Sonn­tags­ge­dan­ken: Leo Tol­stoi: Ein Gleich­nis auf Leben und Glauben

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

Ich fühl­te mich, wie ein Mensch, der in einem Kahn saß und dem man die Ruder in die Hän­de leg­te, obwohl er nichts von der See­manns­kunst ver­stand. So ließ ich mich trei­ben, wohin der Strom mich führ­te. Ich sah vor und hin­ter mir, links und rechts neben mir Men­schen, die es eben­so taten. Man pad­del­te lustig und unbe­schwert. Da hör­te ich vor mir das Rau­schen der Strom­schnel­len, die ungläu­bi­gen, ent­setz­ten Rufe der andern. Ich leg­te mich nun mäch­tig in die Rie­men, um fluss­auf­wärts zu rudern weg von der töd­li­chen Gefahr. Die übri­gen Rude­rer schüt­tel­ten nur ver­ständ­nis­los den Kopf und spot­te­ten über mich. Nach har­tem Kampf erreich­te ich das Ufer, sank erschöpft nie­der und dank­te Gott, zu dem ich heim­ge­kehrt war.

Man­cher fühlt sich in einer schwe­ren Kri­se wie­der neu in Got­tes Hand gebor­gen, und ent­deckt gera­de in schwe­ren Zei­ten neue Kräf­te in sich. So kann das dunk­le Erleb­nis zum Segen wer­den. Die Geschich­te zeigt mir aber auch, dass es nicht genügt, sich vom Strom des Lebens trei­ben zu las­sen, dass Leben auch Kampf bedeu­tet, ein Rudern gegen den mäch­ti­gen Strom der Gewohn­heit, der all­ge­mei­nen Mode. Gera­de wir Chri­sten im kir­chen­kri­tisch-selbst­zu­frie­den gewor­de­nen Euro­pa dür­fen eben nicht die Hän­de in den Schoß legen, sol­len für Chri­stus wer­ben und uns so wie er für die Schwa­chen einsetzen.

Wei­te­re Sonn­tags­ge­dan­ken

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

Infos zu Chri­sti­an Karl Fuchs:

  • geb. 04.01.66 in Neustadt/​Aisch
  • Stu­di­um der evang. Theo­lo­gie 1985 – 1990 in Neuendettelsau
  • Vika­ri­at in Schorn­weiss­ach-Vesten­bergs­greuth 1993 – 1996
  • Pro­mo­ti­on zum Dr. theol. 1995
  • Ordi­na­ti­on zum ev. Pfar­rer 1996
  • Dienst in Nürnberg/​St. Johan­nis 1996 – 1999
  • seit­her in Neustadt/​Aisch
  • blind

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