Erneu­ter Rekord bei über­win­tern­den Weißstörchen

Wegen mil­der Wit­te­rung und mensch­li­cher Ein­fluss­nah­me zie­hen immer weni­ger Stör­che weg – Kei­ne Anpas­sung an Klimawandel

Von Jahr zu Jahr über­win­tern immer mehr Weiß­stör­che in Bay­ern. Mitt­ler­wei­le hat der LBV über 200 Stör­che erfasst, die es vor­zie­hen, nicht mehr in den Süden zu zie­hen. Somit spa­ren sie sich den gefähr­li­chen Flug ins Win­ter­quar­tier nach Afri­ka. Die Zunah­me die­ses Phä­no­mens ist jedoch kein Indi­ka­tor für den Kli­ma­wan­del, da das Ver­hal­ten der mei­sten die­ser Stör­che durch mensch­li­ches Ein­grei­fen beein­flusst wur­de. Mit der mög­li­chen Käl­te kom­men die über­win­tern­den Vögel gut zurecht. Wo in den Süden hin­ge­gen eini­ge der baye­ri­schen Stör­che hin­ge­zo­gen sind, das kön­nen Natur­freun­de auf einer Kar­te im Inter­net live mit­ver­fol­gen. Dort fin­den sie die genau­en Zug­rou­ten und Auf­ent­halts­or­te von Jung­stör­chen, die mit Satel­li­ten­sen­dern aus­ge­stat­tet wur­den: www​.lbv​.de/​s​e​n​d​e​r​s​t​o​e​r​che

Seit Jah­ren beob­ach­tet der LBV ein inter­es­san­tes Phä­no­men: Immer mehr Weiß­stör­che über­win­tern in Bay­ern. “Neben schon län­ger bekann­ten Über­win­te­rern im Alt­mühl­tal oder im Min­del­tal sind uns die­ses Jahr noch mehr neue Win­ter­stör­che gemel­det wor­den”, sagt Oda Wie­ding, LBV-Weiß­storch-Exper­tin. So gibt es in fast allen Regie­rungs­be­zir­ken neue Win­ter­gä­ste: Gai­mers­heim (Ober­bay­ern), Biburg (Nie­der­bay­ern), Kal­l­münz (Ober­pfalz), Alt­dros­sen­feld (Ober­fran­ken), Orn­bau (Mit­tel­fran­ken) und Lau­ben (Schwa­ben). Doch mit den Mel­dun­gen gehen beim LBV auch immer Anfra­gen besorg­ter Anwoh­ner ein­her, ob die­se Stör­che denn durch den baye­ri­schen Win­ter kämen. Hier kann die LBV-Exper­tin Ent­war­nung geben: “Sofern es Feucht­wie­sen mit Grä­ben gibt, fin­det der Storch, ähn­lich wie der Grau­rei­her, genü­gend Mäu­se, Wür­mer und klei­ne Fische. Außer­dem hält er sich bei Käl­te durch Auf­plu­stern sei­nes Gefie­ders warm.”

For­scher dis­ku­tie­ren der­zeit, ob das Phä­no­men der zuneh­men­den Über­win­te­rung eine Anpas­sung des Weiß­storchs an den Kli­ma­wan­del ist. Da aber auf die mit­tel­eu­ro­päi­sche Popu­la­ti­on der Vogel­art ein ent­schei­den­der Ein­fluss von ehe­ma­li­gen Zucht­sta­tio­nen in der Schweiz, dem Elsaß und Baden-Würt­tem­berg nach­ge­wie­sen ist, kann der Weiß­storch kei­nes­wegs zur Kli­ma­for­schung die­nen. “Hier hat eine mas­si­ve mensch­li­che Ein­fluss­nah­me auf das natür­li­che Ver­hal­ten statt­ge­fun­den. Vie­le Vögel wur­den aktiv am Weg­zug gehin­dert und nun brei­ten sich die­se frei­ge­las­se­nen Zucht­stör­che immer wei­ter aus”, erklärt Wieding.

Im Unter­schied zu klei­nen Sing­vö­geln kom­men Stör­che pro­blem­los auch mal eine gan­ze Woche kom­plett ohne Nah­rung aus. Der LBV bit­tet des­halb dar­um, die­se Vögel nicht zu füt­tern, um wei­te­re Ver­hal­tens­stö­run­gen und eine zu star­ke Anpas­sung an mensch­li­che Ein­fluss­nah­me zu ver­hin­dern. Von eini­gen über­win­tern­den Stör­chen, so wie in Donau­wörth, ist außer­dem belegt, dass die­se bei tat­säch­li­chem Win­ter­ein­bruch einen Teil­zug zum Boden­see oder ins Rhein­tal machen. “Die­se Reste des natür­li­chen Zug­trie­bes bele­gen, dass die Vögel ihre Umge­bung sehr gut ken­nen und die Nah­rungs­si­tua­ti­on selbst gut ein­schät­zen kön­nen”, so Wieding.

Mit einem aktu­el­len Pro­jekt, in dem Jung­stör­che mit Satel­li­ten­sen­dern aus­ge­stat­tet wur­den, wer­den der­zeit außer­dem die Risi­ken auf dem Zug­weg und im Win­ter­quar­tier erforscht. „Die­se Daten hel­fen, wei­te­re Gefah­ren­quel­len wie unge­si­cher­te Strom­lei­tun­gen in Spa­ni­en bekannt zu machen und eine ent­spre­chend Ent­schär­fung über unse­re Part­ner­ver­bän­de anzu­stre­ben“, sagt Wie­ding. Die Rou­ten und Auf­ent­halts­or­te der Zug­vö­gel kön­nen live in Inter­net mit­ver­folgt wer­den unter: www​.lbv​.de/​s​e​n​d​e​r​s​t​o​e​r​che

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