Zen­trum für trau­ern­de Kin­der star­tet am 7. Dezem­ber mit ers­ter Grup­pe in Oberfranken

Erste Lacrima-Trauerbegleiter sind ausgebildet
Erste Lacrima-Trauerbegleiter sind ausgebildet

Ers­te Lacri­ma-Trau­er­be­glei­ter sind aus­ge­bil­det, wei­te­re Unter­stüt­zer und Ehren­amt­li­che wer­den gesucht

„Ster­ben und Tod sind immer noch ein Tabu­the­ma. Vie­le wis­sen nicht, wie sie damit umge­hen sol­len und schon gar nicht, wenn Kin­der betrof­fen sind. Freun­de, Bekann­te und Nach­barn sind oft über­for­dert und zie­hen sich zurück oder ver­su­chen das The­ma zu umge­hen“, Vera Mer­tens und ihr Team von Ehren­amt­li­chen wol­len das ändern: Sie star­ten im Dezem­ber mit der ers­ten Grup­pen­be­treu­ung für trau­ern­de Kin­der, die einen nahe­ste­hen­den Men­schen ver­lo­ren haben. Vera Mer­tens ist die sozi­al­päd­ago­gi­sche Lei­te­rin von Lacri­ma, dem Zen­trum für trau­ern­de Kin­der der Johan­ni­ter in Ober­fran­ken. In den ver­gan­ge­nen Wochen wur­den sechs Ehren­amt­li­che in einer 64-stün­di­gen Aus­bil­dung auf ihre zukünf­ti­ge Auf­ga­be vor­be­rei­tet. Sie haben theo­re­ti­sches und prak­ti­sches Wis­sen erwor­ben, sich inten­siv mit ihrer per­sön­li­chen Trau­er aus­ein­an­der­ge­setzt und sind nun in der Lage, trau­ern­de Kin­der lie­be­voll zu beglei­ten. Eva Wag­ner ist eine der Ehren­amt­li­chen, die sich bei Lacri­ma enga­giert: „Ich habe in mei­ner Kind­heit selbst einen Trau­er­fall in der Fami­lie erlebt und weiß, wie sich das anfühlt. Das kann einem den Boden unter den Füßen weg­zie­hen. Umso wich­ti­ger ist es, dass Kin­der und Jugend­li­che in einer sol­chen Situa­ti­on auf­ge­fan­gen werden.“

Ab 7. Dezem­ber tref­fen sich betrof­fe­ne Kin­der und ihre Eltern alle 14 Tage in der Johan­ni­ter-Kin­der­ta­ges­stät­te in Recken­dorf (Land­kreis Bam­berg): „Uns war es wich­tig, noch vor Weih­nach­ten zu begin­nen, denn gera­de die­se Zeit ist beson­ders trau­rig, vor allem wenn es das ers­te Fest ist, an dem Mama, Papa oder Geschwis­ter feh­len“, so Mer­tens. Eini­ge Plät­ze sind in der Grup­pe noch frei.

Ein wich­ti­ger Ansatz von Lacri­ma ist die Ent­ta­bui­sie­rung des The­mas Tod. „Trau­er ist kei­ne Krank­heit, son­dern ein nor­ma­les Gefühl wie lus­tig zu sein oder Freu­de zu emp­fin­den. Wir brau­chen unse­re Gefüh­le, um mit dem Ver­lust leben zu kön­nen. Gera­de für Kin­der ist es enorm wich­tig, dass sie Zeit und Raum bekom­men, sie selbst sein zu kön­nen“, betont Vera Mer­tens. Wenn sie nicht voll ange­nom­men wer­den, ver­ber­gen Kin­der ihre Trau­er häu­fig hin­ter einer unbe­schwer­ten Ober­flä­che und ver­su­chen Mut­ter, Vater oder Geschwis­ter zu scho­nen. „Sie müs­sen ihre Trau­er aber zei­gen kön­nen, damit sie nicht an Leib und See­le krank wer­den.“ In den Grup­pen­stun­den kön­nen die Kin­der selbst ent­schei­den, wie sie trau­ern: Laut oder lei­se, durch Toben, Tan­zen, Krea­ti­vi­tät oder ein­fach nur durch Stil­le. Die pro­fes­sio­nel­len Beglei­ter hal­ten aus und schen­ken den Kin­dern Ver­trau­en. Par­al­lel zu den Grup­pen­stun­den fin­det ein Ange­bot für die Eltern oder für erwach­se­ne Begleit­per­so­nen statt, damit auch sie Unter­stüt­zung in ihrer eige­nen Trau­er erhal­ten und ler­nen, mit dem Schmerz ihres Kin­des umzugehen.

Aus den Erfah­run­gen ande­rer Lacri­ma-Grup­pen, die es bei den Johan­ni­tern in man­chen Regio­nen schon fast zehn Jah­re gibt, weiß Vera Mer­tens, dass die Kin­der in der Regel zwei Jah­re zu den Grup­pen­stun­den kom­men: „Natür­lich ist das ein lan­ger und stei­ni­ger Weg, umso schö­ner ist es, am Ende zu sehen, dass die Kin­der mutig und vol­ler Leben­dig­keit ihr Leben in die Hand nehmen.“

Das Ange­bot von Lacri­ma ist für Kin­der und Eltern kos­ten­frei und wird durch Spen­den finan­ziert. Im Mai 2017 soll die nächs­te Aus­bil­dung von Ehren­amt­li­chen star­tet, denn das Ange­bot soll wei­ter aus­ge­baut wer­den: „Wir möch­ten als nächs­tes auch eine Grup­pe für Jugend­li­che anbie­ten und sobald wie mög­lich auch in ande­ren Regio­nen Ober­fran­kens prä­sent sein“, erklärt Mer­tens. „Des­halb freu­en wir uns über alle, die Lacri­ma unter­stüt­zen, finan­zi­ell oder durch ihr ehren­amt­li­ches Engagement.“

Nähe­re Infor­ma­tio­nen erhal­ten Betrof­fe­ne und Inter­es­sier­te unter der Tele­fon­num­mer 0951–20879874 und im Inter­net unter www​.johan​ni​ter​.de/​o​b​e​r​f​r​a​n​k​e​n​/​l​a​c​r​ima