Arti­kel­se­rie “Ener­gie­wen­de – muss das sein?”: 13. Fos­si­le Ener­gie­trä­ger – Erd­öl, Erd­gas

Foto: Uberprutser, CC-BY-SA-3.0-nl

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Erd­öl, Erd­gas: Die deut­schen Vor­kom­men an Öl und Erd­gas sind nur mar­gi­nal und haben für unse­re gesam­te Ener­gie­wirt­schaft prak­tisch kei­ne Bedeu­tung. Sie wer­den fast aus­schließ­lich in gro­ßen Men­gen impor­tiert. Somit ist Deutsch­land für loka­le Fol­ge­schä­den durch die För­de­rung nicht ver­ant­wort­lich. Wohl ist aber eine gewis­se mora­li­sche Mit­ver­ant­wor­tung auf­grund unse­res hohen Ver­brauchs gege­ben, vor allem auch für Umwelt­schä­den durch Unfäl­le beim Boh­ren und Trans­port wie Lecks in Pipe­lines, Tan­ker­un­fäl­le.

Für die Strom­erzeu­gung hat Öl nur eine unter­ge­ord­ne­te Bedeu­tung. Der wesent­li­che Ver­wen­dungs­zweck für Erd­öl ist die Pro­duk­ti­on der Kraft­stof­fe für den Ver­kehr. Die­se haben im Ver­gleich zu allen ande­ren fos­si­len Ener­gie­trä­gern die höch­ste Ener­gie­dich­te (kWh/​kg), wes­halb sie sich beson­ders gut für alle mobi­len Gerä­te eig­nen, die ihren Ener­gie­vor­rat gespei­chert mit trans­por­tie­ren müs­sen.

Die Erd­gas betrie­be­nen Kraft­wer­ke haben, wegen ihrer guten Regel­bar­keit, ihre beson­de­re Bedeu­tung als Regel­kraft­wer­ke für die sich stän­dig ändern­de Bela­stung des Net­zes. Sie sind die not­wen­di­ge Ergän­zung zu den gro­ßen trä­gen Dampf­kraft­wer­ken (Koh­le oder Uran), die für die­se Auf­ga­be völ­lig unge­eig­net sind. Da die­ser Ener­gie­trä­ger in gas­för­mi­ger Form vor­liegt, sind sehr gro­ße Volu­mi­na zu trans­por­tie­ren. Ein gro­ber Ver­gleich zeigt das: Für den Ener­gie­in­halt von einem Liter Ben­zin oder Die­sel benö­tigt man ca. 1m³ Erd­gas.

Erd­gas wird fast aus­schließ­lich über eini­ge meh­re­re tau­send km lan­ge Gas­lei­tun­gen impor­tiert. Haupt­lie­fe­rant ist Russ­land. Damit ent­steht eine gewis­se Abhän­gig­keit von der „poli­ti­schen Wet­ter­la­ge“. Deutsch­land ver­fügt zwar über gro­ße Gas­spei­cher die einen mehr­mo­na­ti­gen Lie­fer­eng­pass über­brücken könn­ten, aber eine „second source“ für die­se Men­gen gibt es prak­tisch nicht. Es gibt Über­le­gun­gen, Erd­gas in ver­flüs­sig­ter Form ähn­lich wie Roh­öl mit spe­zi­el­len Tank­schif­fen zu trans­por­tie­ren. Hier­für muss das Gas auf ‑160ºC her­un­ter gekühlt wer­den. Es sind also spe­zi­el­le Schif­fe sowie Be- und Ent­la­de­ein­rich­tun­gen not­wen­dig, die es in dem Umfang noch nicht gibt. Eine sol­che glo­ba­le Infra­struk­tur auf­zu­bau­en wür­de meh­re­re Jah­re dau­ern. Außer­dem ist das Risi­ko­po­ten­ti­al deut­lich höher als beim Erd­öl­trans­port.

Alle Detail­in­for­ma­tio­nen zu Erd­gas.

In der ZDF-Sen­de­rei­he „Lesch’s Kos­mos“ ist der Bei­trag „Macht­fak­tor Gas“ eine gute und leicht ver­ständ­li­che Über­sicht der gesam­ten Gas­wirt­schaft.

Bei der Erd­öl­för­de­rung tre­ten häu­fig Gas­ge­mi­sche mit aus, die nicht wei­ter nutz­bar sind. Bestand­tei­le sind Koh­len­was­ser­stof­fe und Methan. Ent­we­der wer­den sie abge­fackelt und bil­den wie­der CO₂ wel­ches in die Atmo­sphä­re gelangt oder, im ungün­stig­sten Fall, gelangt das Methan – ein extrem kli­ma­wirk­sa­mes Gas – direkt in die Atmo­sphä­re.

Erd­gas­vor­kom­men sind häu­fig mit Queck­sil­ber bela­stet (PDF-Datei), ein gif­tig wir­ken­des Schwer­me­tall. Es ist zunächst wegen der hohen Drücke und Tem­pe­ra­tu­ren auch gas­för­mig im Erd­gas ent­hal­ten. Bei der För­de­rung kon­den­siert es dann in den Rohr­lei­tun­gen in sei­ne flüs­si­ge Form und sam­melt sich in den Arma­tu­ren. Die sach­ge­rech­te Ent­sor­gung ist bei die­sen Men­gen nicht ein­fach. Z.B. wur­de auf einer Erd­gas­för­der­stel­le in Alt­mark (PDF-Datei) (ehe­ma­li­ge DDR) bei einer Jah­res­pro­duk­ti­on von 10Mrd m³ Erd­gas 16 t Queck­sil­ber gewon­nen. Wie­viel dar­über hin­aus in die Umwelt gelang­te ist unbe­kannt. Es kam dort jedoch zu erheb­li­chen Umwelt- und Gesund­heits­schä­den.

In der näch­sten Fol­ge wer­den wir uns dann mit der Stein­koh­le beschäf­ti­gen.

Die­ter Lenz­kes
Bür­ger-für-Bür­ger-Ener­gie
www​.bfb​-ener​gie​.de

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