Erz­bi­schof Lud­wig Schick: “Sperr­ge­bie­te über­win­den und den Hori­zont erweitern ”

Erz­bi­schof Lud­wig Schick pre­digt zur Wall­fahrt auf dem Hül­fens­berg in Thü­rin­gen 25 Jah­re nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung Deutschlands

(bbk) Erz­bi­schof Lud­wig Schick ruft dazu auf, sowohl ter­ri­to­ria­le als auch gei­sti­ge Sperr­ge­bie­te zu über­win­den. Der Bam­ber­ger Ober­hir­te erin­ner­te auf dem Hül­fens­berg bei Geismar im thü­rin­gi­schen Land­kreis Eichs­feld dar­an, dass der Hül­fens­berg in der DDR-Zeit im Sperr­ge­biet gele­gen habe und wie vie­le Orte ent­lang der Zonen­gren­ze von außen Jahr­zehn­te lang fast unzu­gäng­lich gewe­sen sei.

Die Bewoh­ner der Sperr­ge­bie­te hät­ten in der Zeit der Tei­lung Deutsch­lands beson­ders gelit­ten und vie­le Ein­schrän­kun­gen der Rei­se- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­frei­heit, der Bil­dungs- und Berufs­chan­cen ertra­gen müs­sen. „Das Sperr­ge­biet war wie ein Frei­luft­ge­fäng­nis. Dan­ken wir für die Wen­de im Jahr 1989 und fei­ern wir das Sil­ber­ne Jubi­lä­um der Wie­der­ver­ei­ni­gung Deutsch­lands. Beson­ders die Bewoh­ner der Sperr­ge­bie­te haben den Segen der Wie­der­ver­ei­ni­gung erfah­ren. Das dür­fen wir nie vergessen.“

Erst seit 1989 hät­ten die Chri­sten auch wie­der die Mög­lich­keit, zum belieb­ten und ver­ehr­ten Hül­fens­berg zu pil­gern, der den Eichs­fel­dern beson­ders wert­voll für ihr reli­giö­ses Leben sei. „Gott sei Dank, dass es in Deutsch­land kein Sperr­ge­biet mehr gibt, nur noch im Wort und in der Erin­ne­rung“, rief Schick den vie­len Pil­gern zu.

Es loh­ne sich aber den­noch über das Wort „Sperr­ge­biet“ ein­mal hin­sicht­lich des gei­sti­gen und geist­li­chen Lebens nach­zu­den­ken, sag­te der Bam­ber­ger Ober­hir­te. „Wenn wir nur die Welt und das irdi­sche Leben mit ihren Mög­lich­kei­ten und Rei­zen im Sinn haben, befin­den wir uns gei­stig in einem Sperr­ge­biet, das für Gott den Him­mel, das ewi­ge Leben ver­schlos­sen ist. Wenn wir uns nur um unser Wohl­erge­hen sor­gen und nicht die Armen, Kran­ken, Ein­sa­men, Not­lei­den­den, um uns her­um und in der gan­zen Welt im Blick haben, befin­den wir uns im Sperr­ge­biet unse­res klei­nen Ich. Wenn wir nicht Euro­pa und die Welt bei unse­ren poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen mit­be­den­ken, befin­den wir uns im natio­na­len Sperr­ge­biet, das schnell erneut zum Natio­na­lis­mus und Ras­sis­mus wer­den kann. Wenn wir nicht das Gemein­wohl über das Eigen­wohl stel­len, sind wir gefan­gen im Sperr­ge­biet der eige­nen Wün­sche und Süch­te und wenn wir in Streit, Miss­gunst und Unver­söhnt­heit ver­har­ren, sind wir ein­ge­ker­kert ins Sperr­ge­biet unse­rer Selbstbefangenheit“.

Jesus Chri­stus sei gekom­men, um alle ter­ri­to­ria­len und gei­sti­gen Sperr­ge­bie­te zu über­win­den und den Hori­zont zu wei­ten. „Christ­sein bedeu­tet, für die Fül­le des Lebens (vgl. Joh 10,10) in Glau­be und Hoff­nung, Got­tes- und Näch­sten­lie­be geöff­net zu sein und das ewi­ge Leben im Him­mel zu erwar­ten. Die Zeit der Bitt­ta­ge vor Chri­sti Him­mel­fahrt und vor Pfing­sten sei­en eine beson­de­re Gele­gen­heit, „alle Sperr­ge­bie­te in unse­rem Den­ken und Han­deln“ zu über­win­den, um in der Frei­heit der Kin­der Got­tes zu leben.

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