MdL Mar­kus Gan­se­rer: „Süd­um­ge­hung Forch­heim – Schein-und Gei­ster­de­bat­te des Bay­er. Staatsministeriums“

Hei­mat bewah­ren – Neu­bau B 470 verhindern

Heinrich Kattenbeck, Markus Ganserer, Lisa Badum, Edith Fießer, Heinz Jakob, Ludwig Stöhr. Foto: Franz Galster

Hein­rich Kat­ten­beck, Mar­kus Gan­se­rer, Lisa Badum, Edith Fie­ßer, Heinz Jakob, Lud­wig Stöhr. Foto: Franz Galster

Bünd­nis 90 Die Grü­nen und BIWO (Bür­ger­initia­ti­ve pro Wie­sent­tal ohne Ost­span­ge) sind über­ein­stim­mend: Kein Neu­bau der B 470 – Ost­span­ge – Süd­um­ge­hung Forch­heim im BVWP 2015 – kein Tun­nel­bau für Ebermannstadt.

MdL Mar­kus Gan­se­rer, Spre­cher des Ver­kehrs­aus­schus­ses der Grü­nen, offen­bart mit der Ant­wort des Baye­ri­schen Staats­mi­ni­ste­ri­um Innern, für Bau und Ver­kehr auf sei­ne Anfra­ge: „Reuth wird nicht nen­nens­wert ent­la­stet.“ Er sprach von einer Schein-und Gei­ster­de­bat­te der Baye­ri­schen Staatsregierung.

Unter dem Mot­to „Hei­mat bewah­ren – Aus­bau der B470 ver­hin­dern, hat­te der Kreis­ver­band Bünd­nis 90 – Die Grü­nen, zu einem Infor­ma­ti­ons­ge­spräch gela­den. Am Bahn­hof in Pinz­berg mach­ten sich Mar­kus Gan­se­rer MdL, Lisa Badum und Edith Fie­ßer, sowie die Ver­tre­ter der BIWO Hein­rich Kat­ten­beck, Jakob Heinz und Stöhr Lud­wig ein Bild von der hier geplan­ten Ostspange.

Lisa Badum, die stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Grü­nen im Kreis­tag, begrüß­te in Gos­berg zum infor­ma­ti­ven Gespräch beson­ders MdL Mar­kus Gan­se­rer. Er berich­te­te von sei­nen Anfra­gen an die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung, die unter ande­ren vier Stra­ßen­pro­jek­te im Land­kreis Forch­heim (OU Wim­mel­bach-OU Oes­dorf-OU Forch­heim-OU Eber­mann­stadt) betreffen:

  • Mit wel­chen Anga­ben wer­den die ein­zel­nen Teil­pro­jek­te zum Aus­bau der B 470 begründet?
  • Wel­che kon­kre­ten Alter­na­ti­ven inner­halb des Ver­kehrs­trä­gers wur­den für die ein­zel­nen Teil­pro­jek­te geprüft?
  • Wel­che kon­kre­ten Ergeb­nis­se lie­fer­te die Prü­fung der Alternativen?
  • Wel­che kon­kre­te Lini­en­füh­rung und kon­kre­ten Ver­knüp­fun­gen mit dem nach­ge­ord­ne­ten Stra­ßen­netz sind für ein­zel­nen Pro­jek­te geplant?
  • Mit wel­chem Quer­schnitt wird geplant?
  • Wel­che Gesamt­ko­sten wer­den für die ein­zel­nen Teil­pro­jek­te veranschlagt?
  • Wann rech­net die Staats­re­gie­rung mit der Rea­li­sie­rung der ein­zel­nen Teilprojekte?
  • Wie hat sich die Ver­kehrs­be­la­stung in den letz­ten 20 Jah­ren auf der B 470 ent­wickelt in den Berei­chen B 470 Eber­mann­stadt und Forch­heim zwi­schen der A73 und A3?
  • Wie hoch wird die durch­schnitt­li­che Ver­kehrs­be­la­stung auf den ein­zel­nen Umge­hungs­stra­ßen sein im Fal­le einer Rea­li­sie­rung der Teil­pro­jek­te der B 470?
  • Wie hoch ist der Ziel-und Quell­ver­kehr in den ein­zel­nen Orts­durch­fahr­ten, die durch Orts­um­ge­hung ent­la­stet wer­den sollten?
  • Wie hoch wäre der Flä­chen­ver­brauch im Fal­le einer Rea­li­sie­rung aller Teilprojekte?
  • Wel­cher Ver­kehr wür­de durch die Rea­li­sie­rung der Pro­jek­te neu indu­ziert wer­den, da dadurch Abkür­zun­gen zwi­schen der A 3 und A 9 sowie zwi­schen A 7 und A 3 entstehen?
  • In wel­chem Umfang wür­den bei der Rea­li­sie­rung der Teil­pro­jek­te Schutz­ge­bie­te betrof­fen sein unter­teilt in FFH-Gebie­te, Vogel­schutz­ge­bie­te, Natur­schutz­ge­bie­te, Land­schafts­schutz­ge­bie­te, gesetz­lich geschütz­te Bio­to­pe, Was­ser­schutz­ge­bie­te und Überschwemmungsgebiete?
  • Für wel­che ein­zel­nen Teil­pro­jek­te ist eine Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung (UVP) notwendig?
  • Für wel­che liegt sie bereits vor?
  • Für wel­che Teil­pro­jek­te wur­de eine UVP bereits in Auf­trag gege­ben und bis wann wer­den die­se abge­schlos­sen sein?

Mit an der Aus­spra­che betei­ligt waren der Spre­cher der BIWO, Hein­rich Kat­ten­beck, sowie als wei­te­re Mit­glie­der der Bür­ger­initia­ti­ve Edith Fie­ßer vom Kreis­ver­band der Grü­nen, Heinz Jakob und Lud­wig Stöhr (BIWO).

Schein-und Gei­ster­de­bat­te

Gan­se­rer mach­te der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung mas­si­ve Vor­wür­fe. Sie hat nach sei­nen Wor­ten 400 Ein­zel­pro­jek­te im Rah­men des neu zu erstel­len­den Bun­des­we­ge­pla­nes nach Ber­lin gemel­det. Die­se sei­en ein total über­zo­ge­ner Wunsch­zet­tel, den zu rea­li­sie­ren es 150 Jah­re bedarf. Die Staats­re­gie­rung habe es ver­säumt, eine Prio­ri­sie­rung vor­zu­neh­men. Damit brin­ge man auch unnö­tig Bür­ger gegen­ein­an­der auf. Man tra­ge bei zu einer „Schein- und Gei­ster­de­bat­te“ für einen Wunsch­zet­tel, der auf Grund der Finanz­mit­tel nicht mach­bar ist.

Im Schrei­ben von Staats­mi­ni­ster Joa­chim Her­mann wird für die Pro­jek­te im Bereich Ober­fran­ken die B 470 betref­fend eine Gesamt­sum­me von 138.1 Mio Euro genannt. Die­se teilt sich auf in Orts­um­ge­hung Oes­dorf 5.6 Mio. Euro, Orts­um­ge­hung Wim­mel­bach 4.2 Mio. Euro, Ost-Orts­um­ge­hung Forch­heim 38.4 Mio. Euro und Orts­um­ge­hung Eber­mann­stadt 89.9 Mio. Euro. Erst nach der Auf­nah­me in den Vor­dring­li­chen Bedarf des Bedarfs­pla­nes kann mit einer Pla­nung begon­nen wer­den. Die Ein­schät­zung der Rea­li­sie­rungs­zeit bleibt im Ant­wort­schrei­ben des Bay­er. Staats­mi­ni­ste­ri­um vage.

Kei­ne nen­nens­wer­te Entlastung

Eine Rea­li­sie­rung des Aus­baus der B470 in den vier Pro­jek­ten bedeu­tet nach Gan­se­rers Wor­ten einen mas­si­ven, unvor­stell­ba­ren Ein­griff in die Natur. Er plä­dier­te dafür, nicht die Gieß­kan­ne anzu­wen­den, son­dern Mit­tel- und gro­ße Fern­stra­ßen zu bevor­zu­gen. In Forch­heim-Reuth betra­ge der Kfz-Ver­kehr laut Staat­li­chem Bau­amt Bam­berg pro 24 Stun­den im Schnitt 22.000 Fahr­zeu­ge, davon ent­ste­hen rund 77 Pro­zent aus dem Ziel- und Quell­ver­kehr. Dem ent­spre­chend sieht Gan­se­rer hier auch nicht die gro­ße Ent­la­stungs­mög­lich­keit. Die Zah­len sind von 1990 bis 2010 nahe­zu kon­stant geblie­ben. Der Abge­ord­ne­te plä­diert wie­der­holt dafür, den öffent­li­chen Ver­kehr zu stär­ken. Hin­ter Eber­mann­stadt ist dem­nach der Ver­kehr eher rückläufig.

Hein­rich Kat­ten­beck als Spre­cher der BIWO beton­te, die Auf­nah­me der Ost­span­ge in den vor­dring­li­chen Bedarf des Bun­des­we­ge­pla­nes muss ver­hin­dert wer­den. 40 ha oder 400.000qm wert­vol­les Acker­land und Wie­sen wer­den unwie­der­bring­lich ver­nich­tet, was ca. 53 Fuß­ball­fel­der ent­spricht. O‑Ton Kat­ten­beck: “In Bay­ern wer­den täg­lich ca. 18 Hekt­ar, das ist die Grö­ße von 26 Fuß­ball­fel­dern, beto­niert oder asphal­tiert.“ Er dank­te Bünd­nis 90 Die Grü­nen für ihre Akti­vi­tä­ten, den Flä­chen­fraß zu bekämp­fen. Mar­kus Gan­se­rer dank­te er für sei­ne Unter­stüt­zung und ver­gaß auch das Staat­li­che Bau­amt Bam­berg nicht, das am 20. Janu­ar zu einem Dia­log­ge­spräch mit der BIWO bereit ist.

Pro­gno­se statt 38,5 Mio € – 70 bis 80 Mio € ohne Tunnelbau

Näher auf die geplan­te Ost­um­ge­hung, die Ost­span­ge, ein­ge­hend, nennt er die acht Brücken­bau­wer­ke oder auch die erfor­der­li­chen Damm­bau­ten wegen Hoch­was­ser­ge­fahr. Dazu kämen 7m Fahr­bahn­hö­he bei der Bahn­gleis­que­rung vor den Toren Gos­bergs und eine Aus­bau­strecke von 6.8km. Kat­ten­beck ver­weist auf den enor­men Mehr­ver­bauch an Flä­che für die zwei‑, drei- oder vier­spu­ri­ge Fahr­bahn­brei­te und pro­gno­sti­ziert zudem sei­tens der BIWO Kosten von min­de­stens 50 bis 70 Mio. Euro. Das Bau­amt nennt geschätz­te 38.5 Mio. Euro.

Was pas­siert außer­dem nach Eber­mann­stadt, wo Güter- und Spe­di­tio­nen nicht mehr aus­wei­chen kön­nen, fragt Kat­ten­beck. Er fürch­tet eine Zer­stö­rung des Tou­ris­mus und ver­weist auf den Refe­ren­ten­ent­wurf des Pro­jek­tes im Herbst 2015. Da sei die Zeit gekom­men, Stel­lung zu bezie­hen. Sei­tens der BIWO nann­te Kat­ten­beck drei Ter­mi­ne: 19.01.2015 Mit­glie­der­ver­samm­lung in Wie­sent­hau, 20.01.2015 Gesprächs­run­de der BIWO mit Staat­li­chem Bau­amt in Bam­berg, zu der 25 Fra­gen vor­ge­ge­ben sind, u.a. wie bleibt der Krei­sel Forch­heim, was pas­siert mit Ver­kehrs­übungs­platz, wo lie­gen die 8 Brücken­bau­wer­ke, wie ist Zufahrt land­wirt­schaft­li­chen Fel­dern geplant, wie sieht der Kosten- und Zeit­plan aus.

27.04. BIWO Jah­res­haupt­ver­samm­lung (JHV) um 19:30 im Gast­haus Egelseer

Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter Mar­kus Gan­se­rer wird der Red­ner des Abends sein und Tache­les reden was den Neu­bau der B 470 Süd­um­ge­hung Forch­heim – Ost­span­ge – und den Tun­nel­bau Eber­mann­stadt betrifft.

Lisa Badum will im Kreis­tag dafür wer­ben, dass das Pro­jekt Forch­heim-Ost­um­ge­hung nicht kommt und statt des­sen sofort ein Ver­kehrs­kon­zept im Osten des Land­krei­ses Forch­heim zu pla­nen sei, das die Lebens­qua­li­tät der Anwoh­ner und des Hin­ter­lan­des der Frän­ki­schen Schweiz ver­bes­sern hilft. Die BIWO möch­te dafür einen poli­ti­schen Arbeits­kreis ini­zi­ie­ren mit allen poli­ti­schen Par­tei­en, die den Hei­mat zer­stö­ren­den Neu­bau der B 470 zwi­schen Forch­heim und Eber­mann­stadt nicht wol­len. Die BIWO wür­de ger­ne unter­stüt­zend an einem sol­chen Ver­kehrs­kon­zept mit arbeiten.