Bie­nen­ge­schich­ten bein­druck­ten beim 8. Erzähl­ca­fé am Dom­berg Bamberg

Von Him­mels­we­sen und Wachsstöcken

Vom Kuchen­buf­fet mit Bie­nen­stich und Honig­ku­chen bis zur Deko­ra­ti­on des Ver­an­stal­tungs­rau­mes mit Bie­nen­fo­tos, Obst­kör­ben und Efeu­blü­ten stand beim Erzähl­ca­fé im His­to­ri­schen Muse­um am Sonn­tag, 18. Okto­ber 2015 alles im Zei­chen der Bie­ne. Zum ach­ten Mal luden die Muse­en der Stadt Bam­berg zusam­men mit dem Fluss­pa­ra­dies Fran­ken zu die­ser beson­de­ren Ver­an­stal­tung ein, die in jedem Jahr zu einem ande­ren The­ma orga­ni­siert wird.

Rein­hold Bur­ger und Ilo­na Muni­que eröff­ne­ten die Erzähl­run­de. Sie berich­te­ten vom Bam­ber­ger Lagen­ho­nig und wie es zur Grün­dung ihrer pri­va­ten Initia­ti­ve „Bie​nen​-leben​-in​-Bam​berg​.de“ und der Bam­ber­ger Schul­bie­ne kam. Ilo­na Muni­que ver­deut­lich­te den Zau­ber, den Bie­nen auf Men­schen haben kön­nen, mit einem Erleb­nis, das sie beim Honig­schleu­dern mit einem sehr ängst­li­chen Kind hat­te: „Nach 10 Minu­ten hat­te die­ses Kind den Imker­hut abge­legt und sogar Bie­nen mit blo­ßen Fin­gern gestrei­chelt.“ Von der fas­zi­nie­ren­den und viel­fäl­ti­gen Welt der Wild­bie­nen, zu denen auch die Hum­meln gehö­ren, erzähl­te Klaus Weber vom Land­schafts­pfle­ge­ver­band Bam­berg. Von gut 500 Wild­bie­nen­ar­ten in Bay­ern sind nahe­zu die Hälf­te vom Aus­ster­ben bedroht, da ihre Lebens­räu­me zer­stört und über­baut oder schlicht zu sehr „auf­ge­räumt“ wer­den. Die Regi­on hat aber auch ein Beson­der­heit zu bie­ten: die Mohn­bie­ne legt jedes Jahr bei Kem­mern ihre mit roten Mohn­blü­ten­blät­tern aus­ge­klei­de­ten Nes­ter an. Ein sol­ches Vor­kom­men ist deutsch­land­weit nur noch bei Coburg bekannt. Jüngst wur­de auch ein Vor­kom­men in der Bam­ber­ger Süd­flur entdeckt.

Dass Bie­nen „Wesen des Him­mels“ sind, wie es eine Imke­rin aus Vor­ra bei Frens­dorf beschrieb, spie­gel­te sich auch in den Beschrei­bun­gen Ulrich Mer­gners wie­der. Am Zabel­stein hat er als Lei­ter des Forst­be­trie­bes Ebrach 2014 einen Zeid­ler­kurs orga­ni­siert. Dabei bestan­den die aus Polen und der Ukrai­ne damals ange­reis­ten Zeid­ler dar­auf, dass die Baum­höh­len für die Bie­nen in luf­ti­ger Höhe ange­legt wer­den müssen.

Mit den heu­te kaum mehr bekann­ten Wach­stö­cken und dem Hin­weis, dass Bie­nen­wachs frü­her so wert­voll und wich­tig war, dass es als Abga­be an Kir­chen und Klös­ter auf­ge­führt wur­de, schloss Micha­el Ker­ling aus Bam­berg die Run­de auf dem Podi­um. Er hat­te aus sei­ner umfang­rei­chen Samm­lung unter­schied­li­che Wach­stö­cke dabei. Die­se aus einem lan­gen, dün­nen Wachs­docht geleg­ten oder gefloch­te­nen „Ker­zen für die Jacken­ta­sche und den Kel­ler“ waren in Zei­ten ohne elek­tri­sches Licht gang und gäbe. Heu­te wird die Tra­di­ti­on vor allem in Öster­reich und in Nie­der­bay­ern noch gepflegt. Und in Mainz, wo es bis heu­te zu Aller­hei­li­gen eine beson­de­re Form des Wach­sto­ckes in Kegel­form gibt: den New­we­ling. Und war­um Efeu­blü­ten als Deko­ra­ti­on? Die­se auch auf Fried­hö­fen häu­fig wach­sen­de Pflan­ze ist die letz­te hei­mi­sche Bie­nen­wei­de im Jahr. So dass die Ant­wort auf die Fra­ge aus dem Publi­kum, ob auch auf Fried­hö­fen Bie­nen­hal­tung mög­lich sei, lau­te­te: ja, denn hier fin­det die Bie­nen vom Früh­jahr bis zum Herbst in der Regel ein rei­ches, von Spritz­mit­teln unbe­las­te­tes Blütenangebot.

Wer das Erzähl­ca­fé ver­passt hat: Unter www​.fluss​ge​schich​ten​.org sind Aus­schnit­te und Doku­men­ta­tio­nen der bis­he­ri­gen Erzähl­ca­fés bei­spiels­wei­se zu Äpfeln, der ERBA oder dem Lud­wigs­ka­nal und bald­mög­lichst auch zu den Bie­nen zu finden.