt­kul­tur­er­be­ti­tel nicht nur der histo­ri­schen Alt­stadt, son­dern eben­so den Gärt­nern. Des­halb müs­sen wir hier ganz genau dar­auf ach­ten, ihre Flä­chen zu schüt­zen“, betont Staats­mi­ni­ste­rin Huml.

Beim Spit­zen­ge­spräch wur­de auf Ver­mitt­lung von Herr­mann beschlos­sen, dass die DB Netz AG zwar nun vor­erst nur die Pla­nun­gen für den ober­ir­di­schen Aus­bau wei­ter ver­tie­fen wird, jedoch nicht das Bau­recht anvi­siert, solan­ge sich nicht die Stadt Bam­berg auf die von ihr favo­ri­sier­te Aus­bau­va­ri­an­te fest­legt. Die­se will vor ihrer Ent­schei­dung noch ein eige­nes Gut­ach­ten in Auf­trag geben, sobald die offi­zi­el­le Zug­zah­len­pro­gno­se des Bun­des für den Zeit­ho­ri­zont 2030 vor­liegt. Damit ist frü­he­stens gegen Ende die­ses Jah­res zu rech­nen. „Die Fra­ge des ‚ob‘ wird beim Bahn­aus­bau in Bam­berg nicht mehr auf die Agen­da kom­men. Es geht nur noch um das ‚wie‘. Wenn süd­lich von Nürn­berg nach Bam­berg und nörd­lich von Thü­rin­gen nach Bam­berg je vier Glei­se ver­lau­fen, dann kön­nen wir uns bei einem 10-Mil­li­ar­den-Euro-Pro­jekt kei­nen Fla­schen­hals in Bam­berg lei­sten.“ Sil­ber­horn ergänz­te: „Mit dem Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan 2030 ist die Maß­nah­me ein gesetz­li­cher Auf­trag. Wir haben letz­tes Jahr hart ver­han­delt, um die Ost­um­fah­rung als schlech­te­ste Vari­an­te aus dem Ent­wurf zu strei­chen. Für Bam­berg ist es nun höch­ste Eisen­bahn, sich klar für eine der bei­den ver­blie­be­nen Aus­bau­va­ri­an­ten zu ent­schei­den.“

Die Fra­ge des Bahn­aus­baus im Gebiet der Welt­kul­tur­er­be-Stadt Bam­berg im Rah­men des Ver­kehrs­pro­jekts Deut­sche Ein­heit 8.1 (VDE 8.1) ist umstrit­ten. Nach einem mehr­jäh­ri­gen Dia­log­pro­zess sind aktu­ell für die Stadt Bam­berg noch zwei Vari­an­ten in der Aus­wahl: ein rund eine Mil­li­ar­de Euro teu­rer ober­ir­di­scher Aus­bau, der beim Lärm­schutz Sicht­ach­sen und städ­te­bau­li­che Aspek­te berück­sich­tigt, oder eine zwei­glei­si­ge Tun­nel­durch­fah­rung unter dem Bam­ber­ger Haupt­bahn­hof, die mit sat­ten rund 300 Mil­lio­nen Euro mehr zu Buche schlägt. Heu­er im Dezem­ber wird der Lücken­schluss bei der Hoch­ge­schwin­dig­keits­strecke zwi­schen Bay­ern und Thü­rin­gen voll­zo­gen. Das ermög­licht eine Ver­bin­dung zwi­schen Mün­chen über Nürn­berg nach Ber­lin mit einer Rei­se­dau­er unter vier Stun­den. Bam­berg gewinnt als Ver­kehrs­kno­ten durch zusätz­li­che Ver­bin­dun­gen im Fern- und Nah­ver­kehr an Bedeu­tung.

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