Leserbrief: „Kundenorientierung?“

Sehr geehrte Damen und Herren!

Bamberg rühmt sich selbst des drittbesten Linienbusangebotes sowie der mit Abstand besten Haltestellenausstattung Deutschlands – eine Beurteilung, die außer von absolut Unwissenden allenfalls von der Hofberichterstattung geteilt wird.

Am vergangenen Samstag konnte ich mich – abseits meiner „üblichen“ Strecken und Zeiten unterwegs – wieder einmal selbst von der „hohen“ Qualität der Bamberger Nahverkehrserschließung überzeugen:

Am Nachmittag hatten wir einen Termin in Pödeldorf wahrzunehmen. Sowohl die Deutsche Bahn als auch der Verkehrsverbund wiesen in ihren Onlineauskünften eine Rückfahrmöglichkeit um 17.41 Uhr aus – ausdrücklich für besagten Sonnabend! Vor Ort mußten wir dann feststellen: Dieser Bus fährt ausschließlich sonntags. So lange wollten wir nicht warten, mußten unsere Rückfahrt daher anderweitig organisieren – ärgerlich, wenn die Fahrkarte (Tagesticket) bereits gelöst ist.

In Bamberg angekommen, lagen noch Besorgungen in der Luitpoldstraße an. Wir strebten an, im Bereich der abendlichen Taktausdünnung, jedoch vor dem Einsetzen der Nachtexpreßbedienung ab der gleichnamigen Haltestelle zum ZOB zu fahren, um dort unseren Anschluß zu erreichen.

Zu unserer Überraschung waren an der Haltestelle – mit zwei Ausnahmen, die ein Erreichen des Anschlusses nicht ermöglicht hätten – sämtliche Fahrpläne entfernt worden. Also nahmen wir, um sicher rechtzeitig am ZOB eintreffen zu können und nicht elend lang in der Kälte warten zu müssen, die Beine in die Hand und eilten mitsamt unseres Gepäcks zu Fuß dorthin. Schließlich konnten wir uns nicht darauf verlassen, daß noch rechtzeitig ein Zubringerbus fährt.

Der überholte uns auf der Brücke über den Main-Donau-Kanal.

So durften wir an diesem Tag gleich mehrfach feststellen, daß der Servicegedanke den Betreibern des öffentlichen Personenverkehrs in und um Bamberg gänzlich fremd ist. Neben der ohnehin hochgradig mangelhaften Erschließung wird den Fahrgästen das Leben unnötig erschwert. Der über die vergangenen Jahrzehnte zu beobachtende, kontinuierliche Rückgang des öffentlichen Nahverkehrs am Mobilitätsaufkommen erklärt sich quasi von selbst. Bundesweit melden Verkehrsbetriebe nahezu jährlich neue Fahrgastrekorde.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Bönig