Uni­ver­si­tät Bay­reuth: Öffent­li­cher Vor­trag von Prof. Dr. Bert Hölldobler

Symbolbild Bildung

Ord­nung im Cha­os: Kom­mu­ni­ka­ti­on und Koope­ra­ti­on im Super­or­ga­nis­mus ‚Amei­sen­staat‘

Polyrhachis bihamata

Poly­r­ha­chis bihamata

Im Rah­men der ‚Bay­reuth Bio­lo­gy Lec­tures‘ hält Prof. Dr. Bert Höll­do­bler den Vor­trag „Ord­nung im Cha­os: Kom­mu­ni­ka­ti­on und Koope­ra­ti­on im Super­or­ga­nis­mus ‚Amei­sen­staat‘“. Prof. Höll­do­bler ist Ver­hal­tens­for­scher, Sozio­bio­lo­ge und Evo­lu­ti­ons­öko­lo­ge und hat seit sei­ner Eme­ri­tie­rung an der Uni­ver­si­tät Würz­burg an der Ari­zo­na Sta­te Uni­ver­si­ty (USA) eine For­schungs­pro­fes­sur inne. Der Wis­sen­schaft­ler ist mit zahl­rei­chen nam­haf­ten Prei­sen aus­ge­zeich­net wor­den, u.a. mit dem Pulit­zer-Preis, dem Leib­niz- sowie dem Körber-Preis.

Der Vor­trag ist öffent­lich und kos­ten­frei und wird auf deutsch gehal­ten. Gäs­te sind herz­lich willkommen!

  • Ter­min: Mitt­woch, 2. Juli 2014
  • Zeit: 17 Uhr s.t.
  • Ort: Cam­pus der Uni­ver­si­tät Bay­reuth, Gebäu­de NW I, Hör­saal H 15, Uni­ver­si­täts­stra­ße 30, D‑95447 Bayreuth

Ein Blick in das ver­meint­lich chao­ti­sche Durch­ein­an­der eines Wald­amei­sen­nes­tes zeigt uns, dass die sozia­le Orga­ni­sa­ti­on die­ser Insek­ten ein vor­treff­li­ches Bei­spiel für Ord­nung im Cha­os in der beleb­ten Natur ist. Hät­ten wir die Mög­lich­keit, ähn­lich wie auf ein Amei­sen­nest, einen Blick auf die mil­li­ar­den­fa­chen Inter­ak­tio­nen von Neu­ro­nen in unse­rem Gehirn zu wer­fen, sie schie­nen uns auch wie ein völ­lig chao­ti­sches Durch­ein­an­der. Und doch resul­tie­ren aus die­sem ver­meint­li­chen Cha­os emer­gen­te Leis­tun­gen von höchs­ter Krea­ti­vi­tät. Das ver­bin­det die Hirn­for­schung mit der expe­ri­men­tel­len Sozio­bio­lo­gie: Bei­de Wis­sen­schaf­ten suchen Ord­nung im Cha­os, bei­de erfor­schen die Mecha­nis­men, die die Orga­ni­sa­ti­on im schein­ba­ren Cha­os bewirken.

Tat­säch­lich wird bis­wei­len der Insek­ten­staat mit dem Gehirn ver­gli­chen. Insek­ten­so­zie­tä­ten kön­nen Eigen­schaf­ten eines Pro­blem lösen­den Sys­tems auf­wei­sen, die weit die Fähig­kei­ten der ein­zel­nen Indi­vi­du­en einer Sozie­tät über­tref­fen, obgleich die­se Eigen­schaf­ten auf den kom­mu­ni­ka­ti­ven Inter­ak­tio­nen die­ser Indi­vi­du­en beru­hen. Des­halb wur­de wie­der­holt die Kom­mu­ni­ka­ti­on unter den Mit­glie­dern eines Insek­ten­staa­tes mit der Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Neu­ro­nen eines Gehirns verglichen.

Sozia­le Orga­ni­sa­tio­nen, d.h. Arbeits­tei­lung, Inte­gra­ti­on der hun­dert­tau­sen­den von Indi­vi­du­en und die dar­aus ent­ste­hen­den Gemein­schafts­leis­tun­gen sind nur mög­lich mit Hil­fe leis­tungs­fä­hi­ger Kom­mu­ni­ka­ti­ons-sys­te­me. Pri­mi­ti­ve, d.h. evo­lu­tio­när weni­ger weit ent­wi­ckel­te, hier­ar­chisch orga­ni­sier­te Insek­ten­so­zie­tä­ten sind bei wei­tem nicht so effi­zi­ent wie die hoch­ent­wi­ckel­ten Insek­ten­staa­ten, deren Arbeits­tei­lung auf einem Netz­werk von ega­li­tä­ren Arbeits­ab­läu­fen beruht. Die­se Amei­sen­ko­lo­nien sind bei­spiel­haft für effi­zi­en­tes Koope­rie­ren in Clus­tern. In der Tat: Im Clus­ter wer­den Ein­zel­ne stark!