Sonntagsgedanken: Nicht untätig sein!

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Ein Kaufmann muss sich nicht anstrengen, um bankrott zu werden. Eine Fehlinvestition, einige zahlungsunfähige oder -unwillige Kunden, dazu die schlechte Weltkonjunktur, schon ist es passiert. Ein Landwirt braucht kein Unkraut zu säen, um es auf den Feldern zu bekommen. Ein Angestellter wird schnell entlassen, wenn er faul oder frech zu seinem Chef ist.

So kommt das Böse wie von selbst auf uns zu, ja es wuchert in uns. Dabei spielt es keine Rolle, woher das Böse kommt. Während wir solche philosophischen Fragen diskutieren, nimmt es überhand. Schon die Kleinsten verhalten sich neidisch, aufbrausend. Darum ärgert es mich so, wenn junge Eltern heute oft erklären, gar im stolzen Bewusstsein, ihrer aufgeklärten Gesinnung, dass sich ihre Kinder religiös selbst entscheiden sollten.

Wer so redet, zeigt damit nur, wie oberflächlich, wie haltlos er selbst ist. Die Macht des Bösen nimmt der christliche Glaube ernster als die anderen Religionen, ganz zu schweigen von den Philosophien und Sozialwissenschaften, die meinen, mit klugen Gedanken oder ein paar Therapiesitzungen dem Bösen Herr zu werden. Wir Christen wissen: Das Böse fängt ganz unscheinbar an in unseren Herzen und hier muss das Entscheidende passieren. Wer sich in seinem Sinn Arges vornimmt, der ist schuldig, denn nur Zufall oder Feigheit verhindern die Ausführung der bösen Tat. Was das Böse konkret ist, lässt sich nicht immer eindeutig sagen. Glaube kann in Fanatismus umschlagen, Mut in Tollkühnheit, Vorsicht in Feigheit, Gesetzestreue in Engstirnigkeit und Unmenschlichkeit. Christus aber hat die Schuld aller Menschen gesühnt und sein Heiliger Geist will täglich das Böse in mir, das Böse um mich her überwinden, will die Strukturen von Wirtschaft und Politik humaner machen, denn auch sie können böse sein.

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Pfarrer Dr. Christian Fuchs, www.neustadt-aisch-evangelisch.de

Infos zu Christian Karl Fuchs:

  • geb. 04.01.66 in Neustadt/Aisch
  • Studium der evang. Theologie 1985 – 1990 in Neuendettelsau
  • Vikariat in Schornweissach-Vestenbergsgreuth 1993 – 1996
  • Promotion zum Dr. theol. 1995
  • Ordination zum ev. Pfarrer 1996
  • Dienst in Nürnberg/St. Johannis 1996 – 1999
  • seither in Neustadt/Aisch
  • blind