Erzbischof Schick ruft die Politik auf, Sicherheit und Gerechtigkeit nicht als Gegensätze zu sehen

„Pfingsten will die Ungeister in der Welt vertreiben“

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat dazu aufgerufen, die Ungeister unserer Zeit zu überwinden und die Geistlosigkeit einzudämmen. „Pfingsten erinnert daran, dass Gott seinen guten Geist in die Welt gesandt hat, der die Herzen der Gläubigen erfüllt und das Angesicht der Erde erneuert“, predigte Schick an Pfingsten. Das Pfingstfest fordere die Menschen auf, dem Heiligen Geist Raum zu geben, ihn wirken zu lassen und seine Gaben in Wort und Tat umzusetzen. Erzbischof Schick predigt am Pfingstsamstag am Wallfahrtsort Marienweiher, am Pfingstsonntag zuerst im Bamberger Dom und danach in Nürnberg zum Abschluss einer ökumenischen Sternwallfahrt.

Derzeit zeigen sich viele Geistlosigkeiten, sagte Schick und nannte das Selbstmordattentat in Manchester, den Anschlag auf koptische Christen in Ägypten und die vielen anderen Gräueltaten von islamistischen Terroristen. Geistlos seien aber auch Fakenews, Mobbing im Internet, Drogenmissbrauch, Populismus, Rassismus und Nationalismus sowie Umweltverpestung und die Leugnung des Klimawandels. „Pfingsten will den guten Geist in unserem persönlichen Leben, in unseren Familien, an den Schulen und Arbeitsstätten, in der Gesellschaft und der ganzen Welt erneuern“, betonte der Erzbischof. „Pfingsten will geistreich machen und die Geistlosigkeit vertreiben, will die Ungeister, Quälgeister und bösen Geister durch gute Geister überwinden.“ Auch wenn der Heilige Geist nicht sichtbar sei, sein Wirken sei zu spüren im Zusammenleben und im Umgang der Menschen.

Schick rief weiter dazu auf, in der politischen Debatte Sicherheit und Gerechtigkeit nicht als Gegensätze zu betrachten. Der Heilige Geist mache die Menschen geistreich für Gerechtigkeit und gebe den Menschen Sicherheit im Vertrauen auf Gott und die Mitmenschen.

Derzeit werde in der Gesellschaft die Frage diskutiert, ob Sicherheit oder Gerechtigkeit wichtiger sei. Viele Menschen gäben der Sicherheit den Vorrang. Für Christen, so Bischof Schick, sei die Gerechtigkeit der wichtigere Begriff, der in der Bibel viel häufiger vorkomme als der Begriff Sicherheit. Dennoch sei der Wunsch der Menschen nach Sicherheit vor Terrorismus und Katastrophen berechtigt. Sicherheit dürfe aber nicht als Abschottung oder Einbunkerung verstanden werden. Wer Sicherheit im Vertrauen auf Gott spüre, der könne auch Gerechtigkeit für alle Menschen suchen und sich einsetzen für Steuer-, Bildungs-, Chancen- und Generationengerechtigkeit. „Wir dürfen diese Themen für unsere Gesellschaft nicht vernachlässigen. Dann können wir uns auch hinauswagen und für Gerechtigkeit in der ganzen Welt eintreten, die dafür sorgt, dass kein Volk auf Kosten von anderen lebt und wir die Ressourcen der Schöpfung gerecht verteilen. So werden Hunger, Krankheit und Elend auf der Erde überwunden.“

Auch die Reformation, an die in diesem Jahr besonders gedacht werde, habe mit Pfingsten zu tun: „Reformation bedeutet, den Geist Jesu in sich, in Kirche und Welt zu erneuern.“ Das Reformationsgedenkjahr solle deshalb ein Jahr der Umkehr werden zum Geist Jesu und damit zu Gerechtigkeit und Heiligkeit für alle Menschen weltweit.

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