WEI­SSER RING Forch­heim: „Häu­fig fehlt der Blick dafür, was Opfer brau­chen“

22. März, Tag der Kri­mi­na­li­täts­op­fer: Der WEI­SSE RING for­dert mit Opfern in Kon­takt ste­hen­de Berufs­grup­pen dazu auf, sich mehr als bis­her in deren Lage hin­ein­zu­ver­set­zen

Wer beruf­lich mit Kri­mi­na­li­täts­op­fern zu tun hat, muss sich bes­ser in deren Situa­ti­on hin­ein­ver­set­zen kön­nen. Dies for­dert der WEI­SSE RING am Tag der Kri­mi­na­li­täts­op­fer am 22. März. „Ob Anwäl­te, Rich­ter oder Mit­ar­bei­ter von Behör­den: Vie­le, die in ihrem Berufs­le­ben mit Kri­mi­na­li­täts­op­fern zu tun haben, gehen zu wenig auf deren Anlie­gen und Wün­sche ein, da sie sich nicht hin­rei­chend in deren Lage hin­ein­ver­set­zen kön­nen“, kri­ti­siert Moni­ka Vieth, seit über 20 Jah­ren Lei­te­rin der Außen­stel­le Forch­heim Stadt und Land­kreis „Das muss sich drin­gend ändern.“ Oft sei es nicht nur das Ver­bre­chen selbst, an des­sen Fol­gen Opfer kör­per­lich und psy­chisch jah­re­lang lei­den. Auch man­geln­de Sen­si­bi­li­tät derer, die bei­spiels­wei­se im Ver­lauf eines Straf­ver­fah­rens mit Opfern in Kon­takt kom­men, sor­ge für zusätz­li­che Bela­stung. „Häu­fig fehlt der Blick dafür, was Opfer brau­chen und was ihnen beim Ver­ar­bei­ten der Tat hilft“, stellt Vieth fest.

Der WEI­SSE RING for­dert aus- und wei­ter­bil­den­de Ein­rich­tun­gen der ent­spre­chen­den Berufs­grup­pen auf, die Per­spek­ti­ve von Kri­mi­na­li­täts­op­fern fest in ihre Lehr­plä­ne zu inte­grie­ren. „Es geht dar­um, das rich­ti­ge Bewusst­sein für die Situa­ti­on von Opfern zu schaf­fen und so zu einem sen­si­ble­ren Umgang mit ihnen bei­zu­tra­gen“, so Vieth. Der WEI­SSE RING gibt sei­ne über 40-jäh­ri­ge Exper­ti­se in Sachen Opfer­hil­fe und Opfer­rech­te bereits an Exter­ne wei­ter. So bie­tet die WEI­SSE RING Aka­de­mie für Berufs­grup­pen, die mit Opfern in Kon­takt tre­ten, spe­zi­el­le Semi­na­re und Schu­lun­gen an: zum Bei­spiel Semi­na­re für Anwäl­te oder Poli­zi­sten zum Opfer­ent­schä­di­gungs­ge­setz oder zur psy­cho­so­zia­len Pro­zess­be­glei­tung.

Auch in der pro­fes­sio­nel­len Aus- und Wei­ter­bil­dung der eige­nen Mit­ar­bei­ter steht die Ver­mitt­lung der Opfer­per­spek­ti­ve beim WEI­SSEN RING an ober­ster Stel­le. Opfer­hel­fer durch­lau­fen unter ande­rem Semi­na­re, in denen Inhal­te zu den The­men Opfer­rech­te in- und außer­halb von Straf­ver­fah­ren ver­mit­telt wer­den. Auch das The­ma Psy­cho­t­rau­ma­to­lo­gie nimmt einen hohen Stel­len­wert ein, um den rich­ti­gen Umgang mit trau­ma­ti­sier­ten Opfern zu erler­nen. Eben­falls wich­tig ist das The­ma Kom­mu­ni­ka­ti­on, um in der Bera­tung und im direk­ten Kon­takt mit Opfern den rich­ti­gen Ton zu tref­fen und die Balan­ce zwi­schen Nähe und Distanz zu wah­ren. „Opfer brau­chen Pro­fis“, sagt Moni­ka Vieth. „Nach die­sem Prin­zip arbei­tet der WEI­SSE RING seit über 40 Jah­ren.“
Ins­ge­samt rund 3.200 ehren­amt­li­che Mit­ar­bei­ter sind in bun­des­weit 420 Außen­stel­len für den WEI­SSEN RING im Ein­satz, so auch in Forch­heim. Sie lei­sten unter ande­rem Trost und Bei­stand, hören gedul­dig zu und beglei­ten bei Behör­den­gän­gen. Dar­über hin­aus ver­mit­teln sie mate­ri­el­le Hil­fen oder neh­men ihre Lot­sen­funk­ti­on wahr, um im Hil­fe­netz­werk des WEI­SSEN RINGS wei­ter­zu­ver­mit­teln.

Opfer­hil­fe-Pro­fis wer­den gebraucht: Aus die­sem Grund sucht die Außen­stel­le Forch­heim neue Mit­ar­bei­ter, die die Arbeit des WEI­SSEN RINGS vor Ort unter­stüt­zen wol­len. „Wir freu­en uns über jeden, der ein Ehren­amt über­neh­men und sich in die­se Gesell­schaft ein­brin­gen will“, sagt Moni­ka Vieth. Inter­es­sier­te sei­en herz­lich will­kom­men. Auch gera­de jun­ge Men­schen könn­ten aus der Über­nah­me eines Ehren­am­tes prak­ti­schen Nut­zen und per­sön­li­chen Mehr­wert zie­hen. „Vie­le betrach­ten es als gute Inve­sti­ti­on in die Zukunft“, stellt Vieth her­aus. Wer Inter­es­se an einem Ehren­amt beim WEI­SSEN RING hat, kann sich bei Moni­ka Vieth, Lei­te­rin der Außen­stel­le Forch­heim WEI­SSER RING e.V. ‑Tel. 09545–509099, e‑mail: mkavieth@t‑online.de mel­den und einen Gesprächs­ter­min ver­ein­ba­ren. Der WEI­SSE RING wur­de 1976 in Mainz gegrün­det als „Gemein­nüt­zi­ger Ver­ein zur Unter­stüt­zung von Kri­mi­na­li­täts­op­fern und zur Ver­hü­tung von Straf­ta­ten e. V.“. Er ist Deutsch­lands größ­te Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on für Opfer von Kri­mi­na­li­tät. Der Ver­ein unter­hält ein Netz von rund 3.200 ehren­amt­li­chen, pro­fes­sio­nell aus­ge­bil­de­ten Opfer­hel­fern in bun­des­weit 420 Außen­stel­len. Der WEI­SSE RING hat über 100.000 För­de­rer und ist in 18 Lan­des­ver­bän­de geglie­dert. Er ist ein sach­kun­di­ger und aner­kann­ter Ansprech­part­ner für Poli­tik, Justiz, Ver­wal­tung, Wis­sen­schaft und Medi­en in allen Fra­gen der Opfer­hil­fe. Der Ver­ein finan­ziert sei­ne Tätig­keit aus Mit­glieds­bei­trä­gen, Spen­den, testa­men­ta­ri­schen Zuwen­dun­gen sowie von Gerich­ten und Staats­an­walt­schaf­ten ver­häng­ten Geld­bu­ßen.

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