Arti­kel­se­rie: Ener­gie­wen­de ja – aber wie? 57: Ener­gie­ef­fi­zi­enz Kühl- und Gefrier­ge­rä­te – Nachtrag

Goliath Poldermolen. Foto: Uberprutser, CC-BY-SA-3.0-nl

Goli­ath Pol­der­mo­len. Foto: Uberprut­ser, CC-BY-SA‑3.0‑nl

In Kapi­tel 50 hat­ten wir die Daten des Ener­gie­la­bels bespro­chen und fest­ge­stellt, dass die Anga­ben des Jah­res­ver­brauchs rea­li­täts­fern sind und besten­falls zum Ver­gleich ver­schie­de­ner Gerä­te unter­ein­an­der tau­gen. Ein auf­merk­sa­mer Leser hat mir dar­auf­hin sei­ne pri­va­ten Mes­sun­gen zur Ver­fü­gung gestellt und auch auf ent­spre­chen­de Mess­rei­hen der Stif­tung Waren­test hin­ge­wie­sen, z.B. Heft Juli 2016 über Kühl-Gefrier­kom­bi­na­tio­nen sowie auf wei­te­re Daten und Infor­ma­tio­nen, die auf der Web­site der Stif­tung Waren­test ein­seh­bar sind.

Die Stif­tung Waren­test ver­sucht mit zwei Mess­rei­hen, gerin­ge Nut­zung und star­ke Nut­zung, die Rea­li­tät nach­zu­bil­den. Details zu die­sen Mess­ver­fah­ren sie­he https://www.test.de/Produkttests-So-kommt-die-Stiftung-Warentest-Tricksern-auf-die-Spur-4933009–0 und https://www.test.de/Kuehlgeraete-im-Test-4735177–4735180 – Stromverbrauch.

Bei der Mess­rei­he „gerin­ge Nut­zung“ wird der Strom­ver­brauch gemes­sen, der not­wen­dig ist, um die Tem­pe­ra­tur des ein­ge­la­ger­ten und bereits her­un­ter gekühl­ten Gutes (in Form von Mess­pa­ke­ten) kon­stant zu hal­ten. Bei der Mess­rei­he „star­ke Nut­zung“ wird berück­sich­tigt, dass der Inhalt (Mess­pa­ke­te) gewech­selt wird und her­un­ter gekühlt wer­den muss. Da die Umge­bungs­tem­pe­ra­tur am Auf­stell­ort ein wesent­li­cher Fak­tor für den Strom­ver­brauch ist, wer­den die­se Mess­rei­hen bei 25ºC (mitt­le­re Tem­pe­ra­tur), 32ºC (hei­ßer Som­mer­tag in der Küche) und 10ºC (küh­ler Kel­ler) gemacht.

Aus die­ser Daten­flut las­sen sich nun fol­gen­de all­ge­mei­ne Ten­den­zen ableiten:

  • Die Mess­rei­he für „gerin­ge Nut­zung“ bei 25ºC ergibt in etwa den glei­chen Wert wie die Anga­be des Jah­res­ver­brauchs auf dem Ener­gie­la­bel, im Fol­gen­den „Basis­wert“ genannt.
  • Bei der Mess­rei­he „star­ke Nut­zung“ ergibt sich ein Mehr­ver­brauch, gegen­über dem „Basis­wert“, von durch­schnitt­lich 30% bis 40%, mit ein­zel­nen Aus­rei­ßern sowohl nach oben als auch nach unten.
  • Bei Umge­bungs­tem­pe­ra­tu­ren von 10ºC ist der Strom­ver­brauch ca. 50% klei­ner, er hal­biert sich also.
  • Bei Umge­bungs­tem­pe­ra­tu­ren von 32ºC ist der Strom­ver­brauch ca. 50% grö­ßer, also etwa das 1,5‑fache.

Alle Fak­to­ren sind nahe­zu unab­hän­gig von der Effi­zi­enz­klas­se. D.h., der Basis­wert (Anga­be auf dem Ener­gie­la­bel bzw. Mes­sung bei „gerin­ger Nut­zung“) ist natür­lich bei A+, A++ und A+++ Gerä­ten unter­schied­lich. Für den Mehr­ver­brauch im prak­ti­schen Betrieb gegen­über dem jewei­li­gen Basis­wert kann man aber die­sel­ben Fak­to­ren ansetzen.

Hier­aus las­sen sich jetzt fol­gen­de Maß­nah­men für einen mög­lichst strom­spa­ren­den Betrieb in der Pra­xis ableiten:

  • Den Kühl­schrank für den Tages­be­darf wird man nicht in einen küh­len Kel­ler stel­len, son­dern in die Küche. Man soll­te aber die unmit­tel­ba­re Nähe zu Wär­me­quel­len wie Herd, Back­ofen etc. meiden.
  • Frisch ein­ge­leg­te Waren, z.B. noch war­me Spei­se­re­ste, erst auf Raum­tem­pe­ra­tur, bes­ser noch Kel­ler­tem­pe­ra­tur, abküh­len lassen.
  • Tief­kühl­kost zum Auf­tau­en erst in den Kühl­schrank legen.

In Kapi­tel 50 hat­ten wir anhand der (pra­xis­frem­den) Daten auf dem Ener­gie­la­bel fest­ge­stellt: Die Mehr­ko­sten beim Kauf ener­gie­ef­fi­zi­en­te­rer Gerä­te loh­nen sich erst, wenn die Nut­zungs­dau­er 8 bis 10 Jah­re über­schrei­tet. Wie sieht die­se Rech­nung jetzt aus, wenn wir die rea­li­sti­sche­ren Daten ansetzen.

Basiskosten

Basis­ko­sten

Zur Erin­ne­rung noch mal die Gra­phik aus Kapi­tel 50, die zeig­te, dass die Nut­zungs­dau­er 8 bis 10 Jah­re über­stei­gen muss­te, damit sich die Mehr­ko­sten für die Anschaf­fung eines höher effi­zi­en­ten Gerä­tes durch ein­ge­spar­te Strom­ko­sten rentieren.

In Kapi­tel 50 wur­de dies „Gesamt­ko­sten“ genannt, hier jetzt prä­zi­ser „Basis­ko­sten“, mit einem Strom­preis von 0,25 €/​kWh. Für die fol­gen­de Gra­phik, die „rea­len Gesamt­ko­sten“, wur­de für den Strom­ver­brauch das 1,35-fache der Anga­be auf dem Ener­gie­la­bel ange­setzt (Mit­tel­wert der Waren­test­mes­sun­gen), und für die Strom­ko­sten ein Preis von 0,27 €/​kWh, was den der­zei­ti­gen Strom­prei­sen bes­ser entspricht.

Reale Gesamtkosten

Rea­le Gesamtkosten

Die Gesamt­ko­sten lie­gen jetzt natur­ge­mäß höher, aber die Nut­zungs­dau­er, die min­de­stens erreicht wer­den muss, damit sich die Mehr­ko­sten der effi­zi­en­te­ren Gerä­te durch Ein­spa­run­gen bei den Strom­ko­sten ren­tie­ren, ist auf etwa 4 bis 6 Jah­re gesunken.

Ein wei­te­rer Aspekt ergibt sich aus Lang­zeit­mes­sun­gen der Stif­tung Waren­test: Die Wär­me­iso­lie­rung der Kühl- und Gefrier­ge­rä­te altert und wird vor allem in den ersten 3 Jah­ren deut­lich schlech­ter, was eben­falls einen höhe­ren Strom­ver­brauch zur Fol­ge hat. Details sie­he https://www.test.de/Kuehl-und-Gefriergeraete-Stromhunger-waechst-4579954–0.

Fazit: Je inten­si­ver die Nut­zung, d.h. je häu­fi­ger der Zugriff auf den Inhalt bzw. des­sen Aus­tausch, und je höher der Strom­preis, umso schnel­ler ren­tie­ren sich Mehr­aus­ga­ben für ener­gie­ef­fi­zi­en­te­re Gerä­te. Je gerin­ger die Nut­zung, d.h. je sel­te­ner der Inhalt aus­ge­tauscht wird, umso mehr nähert sich der Betrieb den Basis­ko­sten, z.B. bei Gefrier­tru­hen mit Auf­stel­lung in einem küh­len Kel­ler. Umso frag­wür­di­ger wird es aber auch, ob sich die Mehr­aus­ga­ben bei der Anschaf­fung ren­tie­ren. Es sei denn, die Preis­dif­fe­ren­zen zwi­schen den ein­zel­nen Effi­zi­enz­klas­sen wer­den deut­lich gerin­ger als in unse­rem will­kür­lich gewähl­ten Bei­spiel aus einem Elek­tro­groß­markt in Kapi­tel 50.

Die­ter Lenzkes
Bürger-für-Bürger-Energie
www​.bfb​-ener​gie​.de

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