Sonn­tags­ge­dan­ken: Die leben­de Brücke

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

Drei Bau­ar­bei­ter sind in schwin­del­erre­gen­der Höhe auf dem Dach eines Wol­ken­krat­zers tätig. Da bemer­ken sie zu ihrem Ent­set­zen, dass unter ihnen ein Feu­er aus­ge­bro­chen ist. Die Flucht­we­ge sind ver­sperrt. Hub­schrau­ber kön­nen wegen des star­ken Win­des nicht her­bei­flie­gen. Die Feu­er­wehr braust mit Tatü­ta­ta her­an, kur­belt die Dreh­lei­ter hoch und der Ret­ter kommt ihnen ganz nah. Doch, oh Schreck! Die Lei­ter ist zu kurz. Nur knap­pe zwei Meter feh­len. Da stellt sich der Feu­er­wehr­mann auf die ober­ste Spros­se und streckt sich zur Dach­rin­ne hoch. Nun klet­tern die drei an ihm hin­un­ter und kön­nen sich über die Lei­ter ret­ten. Ihn aber ver­las­sen die Kräf­te, er lässt los und stürzt ab.

So macht es Chri­stus für uns: Er starb, damit wir leben dür­fen. Wäre Chri­stus nur ein Phi­lo­soph gewe­sen wie Sokra­tes, ein Psy­cho­lo­ge wie der heu­te so geprie­se­ne Carl Gustav Jung oder ein Pro­phet wie Moham­med, dann wür­den die bei­den Fein­de des Men­schen, die kei­ne Weis­heit über­win­den kann, die Schuld und der Tod, auch hin­ter unse­rem Leben den Schluss­punkt set­zen. Vie­le Men­schen aber wol­len das nicht ein­se­hen, indem sie mei­nen, kei­nen Ret­ter nötig zu haben. Doch sie ver­harm­lo­sen den Schrecken des Todes, den Ernst der Schuld, die wir nicht auf ande­re abschie­ben dür­fen, auf die Erb­an­la­gen, die Erzie­hung, den Zeit­geist oder neu­er­dings das Inter­net. Ich muss nicht in phi­lo­so­phi­sche Höhen empor­klet­tern, muss nicht india­nisch oder bud­dhi­stisch medi­tie­ren. Mögen Psy­cho­lo­gen den Men­schen im kon­kre­ten Fall auch hel­fen kön­nen, das Ver­häng­nis von Schuld und Tod hat Chri­stus auf­ge­sprengt. Weil Gott mich unbe­dingt liebt, weil nichts mich von ihm tren­nen kann, darf ich zu mir ste­hen, nicht trot­zig, nicht wirk­lich­keits­fremd, son­dern ganz ehr­lich und doch fröh­lich, denn Got­tes neue Welt kann mir nie­mand rauben.

Wei­te­re Sonn­tags­ge­dan­ken

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

Infos zu Chri­sti­an Karl Fuchs:

  • geb. 04.01.66 in Neustadt/​Aisch
  • Stu­di­um der evang. Theo­lo­gie 1985 – 1990 in Neuendettelsau
  • Vika­ri­at in Schorn­weiss­ach-Vesten­bergs­greuth 1993 – 1996
  • Pro­mo­ti­on zum Dr. theol. 1995
  • Ordi­na­ti­on zum ev. Pfar­rer 1996
  • Dienst in Nürnberg/​St. Johan­nis 1996 – 1999
  • seit­her in Neustadt/​Aisch
  • blind

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