Uni­ver­si­tät Bay­reuth: Ein Flug zum Mars als Tür­öff­ner im Klassenzimmer

Das neue EU-Pro­jekt ‚Sto­ries of Tomor­row‘ des Bay­reu­ther Lehr­stuhls Didak­tik der Bio­lo­gie lädt Schü­ler (und Leh­rer) von Schu­len aus der Regi­on Bay­reuth, Ober­fran­ken und der Ober­pfalz zu Pilot­pro­jek­ten auf dem Mars ein.

„Phy­sik habe ich in der Ober­stu­fe abge­wählt und in Mathe war ich schlecht!“ Sol­che Bekennt­nis­se sind oft zu hören, fragt man Erwach­se­ne nach ihrer Schul­zeit. Die soge­nann­ten MINT-Fächer Mathe­ma­tik, Infor­ma­tik, Natur­wis­sen­schaf­ten und Tech­nik haben es schwer bei Schü­lern. Zu trocken und zu anwen­dungs­fern sind die häu­fig­sten (Vor)urteile. Das ist bedau­er­lich, denn eigent­lich soll Wis­sen­schaft ja hel­fen, die Welt zu ver­ste­hen und Ant­wor­ten auf die Fra­gen nach dem Wie und War­um zu fin­den. Wün­schens­wert wäre, dass Schu­len die­se Neu­gier för­dern, oft kön­nen aber Kin­der­unis, Girls Days, Sci­ence Cen­ter und viel­fäl­ti­ge ande­re MINT-Ange­bo­te nicht wett­ma­chen, was viel­leicht in der frü­he­ren Schul­zeit ver­säumt wurde.

Das neue EU- For­schungs­pro­jekt ‚Sto­ries of Tomorrow‘

Der erfolg­rei­che Antrag für das For­schungs­pro­jekt ‚Sto­ries of Tomor­row‘ mit 16 inter­na­tio­na­len Part­nern ist ein wei­te­rer Bau­stein in den EU-Pro­jek­ten der Uni­ver­si­tät Bay­reuth. Der Lehr­stuhl Didak­tik der Bio­lo­gie form­te in den letz­ten Mona­ten ein Kon­sor­ti­um mit Part­nern aus ganz Euro­pa (dar­un­ter das ‚Space‘ in Tou­lou­se), den USA und sogar Austra­li­en. Die Exper­ti­se der ein­zel­nen Part­ner greift dabei syn­er­gi­stisch inein­an­der. Ein Part­ner in den USA ist bspw. Biosphere‑2, das in den 1990er Jah­ren Schau­platz für ‚Ter­ran­au­ten‘ war, die für Mars­ex­pe­di­tio­nen trai­nie­ren sollten.

Das For­schungs­pro­jekt ‚Sto­ries of tomor­row‘ wird über drei Jah­re lau­fen. Schü­ler kön­nen dabei Pilot­pro­jek­te pla­nen, wie Mars­ex­pe­di­tio­nen orga­ni­siert wer­den könn­ten. Ein Lehr-Lern-Por­tal bil­det die Basis, nicht nur um Exper­ten kon­tak­tie­ren zu kön­nen, son­dern auch um sich aus­zu­tau­schen. Schü­ler aus Bay­reuth kön­nen bspw. mit Schü­lern aus Ari­zo­na zusam­men­ar­bei­ten, um Biosphere‑2 in ein eige­nes Pilot­pro­jekt ein­zu­bau­en. Schü­ler aus Grie­chen­land kön­nen gemein­sam mit ‚Space‘-Experten in Frank­reich her­aus­fin­den, wie man ein Leben auf einer Mars­sta­ti­on orga­ni­sie­ren könn­te. „Bei unse­rem neu­en EU-For­schungs­pro­jekt kön­nen die Schü­ler ein­zig­ar­ti­ge wis­sen­schaft­li­che Res­sour­cen von For­schungs­ein­rich­tun­gen nut­zen, sich mit Schü­lern von Part­ner­län­dern ver­net­zen – denn schnell wird den jun­gen For­schern klar wer­den, dass mit einem ein­zi­gen Pilot­pro­jekt nicht eine gan­ze Mars-Expe­di­ti­on zu stem­men ist“, erläu­tert Prof. Dr. Franz X. Bogner, Inha­ber des Lehr­stuhls Didak­tik der Bio­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Bayreuth.

Der Schlüs­sel für das Mars-Pro­jekt von ‚Sto­ries of tomorrow‘

…ist das for­schen­de Ler­nen, im Eng­li­schen als Inqui­ry-Based Lear­ning bezeich­net. Es ist ange­lehnt an die Arbeits­wei­se des Wis­sen­schaft­lers, der die Welt stu­diert und auf Tat­sa­chen basie­ren­de Erklä­run­gen ablei­tet. Ähn­lich ent­wickeln Kin­der und Jugend­li­che Wis­sen und Ver­ständ­nis für wis­sen­schaft­li­che Ideen und für die Art und Wei­se, wie Wis­sen­schaft­ler arbei­ten. Beim for­schen­den Ler­nen kön­nen Schü­ler aller Alters­stu­fen Fra­gen stel­len, Ant­wor­ten vor­schla­gen, Unter­su­chun­gen pla­nen und aus­füh­ren, Tat­sa­chen sam­meln, dar­aus eine Erklä­rung aus­ar­bei­ten und die­se ihren Klas­sen­ka­me­ra­den erläu­tern. „Posi­tiv ist die Wir­kung des for­schen­den Ler­nens auf Schü­ler, die mit nor­ma­lem Unter­richt nicht zu errei­chen sind. Ins­be­son­de­re pro­fi­tie­ren auch Mäd­chen, die sich im her­kömm­li­chen natur­wis­sen­schaft­li­chen Unter­richt häu­fig zurück­zie­hen, vom for­schen­den Ler­nen“, ist sich der Bay­reu­ther Wis­sen­schaft­ler sicher.

Ein Ziel von ‚Sto­ries of Tomor­row‘ ist es, das bereits bestehen­de euro­päi­sche Schul-Netz­werk zu ver­stär­ken. „Die Schu­len von Bay­reuth, Ober­fran­ken und der Ober­pfalz sind erneut ein­ge­la­den, die Res­sour­cen des Pro­jek­tes zu nut­zen und an unse­rem euro­pa­wei­ten Schul­pro­jekt teil­zu­neh­men. Ein eige­ner Mars-Flug ist lei­der nicht vor­ge­se­hen, aber des­sen Pla­nung wird eine wei­te­re Her­aus­for­de­rung in die Klas­sen­zim­mer brin­gen. Die Ein­la­dung an die Schu­len steht – flie­gen Sie mit uns gemein­sam zum Mars!“, sagt Prof. Bogner.

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