Natur­schüt­zer und Natio­nal­park­ver­ein kämp­fen für Schutz der Heimat

Eva Lell (BR Landespolitik) moderiert gekonnt die spannende Podiumsdiskussion mit den Teilnehmern Max-Dieter Schneider, Bürgermeister Ebrach, Christine Bender, stellv. Landrätin Schweinfurt, Heinz Wolf, langjähriger Bürgermeister Neuschönau (Nationalpark Bayerischer Wald), Oskar Ebert, stellv. Landrat Haßberge, Bernhard Bischof, Bürgermeister Hörselberg-Hainich (Nationalpark Hainich) und Hubert Weiger, Landesvorsitzender BN (von links).

Eva Lell (BR Lan­des­po­li­tik) mode­riert gekonnt die span­nen­de Podi­ums­dis­kus­si­on mit den Teil­neh­mern Max-Die­ter Schnei­der, Bür­ger­mei­ster Ebrach, Chri­sti­ne Ben­der, stellv. Land­rä­tin Schwein­furt, Heinz Wolf, lang­jäh­ri­ger Bür­ger­mei­ster Neu­schö­nau (Natio­nal­park Baye­ri­scher Wald), Oskar Ebert, stellv. Land­rat Haß­ber­ge, Bern­hard Bischof, Bür­ger­mei­ster Hör­sel­berg-Hai­nich (Natio­nal­park Hai­nich) und Hubert Wei­ger, Lan­des­vor­sit­zen­der BN (von links).

„Natio­nal­parke sind gut für Mensch und Natur!“

An einer mit über 150 Teil­neh­mern sehr gut besuch­ten Tagung des BUND Natur­schutz (BN) in Ebrach nah­men Wald­in­ter­es­sen­ten aus ganz Deutsch­land teil, vie­le davon direkt aus dem Stei­ger­wald. Die Vor­trä­ge von Arten­schutz­ex­per­ten und Kom­mu­nal­po­li­ti­kern aus den Natio­nal­parken Hai­nich und Baye­ri­scher Wald brach­ten es auf den Punkt: Natio­nal­parke sind gut für Mensch und Natur. Natio­nal­parke ermög­li­chen staat­li­che Inve­sti­tio­nen und För­der­gel­der, von denen die gesam­te Regi­on pro­fi­tiert. Bei der abschlie­ßen­den Podi­ums­dis­kus­si­on kri­ti­sier­ten etli­che Bür­ger aus dem Stei­ger­wald den stell­ver­tre­ten­den Land­rat des Land­krei­ses Haß­ber­ge Oskar Ebert hef­tig, weil er bis­lang nicht bereit war, trotz gro­ßer Pro­ble­me in den Stei­ger­wald­ge­mein­den, die Chan­cen eines Natio­nal­parks offen zu dis­ku­tie­ren. Eben­falls kri­ti­siert wur­de die Blocka­de­hal­tung der Staats­re­gie­rung. Hubert Wei­ger for­der­te eine umfas­sen­de Unter­su­chung der Aus­wir­kun­gen eines Natio­nal­parks. Auch Ebert ver­schloss sich nicht völ­lig einer der­ar­ti­gen Stu­die und Chri­sti­ne Ben­der, stell­ver­tre­ten­de Land­rä­tin des Land­krei­ses Schwein­furt, stand einer neu­tra­len Stu­die posi­tiv gegenüber.

Die schon tra­di­tio­nel­le BN-Tagung „Natur­er­be Buchen­wäl­der“ in Ebrach hat­te dies­mal das The­ma „Wald­schutz­ge­bie­te für Mensch und Natur“. Am Frei­tag führ­ten der Wald­ex­per­te Georg Sper­ber sowie Mit­glie­der des Freun­des­krei­ses Natio­nal­park Stei­ger­wald eine gro­ße Zahl Wald­in­ter­es­sier­ter aus Nah und Fern in den Geschüt­zen Land­schafts­be­stand­teil „Hoher Buche­ner Wald im Ebra­cher Forst“. Bei der Füh­rung und dem anschlie­ßen­den Vor­trag von Ralf Strauß­ber­ger, Wald­re­fe­rent des BN, stan­den die alten, sehens­wer­ten Laub­wäl­der des Schutz­ge­bie­tes im Mit­tel­punkt. Strauß­ber­ger kri­ti­sier­te in dem Zusam­men­hang die irre­füh­ren­den und wahr­heits­wid­ri­gen Aus­sa­gen der Ebra­cher Forst­be­triebs­lei­tung zu der öko­lo­gi­schen Qua­li­tät im Schutz­ge­biet und den resul­tie­ren­den Gewinn­ein­bu­ßen. Ulla Reck vom Freun­des­kreis Natio­nal­park Stei­ger­wald ging auf die posi­ti­ven wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen von Natio­nal­parken ein. Natio­nal­parke wer­den von den Lan­des­re­gie­run­gen mit einem festen Haus­halts­etat finan­ziert. So inve­stier­te die Staats­re­gie­rung in die bei­den baye­ri­schen Natio­nal­parke von 1995 bis 2008 rund 178 Mio €. In den Natur­park Stei­ger­wald wur­den im sel­ben Zeit­raum knapp 4 Mio € inve­stiert. Die Über­nach­tungs­zah­len in den sie­ben Alt­ge­mein­den des Natio­nal­parks Baye­ri­scher Wald lie­gen 2013 um das 16-fache höher als die in den elf Gemein­den des Natio­nal­park-Such­raums im Natur­park Steigerwald.

Am Sams­tag lob­te Ebrachs Bür­ger­mei­ster, Max-Die­ter Schnei­der, den Forst­be­trieb Ebrach, der sei­ne Wäl­der weit­ge­hend scho­nend bewirt­schaf­tet, for­der­te aber, dass ein Teil der Staats­wäl­der sich in einem Schutz­ge­biet natür­lich ent­wickeln darf. „Wir brau­chen ein Schutz­ge­biet für einen Welt­na­tur­er­be­ti­tel und wir brau­chen einen Natio­nal­park.“ Hel­mut Weil­bach, Vor­stand des Ver­eins Natio­nal­park Nord­stei­ger­wald, hat­te in sei­nem Gruß­wor­te die neue­sten Zah­len parat: „Die Natio­nal­park­be­we­gung bekommt im Stei­ger­wald immer grö­ße­re Unter­stüt­zung. Mitt­ler­wei­le zählt unser Ver­ein über 550 Mit­glie­der und die Anmel­dun­gen aus dem Bereich des Stei­ger­walds wer­den täg­lich mehr.“ Georg Sper­ber, der ehe­ma­li­ge lang­jäh­ri­ge Lei­ter des Forst­am­tes Ebrach, sprach über die wich­ti­ge Rol­le der Eiche als Misch­baum­art in Buchen­wäl­dern. „Ob die Eiche sich als Misch­baum­art über­haupt eta­blie­ren kann, hängt von der Anzahl der Rehe und somit der Jagd ab – jun­ge Eichen wer­den oft ver­bis­sen.“ Sper­ber wies auf pro­ble­ma­ti­schen Aus­wir­kun­gen von Eichen­rein­kul­tu­ren hin, in denen sich Eichen­pro­zes­si­ons­spin­ner und Schwamm­spin­ner stark aus­brei­ten, woge­gen dann alle paar Jah­re gro­ße Men­gen Gift ein­ge­setzt werden.

Der Käfer­ex­per­te Heinz Buß­ler, Vor­sit­zen­der der Arbeits­ge­mein­schaft baye­ri­schen Ento­mo­lo­gen, berich­te­te, dass Buchen­wäl­der erst ab einem Alter von 160 – 180 Jah­ren für vie­le Arten inter­es­sant wer­den. Im Nord­stei­ger­wald wur­den 466 holz­be­woh­nen­de Käfer­ar­ten nach­ge­wie­sen, im Hoch­spes­sart 411. „Alles über 400 sind Spit­zen­wer­te!“. Über Mas­sen­ver­meh­rung von Bor­ken­kä­fern brau­che sich im Stei­ger­wald aber nie­mand Gedan­ken zu machen: der­ar­ti­ge Mas­sen­ver­meh­run­gen kom­men nach Aus­sa­gen des Käfer­ex­per­ten nur in Nadel­wäl­dern vor.

Lud­wig Soth­mann, Vor­sit­zen­der des Lan­des­bun­des für Vogel­schutz (LBV) refe­rier­te über den Grün­specht, Vogel des Jah­res 2014 und des­sen Schwe­ster­art, den Grau­specht. Der LBV wird wei­ter für einen Natio­nal­park im Stei­ger­wald kämp­fen, weil Natio­nal­parke idea­le Lebens­räu­me für Spech­te und deren „Nach­mie­ter“ dar­stel­len. Ralf Strauß­ber­ger wies dar­auf hin, dass es in Deutsch­land und vor allem in Bay­ern viel zu weni­ge Natur­wäl­der gibt. Um natür­li­che Wald­ent­wick­lung zu schüt­zen, sind ins­be­son­de­re groß­flä­chi­ge nut­zungs­freie Wald­ge­bie­te wich­tig. In Bay­ern kom­men dafür im Laub­wald­be­reich nur noch zwei Gebie­te in Fra­ge, eines davon ist der Nordsteigerwald.

Bür­ger­mei­ster Bern­hard Bischof aus der Natio­nal­park­ge­mein­de Hör­sel­berg-Hai­nich in Thü­rin­gen zitier­te Mini­ster­prä­si­dent Bern­hard Vogel, 2011: „Das Wag­nis hat sich gelohnt – ein Hoch auf den Natio­nal­park Hai­nich!“ Die für neue Ideen offe­nen Thü­rin­ger haben es weit gebracht – seit 2011 sind Tei­le des Natio­nal­parks zum Welt­na­tur­er­be der UNESCO erklärt. Jetzt wer­ben Wart­burg und Natio­nal­park Hai­nich gemein­sam mit dem Titel „Welt­erbe­re­gi­on Wart­burg-Hai­nich“. Die gestie­ge­nen Besu­cher­zah­len bestä­ti­gen es: „Frü­her fuhr man durch, heu­te fährt man hin.“ Auch der ehe­ma­li­ge Bür­ger­mei­ster Heinz Wolf aus der Natio­nal­park­ge­mein­de Neu­schö­nau im Baye­ri­schen Wald ist stolz auf das Erreich­te: Ca. 1 Mil­lio­nen Besu­cher kom­men pro Jahr und jeder davon lässt durch­schnitt­lich 38,70 Euro in der Regi­on. Durch gute Zusam­men­ar­beit der Kom­mu­nen, der Land­krei­se, der Natur­park- und der Natio­nal­park­ver­wal­tung im Kom­mu­na­len Natio­nal­park­aus­schuss wer­den die Wün­sche der Kom­mu­nen weit­ge­hend erfüllt. Der Öffent­li­che Per­so­nen­nah­ver­kehr funk­tio­niert gut durch das Igel­bus­sy­stem. Über 900 Voll­zeit­ar­beits­plät­ze hat der Natio­nal­park geschaf­fen und 200 Beschäf­tig­te direkt in der Verwaltung.

Bei der anschlie­ßen­den Podi­ums­dis­kus­si­on wur­de es leb­haft: Wäh­rend die Kom­mu­nal­po­li­ti­ker aus den bestehen­den Natio­nal­parken genau wie Ebrachs Bür­ger­mei­ster Schnei­der sehr gute Ent­wick­lungs­chan­cen durch einen Natio­nal­park sehen, bezeich­ne­te der stell­ver­tre­ten­de Land­rat des Land­krei­ses Haß­ber­ge, Oskar Ebert, den Natio­nal­park als Alp­traum für den Stei­ger­wald und ver­wies auf wirt­schaft­lich gesun­de, gute Situa­ti­on der Stei­ger­wald­ge­mein­den. Wegen die­ser Aus­sa­gen wur­de der ehe­ma­li­ge Bür­ger­mei­ster aus Rau­he­ne­brach in der Dis­kus­si­on hef­tig von Gemein­de­bür­gern kri­ti­siert, die auf abwan­dern­de Betrie­be u.a.m. ver­wie­sen. Es ist kein Geheim­nis, dass die struk­tur­schwa­chen Stei­ger­wald­ge­mein­den mit geschlos­se­nen Schu­len, Kin­der­gär­ten, Arzt­pra­xen und Geschäf­ten zu kämp­fen haben. Außer­dem wur­de Ebert wegen Falsch­aus­sa­gen zum Geschütz­ten Land­schafts­be­stand­teil kritisiert.

Eine zen­tra­le Rol­le bei der Podi­ums­dis­kus­si­on spiel­te die sog. Mach­bar­keits­stu­die. Wei­ger for­der­te eine vom Frei­staat finan­zier­te, umfas­sen­de Stu­die, bei der von neu­tra­ler Sei­te vor allem die Aus­wir­kun­gen eines Natio­nal­parks auf die Arbeits­plät­ze vor Ort, Brenn­holz­ver­sor­gung, Jagd, Natio­nal­park­ein­rich­tun­gen in den Anlie­ger­ge­mein­den und Ent­wick­lung eines sanf­ten Tou­ris­mus u.a.m. gehen soll. Chri­sti­ne Ben­der, stellv. Land­rä­tin des Land­krei­ses Schwein­furt, steht per­sön­lich einer neu­tra­len Stu­die posi­tiv gegenüber.