Fran­ken, Mum­bai, Ber­lin – 600.000 Tex­til­ta­schen für den Deut­schen Bun­des­tag

Foto: Olli Winkelmaier

Foto: Olli Win­kel­ma­i­er

Jeder Besu­cher des Deut­schen Bun­des­tags kennt sie, die grau­en Tex­til­ta­schen mit dem wei­ßen Bun­des­ad­ler. Tou­ri­sten, die die offi­zi­el­le Besich­ti­gungs­run­de durch den Reichs­tag buchen, erhal­ten dar­in eine Rei­he klei­ne­rer Geschen­ke und Infor­ma­tio­nen rund um Par­la­ment und Poli­tik.
Dass die graue Bun­des­tags­ta­sche ein Bio­pro­dukt ist, fair gehan­delt und noch dazu aus Fran­ken stammt, wis­sen dage­gen die wenig­sten.

Zusam­men mit der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Anet­te Kram­me hat der Bam­berg-Forch­hei­mer SPD-Abge­ord­ne­te Andre­as Schwarz die Fir­ma „Bet­ter – The Fashion Revo­lu­ti­on“ in Kem­mern bei Bam­berg besucht. Für Inha­ber Jochen Gott­wald ist Fair Tra­de und öko­lo­gi­scher Baum­wol­le-Anbau mehr als eine Geschäfts­idee. „Es ist eine Lebens­ein­stel­lung“, so Gott­wald. „Fair Tra­de und gün­stig“, so beschreibt Gott­wald sei­ne Geschäfts­phi­lo­so­phie, eine Nische, in der er erfolg­reich gegen gro­ße Tex­til­gi­gan­ten besteht.

„Aus­beu­tung und Kin­der­ar­beit sind gera­de in der Tex­til­pro­duk­ti­on Indi­ens nach wie vor ein gro­ßes Pro­blem“, sag­te Schwarz bei sei­nem Fir­men­be­such. Dass es auch anders geht, zeigt Jochen Gott­wald. “Ich habe mir am Anfang sehr viel Arbeit gemacht, einen Part­ner zu fin­den, mit dem man arbei­ten kann.“ Mit der K‑Tex Over­se­as in Mum­bai und den Rajlak­sh­mi Cot­ton Mills in Kal­kut­ta in wur­de Gott­wald schließ­lich fün­dig.

Gott­walds Koope­ra­ti­ons­part­ner in Indi­en arbei­tet nach dem Glo­bal Orga­nic Tex­ti­le Stan­dard (GOTS). „Die Löh­ne sind exi­stenz­si­chernd, die Pro­duk­ti­on läuft ohne Pesti­zid­ein­satz und Kin­der­ar­beit. Es gibt stren­ge Richt­li­ni­en zur Arbeits­si­cher­heit und die Mit­ar­bei­ter sind kran­ken­ver­si­chert“, berich­tet Gott­wald. Fir­men, die GOTS zer­ti­fi­ziert sind, beken­nen sich zur öko­lo­gi­schen und sozia­len Ver­ant­wor­tung. „Außer­dem nimmt der GOTS die gesam­te Pro­duk­ti­ons­ket­te vom Anbau bis zur Ver­ar­bei­tung in den Blick und sorgt für Trans­pa­renz“, unter­streicht Gott­wald. In der her­kömm­li­chen Baum­woll­pro­duk­ti­on wer­de dage­gen viel Gen-Baum­wol­le ein­ge­setzt. Die indi­schen Bau­ern macht das abhän­gig von Groß­kon­zer­nen. Bei man­chen Bio-Zer­ti­fi­ka­ten wer­de außer­dem öko­lo­gi­sche pro­du­zier­te Baum­wol­le ledig­lich bei­gemischt.

Bio­tex­ti­li­en sind im Trend, berich­tet Gott­wald. Auch gro­ße Tex­til­ket­ten stei­gen mehr und mehr auf bio­lo­gisch pro­du­zier­te Baum­wol­le um. Momen­tan, so berich­tet Gott­wald, arbei­ten rund fünf Pro­zent der Tex­til­in­du­strie bio­lo­gisch.

Der Bun­des­tag gibt jähr­lich rund 600.000 Taschen mit dem Bun­des­ad­ler an sei­ne Besu­cher aus. „Ich freue mich, dass die­ses belieb­te Ber­lin-Sou­ve­nir aus mei­nem Wahl­kreis kommt und wir damit gleich­zei­tig ein Zei­chen gegen die Aus­beu­tung in der indi­schen Tex­til­pro­duk­ti­on set­zen“, sag­te Schwarz.

Schreibe einen Kommentar