Wirt­schafts­la­ge Hand­werk, Früh­jahr 2015

Credit­re­form Bay­reuth: “Hand­werks­kon­junk­tur bei leich­ter Abschwä­chung robust”

Das Hand­werk pro­fi­tiert von der kräf­ti­gen Bin­nen­kon­junk­tur in Deutsch­land. So bezeich­ne­ten die von Credit­re­form befrag­ten rund 3.000 Hand­werks­be­trie­be in der Mehr­zahl (61,8 Pro­zent) die aktu­el­le Geschäfts­la­ge als „sehr gut“ oder „gut“. Das ist der zweit­höch­ste Wert in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren und ein nur leicht gerin­ge­rer Anteil als vor einem Jahr (63,2 Pro­zent). Die im Rah­men der Euro- und Finanz­kri­se getrof­fe­nen poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re sowie anhal­tend nied­ri­ge Zin­sen lenk­ten das Geld der Ver­brau­cher ver­stärkt in soge­nann­te Sach­wer­te und auch in Hand­wer­k­erlei­stun­gen.

Die Umsatz­ent­wick­lung im Hand­werk konn­te nicht ganz an das rekord­ähn­li­che Niveau des Vor­jah­res anknüp­fen. Gleich­wohl ver­zeich­ne­ten noch 29,4 Pro­zent der Betrie­be ein Umsatz­plus, nach­dem es im Vor­jahr 33,8 Pro­zent waren. Vor allem im Bau­haupt­ge­wer­be und im Nah­rungs­mit­tel­hand­werk ver­rin­ger­te sich die Zahl der Posi­tiv­mel­dun­gen. Gleich­zei­tig erhöh­te sich der Anteil der Betrie­be, die von Umsatz­rück­gän­gen berich­te­ten, von 11,3 auf 16,1 Pro­zent. Im Kfz-Gewer­be hat­te jeder fünf­te Befrag­te Rück­gän­ge zu ver­zeich­nen. Ins­ge­samt ist die Umsatz­la­ge im Hand­werk, ins­be­son­de­re im Ver­gleich mit den Vor­jah­ren, aber wei­ter­hin gut.

Knapp ein Vier­tel der Hand­werks­be­trie­be (23,1 Pro­zent) hat in den zurück­lie­gen­den Mona­ten das Per­so­nal auf­ge­stockt. Im Vor­jahr lag die­ser Anteil mit 29,2 Pro­zent aller­dings noch etwas höher. Jeder sieb­te Betrieb (14,0 Pro­zent) muss­te Stel­len abbau­en (Vor­jahr: 11,3 Pro­zent).

Umsatz­er­war­tun­gen blei­ben freund­lich

Die Hand­werks­be­trie­be beur­tei­len die wei­te­re Umsatz­ent­wick­lung weit­ge­hend zuver­sicht­lich, aber etwas zurück­hal­ten­der als im Vor­jahr. So rech­net noch knapp jeder drit­te Befrag­te (31,8 Pro­zent) mit einem Umsatz­plus. Vor einem Jahr hat­ten 36,8 Pro­zent der Betrie­be opti­mi­sti­sche Umsatz­er­war­tun­gen geäu­ßert. Rund jeder Elf­te (9,3 Pro­zent) geht mitt­ler­wei­le von zurück­ge­hen­den Umsät­zen aus (Vor­jahr: 6,4 Pro­zent). Deut­li­cher ein­ge­trübt haben sich die Umsatz­er­war­tun­gen im Metall­hand­werk sowie im Hand­werk für per­so­nen­be­zo­ge­ne Dienst­lei­stun­gen.

Die Per­so­nal­pla­nun­gen im Hand­werk blei­ben expan­siv. 20,6 Pro­zent der befrag­ten Betrie­be wol­len die Zahl der Mit­ar­bei­ter auf­stocken (Vor­jahr: 22,1 Pro­zent) und 6,7 Pro­zent der Betrie­be haben einen Stel­len­ab­bau ange­kün­digt (Vor­jahr: 4,2 Pro­zent). Per Sal­do ist das immer noch der zweit­höch­ste Wert der letz­ten zehn Jah­re. Etwas gün­sti­ger als im Vor­jahr sind die Per­so­nal­pla­nun­gen im Kfz-Gewer­be sowie bei jun­gen Hand­werks­un­ter­neh­men.

52,6 Pro­zent und damit gut die Hälf­te der Befrag­ten hat ein Inve­sti­ti­ons­vor­ha­ben ange­kün­digt. Damit ist die Inve­sti­ti­ons­be­reit­schaft im Ver­gleich zum Vor­jahr (56,2 Pro­zent) zurück­ge­gan­gen. Deut­lich ver­rin­gert hat sich die­se ins­be­son­de­re im Metall­hand­werk. Ins­ge­samt ste­hen im Hand­werk stär­ker als im Vor­jahr Ersatz­in­ve­sti­tio­nen auf der Tages­ord­nung. 63,6 Pro­zent der Betrie­be wol­len ihre Inve­sti­tio­nen wenig­stens zum Teil mit Fremd­ka­pi­tal finan­zie­ren. Das ist ein höhe­rer Anteil als im Vor­jahr (57,5 Pro­zent) und wohl auch auf die aktu­ell gün­sti­gen Finan­zie­rungs­be­din­gun­gen zurück­zu­füh­ren.

Liqui­di­tät und Eigen­ka­pi­tal gestärkt, Insol­ven­zen sin­ken

Die über­wie­gen­de Mehr­zahl der Hand­werks­be­trie­be hat wenig Pro­ble­me mit der Zah­lungs­mo­ral der Kun­den. Ledig­lich 13,2 Pro­zent der Befrag­ten gaben an, dass sie For­de­rungs­aus­fäl­le in Höhe von mehr als 1,0 Pro­zent des Jah­res­um­sat­zes zu ver­kraf­ten hat­ten (Vor­jahr: 13,9 Pro­zent). Höher als zuletzt war der Anteil der Ver­lust­mel­dun­gen aber im Bau­haupt­ge­wer­be.

Die Eigen­ka­pi­tal­si­tua­ti­on im Hand­werk bes­sert sich wei­ter. Der Anteil der schwach mit Eigen­ka­pi­tal aus­ge­stat­te­ten Betrie­be (Eigen­ka­pi­tal­quo­te unter zehn Pro­zent) ver­rin­ger­te sich von 34,6 Pro­zent im Vor­jahr auf aktu­ell 33,2 Pro­zent. Gegen den Trend ver­lief aller­dings die Ent­wick­lung im Bau­ge­wer­be, wo die Zahl der eigen­ka­pi­tal­schwa­chen Betrie­be stieg. Wie im Vor­jahr ver­zeich­ne­te ein Fünf­tel der Hand­werks­be­trie­be (19,2 Pro­zent; Vor­jahr: 20,6 Pro­zent) eine Eigen­ka­pi­tal­quo­te von über 30 Pro­zent. Die Zahl der Insol­ven­zen im Hand­werk ver­rin­ger­te sich im Jahr 2014 um 9,7 Pro­zent auf 4.930 Unter­neh­men (2013: 5.460).

Her­aus­for­de­run­gen Min­dest­lohn und Fach­kräf­te­si­che­rung

Von dem seit 01. Janu­ar 2015 gel­ten­den gesetz­li­chen Min­dest­lohn in Höhe von 8,50 Euro ist die Mehr­zahl der Hand­werks­be­trie­be in Deutsch­land (92,3 Pro­zent) nicht direkt betrof­fen. In der Regel wer­den bereits Löh­ne über die­sem Niveau gezahlt. Aller­dings gibt es in eini­gen Berei­chen und auch regio­nal wie in Ost­deutsch­land eine grö­ße­re Betrof­fen­heit. Ein brei­ter Beschäf­ti­gungs­ab­bau im Hand­werk infol­ge des Min­dest­lohns droht folg­lich nicht. Dort, wo das Lohn­ni­veau bis­her unter 8,50 Euro lag, wer­den aber auch Stel­len abge­baut wer­den.

Zu einem drän­gen­de­ren Pro­blem im Hand­werk ent­wickelt sich der Fach­kräf­te­man­gel. Für knapp die Hälf­te der Befrag­ten (47,3 Pro­zent) stellt er bereits heu­te ein Pro­blem dar. Ein wei­te­res Drit­tel der Betrie­be (32,3 Pro­zent) rech­net künf­tig mit Schwie­rig­kei­ten bei der Beset­zung von Fach­kräf­te­stel­len. Die zurück­ge­hen­de Zahl der Bewer­ber und zuneh­men­de Defi­zi­te bei den Schul­ab­gän­gern bela­sten die Aus­bil­dungs­be­reit­schaft.

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