Arti­kel­se­rie: Ener­gie­wen­de ja – aber wie? 58: Ener­gie­wen­de durch Druck von unten – Dezen­tra­li­sie­rung durch Eigenversorgung

Goliath Poldermolen. Foto: Uberprutser, CC-BY-SA-3.0-nl

Goli­ath Pol­der­mo­len. Foto: Uberprut­ser, CC-BY-SA‑3.0‑nl

Nach Abschal­tung der letz­ten Kern­kraft­wer­ke 2022 wird Bay­ern ein Strom­de­fi­zit von ca. 30% haben (Kapi­tel 39 – 41). Um die Fol­gen die­ses Defi­zits zu beherr­schen gibt es außer der Mög­lich­keit eines Strom­im­por­tes aus nörd­li­chen Bun­des­län­dern und süd­li­chen Nach­bar­staa­ten, was einen Aus­bau der Über­tra­gungs­net­ze erfor­dert, noch fol­gen­de Alternativen:

  • den Strom­be­darf ver­rin­gern durch effi­zi­en­te­re Gerä­te und Strom­spa­ren, Kapi­tel 48 bis 52, und
  • mehr Strom aus loka­len erneu­er­ba­ren Quel­len mög­lichst dort erzeu­gen wo er gebraucht wird. Dies wür­de sowohl die loka­len Net­ze als auch die Über­tra­gungs­netz entlasten.

Am effek­tiv­sten ist eine Kom­bi­na­ti­on die­ser bei­den Punk­te, rea­li­sier­bar in jedem Haus mit einer ent­spre­chen­den Pho­to­vol­ta­ik-Anla­ge. Hier­bei gibt es ein gene­rel­les Pro­blem: der Ener­gie­lie­fe­rant, die Son­ne, lie­fert um die Mit­tags­zeit die mei­ste Ener­gie. Dies ist aber eine Zeit­span­ne, in der in vie­len Haus­hal­ten kei­ner zu Hau­se ist, sodass kein Ener­gie­be­darf ent­steht. Es müss­te also tags­über min­de­stens so viel Ener­gie gespei­chert wer­den, dass sie für den Ener­gie­be­darf abends und am näch­sten Mor­gen reicht.

Als vor etwa 15 bis 20 Jah­ren die ersten PV-Anla­gen auf Haus­dä­chern instal­liert wur­den, gab es sol­che Spei­cher zwar schon, jedoch so teu­er, dass sol­che Anla­gen unwirt­schaft­lich waren. Des­halb wur­de zunächst die gesam­te Ener­gie, ab 2009 nur die, die im Haus nicht direkt ver­braucht wur­de, in das all­ge­mei­ne Strom­netz ein­ge­speist, wo sie ande­ren Ver­brau­chern direkt zur Ver­fü­gung stand. Das Netz wirk­te qua­si wie ein Spei­cher, aus dem man zu ande­ren Zei­ten sei­nen Strom­be­darf wie­der decken konn­te. Real bewirk­te das Netz nur einen Aus­gleich zwi­schen der Viel­zahl der Ver­brau­cher und Strom­erzeu­ger. Wirt­schaft­lich waren sol­che Anla­gen weil die Ein­spei­se­ver­gü­tung für den ins Netz ein­ge­spei­sten Strom wesent­lich höher war, als der Preis des Stro­mes für den Bezug aus dem Netz. Die Inve­sti­ti­on in eine sol­che Anla­ge brach­te dadurch meist eine akzep­ta­ble Ren­di­te. Die Steue­rungs­stra­te­gie für sol­che Anla­gen war: mög­lichst viel in das Netz ein­spei­sen und mög­lichst wenig sel­ber verbrauchen.

In der Zwi­schen­zeit haben sich aber die­se Kosten­re­la­tio­nen erheb­lich geän­dert. Der Strom aus dem Netz wur­de teu­rer. Die Ein­spei­se­ver­gü­tung wur­de deut­lich redu­ziert, auf Wer­te unter dem Preis des Stro­mes aus dem Netz. D.h., die alte Steue­rungs­stra­te­gie wür­de zu einem Ver­lust­ge­schäft füh­ren. Ande­rer­seits haben die Ent­wick­lun­gen für die Elek­tro­mo­bi­li­tät bewirkt, dass das Ange­bot für Akkus als Ener­gie­spei­cher viel­sei­ti­ger und preis­wer­ter wur­de. D.h., man kann heu­te PV-Anla­gen mit Akkus ergän­zen und das Über­an­ge­bot der Son­ne um die Mit­tags­zeit spei­chern, um es in den son­nen­är­me­ren Zei­ten, z.B. abends und mor­gens, wie­der abzu­ru­fen. Die Ren­di­te einer Inve­sti­ti­on in solch eine Anla­ge ent­steht durch die ein­ge­spar­ten Kosten für einen deut­lich gerin­ge­ren Strom­be­zug aus dem Netz. Die Steue­rungs­stra­te­gie sol­cher Anla­gen ist also genau umge­kehrt: mög­lichst wenig Strom in das Netz ein­spei­sen und mög­lichst viel der selbst erzeug­ten Ener­gie auch selbst nutzen.

Die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Hard­ware­kom­po­nen­ten, die ver­schie­de­nen Anla­gen­kon­zep­te, ein modu­la­rer Auf­bau und evtl. Erwei­te­rungs­mög­lich­kei­ten mit dem Ziel, mög­lichst aut­ark zu wer­den, bis hin zu einem Not­be­trieb bei Netz­aus­fall, das sind The­men der näch­sten Kapitel.

Die­ter Lenzkes
Bürger-für-Bürger-Energie
www​.bfb​-ener​gie​.de

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