Kunst­mu­se­um Bay­reuth: Objekt des Monats November

Victor Vasarelys (1906 – 1997) „Ohne Titel“, 1962, eine Farbserigraphie, 50 x 50 cm aus der Prof. Dr. Felix und Sybille Böcker Schenkung im Kunstmuseum Bayreuth.

Vic­tor Vasa­re­lys (1906 – 1997) „Ohne Titel“, 1962, eine Farb­se­ri­gra­phie, 50 x 50 cm aus der Prof. Dr. Felix und Sybil­le Böcker Schen­kung im Kunst­mu­se­um Bayreuth.

Die aktu­el­le Aus­stel­lung „Barock und Moder­ne. Gui­do Reni trifft Andy War­hol“ fin­det in den Samm­lun­gen des Kunst­mu­se­ums Bay­reuth vie­le Ent­spre­chun­gen. 1955 hat­te Vic­tor Vasa­re­ly anläss­lich der Aus­stel­lung „le Mou­ve­ment“ in der Pari­ser Gale­rie Deni­se René Gedan­ken zu einem Mani­fest ent­wor­fen, das dem Wan­del der Auf­fas­sun­gen zu Raum, Far­be und Figur Rech­nung trägt. Auf gel­bem Papier ver­fasst, wer­den die­se notes pour un mani­fe­ste auch als mani­fest jau­ne bezeich­net. Dar­in erläu­tert Vasa­re­ly unter ande­rem die Bezie­hung von Form und Farbe:

«La for­me ne peut exi­ster qu’u­ne fois signa­lée par une qua­li­té colo­rée. La cou­leur n’est qua­li­té qu’u­ne fois déli­mi­tée en for­me. Le trait (des­sin, con­tour) est une fic­tion qui n’ap­par­tient pas à une, mais à deux for­mes-cou­leurs, il résul­te de leur rencontre.»
(Es gibt kei­ne Form, wenn sie nicht durch eine farb­li­che Eigen­schaft bezeich­net ist. Far­be ist kei­ne Eigen­schaft, wenn sie nicht durch Form umschrie­ben wird. Die Linie ist eine Fik­ti­on, die nicht durch eine ein­zi­ge, son­dern durch zwei Farb-For­men her­vor­ge­ru­fen wird. Sie resul­tiert aus deren Begegnung.)

Das Objekt des Monats, ein Blatt aus der Prof. Dr. Felix und Sybil­le Böcker Schen­kung, macht die­se Wech­sel­wir­kung von Form und Far­be auf beson­ders anschau­li­che Wei­se sinn­fäl­lig, indem es die Dia­lek­tik von Kreis und Qua­drat betont. In die­ser Werk­pha­se steht die illu­sio­ni­sti­sche Wir­kung noch nicht im Mit­tel­punkt der Arbei­ten von Vic­tor Vasa­re­ly. In den Expe­ri­men­ten mit geo­me­tri­schen Flä­chen und farb­li­chen Kon­tra­sten wird Anfang der Sech­zi­ger Jah­re das Spiel mit der drit­ten Dimen­si­on vor­be­rei­tet, das Vasa­re­ly zu einem der bedeu­tend­sten Ver­tre­ter der Op-Art machen sollte.

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