Uni­ver­si­tät Bay­reuth: Ein­blick in die geheim­nis­vol­le Welt der alten Frauenklöster

Symbolbild Bildung
Der Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert bietet einen Einblick in eine Zelle des Münchner Bittrichklosters. Auffällig ist das Wandbild, das die Erzherzogin Kunigunde von Österreich, eine Schwester Kaiser Maximilians I., darstellt, die in der Geschichtskultur dieses Terziarinnenklosters eine überragende Rolle spielte.

Der Kup­fer­stich aus dem 18. Jahr­hun­dert bie­tet einen Ein­blick in eine Zel­le des Münch­ner Bittrich­klo­sters. Auf­fäl­lig ist das Wand­bild, das die Erz­her­zo­gin Kuni­gun­de von Öster­reich, eine Schwe­ster Kai­ser Maxi­mi­li­ans I., dar­stellt, die in der Geschichts­kul­tur die­ses Ter­zia­rin­nen­klo­sters eine über­ra­gen­de Rol­le spielte.

Bay­reu­ther Wis­sen­schaft­ler unter­such­te Geschichts­kul­tur von 1200 Klö­stern zwi­schen Bel­gi­en und Mähren

Hohe Mau­ern umschlos­sen einst die mei­sten Frau­en­klö­ster und ver­bar­gen damit das Tun der Non­nen vor neu­gie­ri­gen Blicken. Dass sich Non­nen gele­gent­lich auch mit Geschich­te beschäf­tig­ten, war bis­lang kaum bekannt für die Zeit vor der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on. Der Bay­reu­ther Geschichts­di­dak­ti­ker Dr. Ste­fan Benz ging die­ser Fra­ge nach und unter­such­te rund 1200 Frau­en­klö­ster Mit­tel­eu­ro­pas zwi­schen Brünn und Brüs­sel, zwi­schen Bra­bant und Slo­we­ni­en auf ihre Geschichts­kul­tur. Dar­un­ter ver­steht er alle For­men, sich kon­struk­tiv mit Ver­gan­gen­heit aus­ein­an­der­zu­set­zen oder damit kon­fron­tiert zu werden.

„Heu­te sind wir es gewohnt, dass uns gedeu­te­te Geschich­te umgibt. Die histo­ri­schen ZDF-Fern­seh­do­ku­men­ta­tio­nen von Gui­do Knopp errei­chen bei­spiels­wei­se ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum. Histo­ry sells ist zum geflü­gel­ten Wort gewor­den. So über­rasch­te es nicht wirk­lich, dass sich die Men­schen auch frü­her für die Ver­gan­gen­heit inter­es­sier­ten“, erzählt Dr. Ste­fan Benz. Die Non­nen schrie­ben z.B. kur­ze Chro­ni­ken, bestell­ten Bil­der und Fres­ken, die Ver­gan­ge­nes zeig­ten, oder tru­gen Erin­ne­run­gen und Geschich­ten münd­lich wei­ter, von einer Schwe­stern-genera­ti­on zur näch­sten. „Klas­si­sches Schul­buch­wis­sen war damals aber nicht gefragt. Am lieb­sten lasen die Non­nen Bio­gra­phien oder schrie­ben wel­che. Sie bewahr­ten Ver­gan­gen­heit, ermög­lich­ten Geden­ken und Erin­ne­rung“, erläu­tert der Bay­reu­ther Wis­sen­schaft­ler. Obwohl in den Stür­men der Zeit, beson­ders seit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on, viel zugrun­de ging, gelang es Dr. Ste­fan Benz doch, hun­der­te sol­cher Zeug­nis­se ver­gan­ge­ner Geschichts­kul­tur teils zu beschrei­ben, teils wenig­stens zu benennen.

Sei­ne umfang­rei­chen For­schun­gen, die von der Ger­da Hen­kel Stif­tung Düs­sel­dorf finan­ziert wur­den, hat der Geschichts­di­dak­ti­ker im soeben erschie­ne­nen Buch ‚Frau­en­klö­ster Mit­tel­eu­ro­pas. Ver­zeich­nis und Beschrei­bung ihrer Geschichts­kul­tur 1550–1800‘ zusam­men­ge­fasst. Auch zu Ober­fran­ken ent­hält der Band Ein­trä­ge, so zu den Bam­ber­ger Frau­en­klö­stern und zu Him­mel­kron. Wäh­rend die Bam­ber­ge­rin­nen teils glän­zend über Zeit­er­eig­nis­se infor­miert waren, erhielt die letz­te Äbtis­sin von Him­mel­kron von einem Mel­ken­dor­fer Pfar­rer noch eine gereim­te Geschich­te ihres Klo­sters geschenkt: Ein wenig ver­kür­zend sah er die Frau­en­klö­ster als eine Form von Schu­len. Von den Hofer Kla­ris­sen ist dage­gen kein Zeug­nis ihrer Geschichts­kul­tur erhalten.

Bay­erns Frau­en­klö­ster sind in dem Buch über­pro­por­tio­nal ver­tre­ten: Die rela­tiv gute Quel­len­la­ge bescher­te man­chen Fund, ins­be­son­de­re die Münch­ne­rin­nen tru­gen mit ihrem histo­ri­schen Inter­es­se dazu bei. Die drei alten Münch­ner Frau­en­klö­ster, heu­te im Stadt­bild der Lan­des­haupt­stadt kaum noch aus­zu­ma­chen, sorg­ten durch teils auf­wän­dig illu­strier­te Drucke nicht nur für ihre Geschich­te, son­dern auch für ihren Nach­ruhm – euro­pä­isch einmalig.

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