Bam­ber­ger Bier­land unter die Lupe genom­men

Bierkeller in Oberfranken
Bierkeller in Oberfranken
Bierkeller in Oberfranken

Bier­kel­ler in Ober­fran­ken

For­scher unter­su­chen Bier­kel­ler und Braue­rei­en in Ober­fran­ken

Rund 280 Liter Bier trin­ken Bam­ber­ge­rin­nen und Bam­ber­ger durch­schnitt­lich im Jahr. Das über­rascht kaum in der Regi­on mit der welt­weit höch­sten Braue­rei­dich­te. Zum 500. Jah­res­tag des Baye­ri­schen Rein­heits­ge­bots unter­such­ten Prof. Dr. Marc Rede­pen­ning und Seba­sti­an Scholl vom Lehr­stuhl für Kul­tur­geo­gra­phie an der Uni­ver­si­tät Bam­berg in Koope­ra­ti­on mit der Wirt­schafts­för­de­rung des Land­rats­am­tes jetzt die Bier­kul­tur in Bam­berg und im Land­kreis. Am 17. Okto­ber stell­ten Rede­pen­ning und Scholl mit Stu­die­ren­den die Ergeb­nis­se ihrer Stu­die im Bau­ern­mu­se­um in Frens­dorf der Öffent­lich­keit vor.

Die bei­den Kul­tur­geo­gra­phen unter­such­ten gemein­sam mit Stu­die­ren­den eines For­schungs­se­mi­nars sowohl die Kon­su­men­ten- als auch die Pro­du­zen­ten­sei­te der regio­na­len Bier­kul­tur. Im Fokus stan­den die gesell­schaft­li­che Bewer­tung, Aner­ken­nung und Öko­no­mie des Ger­sten­saf­tes. Dabei befrag­ten sie mehr als 700 Nah­erho­le­rin­nen und Nah­erho­ler sowie Tou­ri­stin­nen und Tou­ri­sten aus der Regi­on. Der typi­sche, aus der Regi­on Bam­berg stam­men­de Bier­kel­ler­be­su­cher ist dem­nach männ­lich, zwi­schen 50 und 59 Jah­ren alt, ver­fügt über die mitt­le­re Rei­fe, besucht den Kel­ler gemein­sam mit Bekann­ten und gibt dort zwi­schen 10 und 15 Euro aus.

„Ein zen­tra­les Anlie­gen der Stu­die bestand dar­in, die kul­tu­rel­le Dimen­si­on der Bier­kel­ler aus Sicht der Besu­che­rin­nen und Besu­cher zu unter­su­chen“, erklärt Rede­pen­ning. Drei von vier Befrag­ten beton­ten, dass ihnen vor allem die beson­de­re Atmo­sphä­re im Bier­kel­ler wich­tig sei. Dane­ben spiel­ten Fak­to­ren wie Tra­di­ti­on und Brauch­tum, das gastro­no­mi­sche Ange­bot und die Bier­aus­wahl eine Rol­le. Auf die Fra­ge, wel­che Aus­wir­kun­gen poten­zi­el­le Bier­kel­ler­schlie­ßun­gen für den Ort hät­ten, ant­wor­te­ten rund 70 Pro­zent der Befrag­ten, dass der Ort­schaft im Fal­le der Schlie­ßung des Bier­kel­lers ein Stück Iden­ti­tät und ein wich­ti­ger Treff­punkt in der Dorf­ge­mein­schaft ver­lo­ren gehen wür­de.

Neben den Besu­che­rin­nen und Besu­chern der Bier­kel­ler befrag­ten die For­scher auch ins­ge­samt 62 Braue­rei­en in Stadt und Land­kreis Bam­berg, um mehr über die Betriebs­struk­tur, Regio­na­li­tät der Pro­duk­te und Unter­neh­mens­phi­lo­so­phie zu erfah­ren. Zunächst unter­such­ten die Kul­tur­geo­gra­phen, aus wel­chen Grün­den die Befrag­ten in Braue­rei­en arbei­te­ten. „Unse­re Ergeb­nis­se zei­gen, dass eine Ent­schei­dung für die Aus­übung des Brau­er­be­rufs größ­ten­teils auf­grund der Lei­den­schaft für das Braue­rei­hand­werk und aus Fami­li­en­tra­di­ti­on getrof­fen wird“, erklärt Scholl. Die Bedeu­tung von Fami­lie und Brauch­tum in der jewei­li­gen Unter­neh­mens­phi­lo­so­phie sei ein wich­ti­ger Grund dafür, dass klei­ne Bier­be­trie­be mit mehr­heit­lich weni­ger als 3.000 Hek­to­li­tern Bier­aus­stoß das Braue­rei­we­sen in Stadt und Land Bam­berg bis heu­te prä­gen.

Die Braue­rei­en blicken in Zukunft auf vie­le Her­aus­for­de­run­gen: Vor allem Per­so­nal­pro­ble­me und Büro­kra­tie wur­den als Schwie­rig­kei­ten benannt. „Das zen­tra­le Pro­blem­feld liegt in der Per­so­nal­ak­qui­se. Ins­ge­samt gin­gen die Befrag­ten davon aus, dass die man­geln­de Attrak­ti­vi­tät des Arbeits­plat­zes in einer Braue­rei dafür aus­schlag­ge­bend ist“, sagt Rede­pen­ning. Vor allem unre­gel­mä­ßi­ge Arbeits­zei­ten und ein gerin­ges Lohn­ni­veau nann­ten die Teil­neh­men­den der Umfra­ge als Grün­de dafür. Oft sei auch die Über­nah­me der Braue­rei durch fami­liä­ren Nach­wuchs unge­wiss, vor allem bei klei­ne­ren Betrie­ben.

Durch die star­ke Ver­net­zung der Braue­rei­en unter­ein­an­der könn­ten sol­che Her­aus­for­de­run­gen aber auch in Zukunft ange­gan­gen wer­den: Aktu­ell beför­dern etwa fach­li­cher, oft freund­schaft­lich gepräg­ter Aus­tausch unter­ein­an­der die Zusam­men­ar­beit bei der Pro­duk­ti­on und der Ver­mark­tung der frän­ki­schen Bie­re. Die Ergeb­nis­se der Stu­die kön­nen von Stadt und Land­kreis, den Tou­ris­mus­ver­bän­den, aber auch von den Braue­rei­en und Bier­kel­ler­päch­tern etwa für die Aus­ar­bei­tung neu­er Ver­mark­tungs­stra­te­gien frän­ki­scher Bie­re, zur Ver­bes­se­rung des tou­ri­sti­schen Ange­bots und der über­re­gio­na­len Bekannt­heit der Bam­ber­ger Bier­kul­tur genutzt wer­den.

Die voll­stän­di­ge Stu­die fin­den Sie unter: http://​bit​.ly/​2​9​g​G​YPs