Gedan­ken zum Ascher­mitt­woch: Eine rus­si­sche Pas­si­ons­le­gen­de

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

Die Pas­si­ons­zeit, sie dau­ert von Ascher­mitt­woch bis Kar­sams­tag, soll­te eine ruhi­ge Zeit sein ohne Fest­lich­kei­ten. Eine Pas­si­ons­ge­schich­te aus dem Russ­land des 19. Jahr­hun­derts erzählt der berühm­te Dich­ter Leo Tol­stoi:

Ein Kauf­mann wird zu Unrecht beschul­digt, einen Kol­le­gen ermor­det zu haben. Alle Beteue­run­gen sei­ner Unschuld, alles Jam­mern sei­ner Frau hel­fen nichts. Die Bitt­schrif­ten an den Zaren blei­ben unbe­ant­wor­tet. Der Mann muss die Peit­sche schmecken und 26 Jah­re in Sibi­ri­en Zwangs­ar­beit lei­sten. Aber er ver­bit­tert nicht, stumpft nicht ab, son­dern schöpft Kraft aus sei­nem Glau­ben und gewinnt so die Zunei­gung sei­ner Schick­sals­ge­nos­sen, aber auch des Wach­per­so­nals.

Da bringt die Poli­zei einen wei­te­ren Insas­sen ins Lager und es stellt sich her­aus: Die­ser ist der wah­re Mör­der! Nur bewei­sen kann der unschul­dig Ver­ur­teil­te nichts. Schließ­lich ertappt er ihn beim Gra­ben eines Flucht­stol­lens. Der Mör­der droht ihm mit dem Tod, wenn er ihn ver­rie­te. Doch die Sache fliegt auch so auf. Die Sicher­heits­kräf­te ent­decken die Gra­bung, las­sen die Häft­lin­ge antre­ten und for­dern unter Dro­hun­gen und Ver­spre­chun­gen, den Namen des Täters preis­zu­ge­ben. Die Sträf­lin­ge schwei­gen aber beharr­lich, auch der Unschul­di­ge schweigt, denn er will sei­nen Kame­ra­den nicht dem siche­ren Tod aus­lie­fern. In der fol­gen­den Nacht besucht der Mör­der sei­nen Beschüt­zer und bit­tet trä­nen­reich um Ver­zei­hung, indem er ihn an Chri­stus erin­nert, der am Kreuz die Schuld aller Men­schen sühn­te und sei­nen Mör­dern ver­gab. Andern­tags gesteht er sei­ne Mord­tat öffent­lich und der ande­re wird begna­digt, stirbt frei­lich, bevor er die Hei­mat wie­der­se­hen kann.

Wie hät­ten wir uns an der Stel­le des unschul­dig Ver­ur­teil­ten ver­hal­ten? Wären wir ver­zwei­felt, hät­ten uns in Rachefan­ta­sien ergan­gen? Woher hät­ten wir die inne­re Stär­ke her­ge­nom­men, die­ses furcht­ba­re Schick­sal zu ertra­gen? Er folg­te dem Bei­spiel Jesu, denn er trug sei­ne Last mit Geduld und Demut vor Gott, über­wandt das Böse mit Gutem.

Wei­te­re Sonn­tags­ge­dan­ken

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

Infos zu Chri­sti­an Karl Fuchs:

  • geb. 04.01.66 in Neustadt/​Aisch
  • Stu­di­um der evang. Theo­lo­gie 1985 – 1990 in Neu­en­det­tels­au
  • Vika­ri­at in Schorn­weiss­ach-Vesten­bergs­greuth 1993 – 1996
  • Pro­mo­ti­on zum Dr. theol. 1995
  • Ordi­na­ti­on zum ev. Pfar­rer 1996
  • Dienst in Nürnberg/​St. Johan­nis 1996 – 1999
  • seit­her in Neustadt/​Aisch
  • blind

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