Aktu­el­le For­schungs­pro­jek­te am Lehr­stuhl für Tier­öko­lo­gie der Uni­ver­si­tät Bayreuth

Symbolbild Bildung

Mikro­pla­stik in süd­deut­schen Flüs­sen und Seen

Welt­weit haben For­schungs­ar­bei­ten gezeigt, dass Öko­sy­ste­me im Meer oder an den Strän­den teil­wei­se erheb­lich durch Kunst­stoff­par­ti­kel ver­un­rei­nigt sind. Die­se sind klei­ner als fünf Mil­li­me­ter und wer­den daher auch als Mikro­pla­stik bezeich­net. An der Uni­ver­si­tät Bay­reuth befasst sich Prof. Dr. Chri­sti­an Laforsch, der hier einen Lehr­stuhl für Tier­öko­lo­gie inne­hat, schon seit län­ge­rem mit dem Pro­blem, wie stark Flüs­se und Seen durch Mikro­pla­stik kon­ta­mi­niert sind und wel­che Risi­ken sich dar­aus erge­ben. Pla­stik­tei­le, die vor­wie­gend von Kon­sum­gü­tern und Ver­packun­gen stam­men, kön­nen direkt oder über unsach­ge­mä­ße Ent­sor­gung in Ober­flä­chen­ge­wäs­ser gelan­gen und von hier aus in die Nah­rungs­ket­ten trans­por­tiert wer­den. Eine Fall­stu­die am Gar­da­see führ­te 2013 zu alar­mie­ren­den Ergeb­nis­sen. Denn in eini­gen Ufer­be­rei­chen wur­den schwer abbau­ba­re Kunst­stof­fe ent­deckt, die von sich aus hoch­gif­tig sind oder die gif­ti­ge orga­ni­sche Schad­stof­fe absor­bie­ren können.

Ein neu­es For­schungs­pro­jekt zu Flüs­sen und Seen in Baden-Württemberg

Vor kur­zem star­te­te in Lauf­fen am Neckar ein neu­es For­schungs­vor­ha­ben. Es geht dabei um die Fra­ge, in wel­chem Umfang und mit wel­chen öko­lo­gi­schen Kon­se­quen­zen Flüs­se und Seen in Baden-Würt­tem­berg mit Mikro­pla­stik bela­stet sind. Die Unter­su­chun­gen wer­den von der LUBW Lan­des­an­stalt für Umwelt, Mes­sun­gen und Natur­schutz koor­di­niert und von Prof. Laforsch wis­sen­schaft­lich betreut. Der baden-würt­tem­ber­gi­sche Lan­des­mi­ni­ster für Kli­ma, Umwelt und Ener­gie­wirt­schaft, Franz Unter­stel­ler, eröff­ne­te das Pro­jekt mit einer gemein­sa­men Fahrt auf dem Mess­schiff „Max Hon­sell“ der LUBW, das bei den Unter­su­chun­gen zum Ein­satz kom­men wird. Dabei ließ er für eine erste sym­bo­li­sche Pro­benah­me im Neckar ein Netz ins Was­ser. Die­ses so genann­te ‚Man­ta Trawl‘ wur­de spe­zi­ell dafür ent­wickelt, Mikro­pla­stik­teil­chen und wei­te­re Schmutz­par­ti­kel an Was­ser­ober­flä­chen ent­neh­men zu können.

In den kom­men­den Mona­ten wer­den an Rhein und Neckar syste­ma­ti­sche Pro­benah­men fol­gen – und zwar an rund 20 Stel­len, die sich durch die Zusam­men­set­zung ihrer Abwäs­ser und die Grö­ße ihrer Ein­zugs­ge­bie­te deut­lich von­ein­an­der unter­schei­den. Für 2015 wird mit der Ver­öf­fent­li­chung der ersten Ergeb­nis­se gerechnet.

Enge For­schungs­ko­ope­ra­ti­on mit dem Baye­ri­schen Umweltministerium

Bereits im Früh­jahr 2014 ging ein gemein­sa­mes Pro­jekt von Prof. Laforsch mit dem Baye­ri­schen Umwelt­mi­ni­ste­ri­um an den Start. In den näch­sten Jah­ren wer­den Flüs­se und Seen in Bay­ern sowie deren Sedi­men­te dar­auf­hin unter­sucht, inwie­weit sie mit Mikro­pla­stik kon­ta­mi­niert sind. Dabei soll ins­be­son­de­re auch geklärt wer­den, in wel­chem Umfang Kunst­stoff­par­ti­kel von den im Was­ser leben­den Tie­ren auf­ge­nom­men wer­den und wel­che Risi­ken für den Men­schen bestehen, falls Par­ti­kel in die Nah­rungs­ket­te gelan­gen. Das Baye­ri­sche Staats­mi­ni­ste­ri­um für Umwelt und Ver­brau­cher­schutz hat die­se For­schungs­ar­bei­ten in Auf­trag gege­ben und för­dert sie mit ins­ge­samt rund 600.000 Euro.

Im Juli 2014 fand am Baye­ri­schen Lan­des­amt für Umwelt in Augs­burg ein Sta­tus­kol­lo­qui­um statt, das der Baye­ri­sche Staats­mi­ni­ster für Umwelt und Ver­brau­cher­schutz, Dr. Mar­cel Huber, eröff­ne­te. Mit­glie­der von Bun­des- und Lan­des­be­hör­den sowie Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler infor­mier­ten sich dabei über den aktu­el­len For­schungs­stand zum The­ma ‚Mikro­pla­stik in der Umwelt‘. Am Schluss der Ver­an­stal­tung wur­de von den Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern ein Memo­ran­dum beschlos­sen, in dem es unter ande­rem heißt: „Das Wis­sen über mög­li­che Risi­ken durch Mikro­pla­stik für die Umwelt ist wich­tig, reicht der­zeit aller­dings nicht aus. Es müs­sen Lösun­gen gefun­den wer­den, mög­li­che Risi­ken zu mini­mie­ren ohne dabei – ggf. unnö­ti­ger­wei­se – auf den Nut­zen von Kunst­stof­fen für die Wirt­schaft und die mensch­li­che Gesell­schaft zu ver­zich­ten. Neben der genau­en Kennt­nis über die Ein­trags- und Ver­brei­tungs­pfa­de müs­sen Kon­zep­te ent­wickelt wer­den, um die Ein­trä­ge in die Umwelt und ins­be­son­de­re in die Gewäs­ser zu minimieren.“

Eine glo­ba­le Problematik

Die Kunst­stoff­tei­le, die bei Unter­su­chun­gen bis­lang gefun­den wur­den, stam­men vor­wie­gend von Kon­sum­gü­tern und Ver­packun­gen. Sie sind direkt oder über unsach­ge­mä­ße Ent­sor­gung in Ober­flä­chen­ge­wäs­ser gera­ten, wo sie ver­rot­ten und zu Mikro­pla­stik wer­den. „Wir ver­mu­ten, dass die Kon­ta­mi­na­ti­on in Gewäs­sern nahe städ­ti­scher Zen­tren und Indu­strie­ge­bie­te noch stär­ker sein könn­te“, erklärt Prof. Laforsch und fährt fort: „Bis­her beschäf­ti­gen sich nur weni­ge Stu­di­en mit Mikro­pla­stik­par­ti­keln in Bin­nen­ge­wäs­sern. Dar­um gibt es noch sehr vie­le offe­ne Fra­gen, die ins­be­son­de­re die Quel­len des Pla­stik­mülls, die in Flüs­se und Seen gelang­ten Kunst­stoff­men­gen, deren Abbau sowie die Fol­gen für Tie­re und Öko­sy­ste­me betref­fen. Die­se Stu­di­en unter­such­ten die Donau in Öster­reich, die Sei­ne in Frank­reich, den Gen­fer See in der Schweiz und die Gro­ßen Seen in Kana­da. Über­all wur­de Mikro­pla­stik gefun­den. Dies lässt eine glo­ba­le Pro­ble­ma­tik von Mikro­pla­stik in Bin­nen­ge­wäs­sern vermuten.“