Land­wirt­schaft­li­che Lehr­an­stal­ten in Bay­reuth expe­ri­men­tie­ren mit Ter­ra Preta

Wun­der­erde im Praxistest

Rainer Prischenk, Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth und sein Vertreter Hermann Hofmann

Rai­ner Pri­schenk, Lei­ter der Land­wirt­schaft­li­chen Lehr­an­stal­ten in Bay­reuth und sein Ver­tre­ter Her­mann Hofmann

Schwar­ze Erde, Ter­ra magi­ca oder ein­fach nur Wun­der­erde – Bezeich­nun­gen hat man für die beson­de­re Erde „Ter­ra Pre­ta“ in den letz­ten Jah­ren seit ihrer Wie­der­ent­deckung vie­le gefun­den. Das Kon­zept aber bleibt gleich: Nähr­stoff­rei­cher Kom­post wird mit Bio­koh­le ange­rei­chert. Was dabei ent­steht, ist eine hoch­wer­ti­ge, extrem frucht­ba­re schwar­ze Erde. In den Land­wirt­schaft­li­chen Lehr­an­stal­ten (LLA) des Bezirks Ober­fran­ken in Bay­reuth wird die Wir­kung der Ter­ra Pre­ta genau beob­ach­tet und auch der Nut­zen für Hob­by­gärt­ner und Klein­bau­ern untersucht.

Schon vor tau­sen­den Jah­ren war die Ter­ra Pre­ta für die Indi­os in Ama­zo­ni­en Grund­la­ge für ertrag­rei­chen Acker­bau. Und auch heu­te wird ihr ein hohes Poten­zi­al zuge­schrie­ben: Man geht davon aus, sie kön­ne Erträ­ge deut­lich stei­gern, zum Humus­auf­bau bei­tra­gen und damit letzt­end­lich sogar einen bedeu­ten­den Bei­trag zur Lösung der Kli­ma­kri­se und Bekämp­fung des Welt­hun­gers lei­sten. Ob die Schwar­ze Erde die­sen Erwar­tun­gen gerecht wer­den kann, das wird der­zeit in den Land­wirt­schaft­li­chen Lehr­an­stal­ten in Bay­reuth getestet.

Als Flä­che für den größ­ten wis­sen­schaft­li­chen Ter­ra Pre­ta-Frei­land­ver­such in Deutsch­land mit Schwer­punkt Öko­lo­gie die­nen bereits seit 2010 Äcker der LLA des Bezirks Ober­fran­ken in der Nähe von Bay­reuth. In Koope­ra­ti­on mit dem Insti­tut für Agrar- und Ernäh­rungs­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Hal­le-Wit­ten­berg wur­den hier auf einem leich­ten, san­di­gen und nähr­stoff­ar­men Boden in unter­schied­li­chen Mischungs­ver­hält­nis­sen Holz­koh­le und Kom­post aus­ge­bracht. „Wir möch­ten mit dem gemein­sa­men Ver­such aus­lo­ten, wie durch ein­fa­che Bei­ga­ben von Bio­koh­le eine nach­hal­ti­ge Boden­ver­bes­se­rung erreicht wer­den kann“, erläu­tert Bezirks­tags­prä­si­dent Dr. Gün­ther Denz­ler das Ziel der Ver­su­che in den LLA.

Auch wenn es für wis­sen­schaft­li­che Aus­sa­gen noch zu früh ist, zei­gen die ersten Ergeb­nis­se Ten­den­zen, die die beson­de­re Wir­kung der Ter­ra Pre­ta bestä­ti­gen. „Auf den Par­zel­len, auf denen die fer­ti­ge Bio­koh­le-Kom­post-Mischung aus­ge­bracht wur­de, wach­sen die Mais­pflan­zen gene­rell bes­ser“, so der Agrar­wis­sen­schaft­ler Dani­el Fischer, des­sen Dok­tor­va­ter Prof. Dr. Bru­no Gla­ser sei­nen Arbeits­schwer­punkt auf die Ter­ra Pre­ta gesetzt hat und der zu den renom­mier­te­sten Wis­sen­schaft­lern auf dem Feld der Bio­koh­le­for­schung zählt. Neben dem opti­schen Effekt im Ver­gleich zwi­schen den ver­schie­de­nen Par­zel­len benennt Fischer den erhöh­ten Humus­ge­halt und das gestei­ger­te Was­ser­spei­cher­ver­mö­gen auf den Ver­suchs­flä­chen als bis­lang bedeu­tend­stes Zwi­schen­er­geb­nis. Nun wer­den die rund 100 ent­nom­me­nen Pro­ben bear­bei­tet, getrock­net und gemah­len, um anschlie­ßend im Labor umfas­send ana­ly­siert zu wer­den. Die ermit­tel­ten Daten wer­den schließ­lich sta­ti­stisch ausgewertet.

Das For­schungs­pro­jekt auf den Flä­chen der LLA soll zei­gen, ob und wie es mög­lich ist, mit dem Ein­satz von Bio­koh­le und anson­sten wenig genutz­ten orga­ni­schen Rest­stof­fen wie Grün­schnitt zwei Flie­gen mit einer Klap­pe zu schla­gen: Neben den Boden ver­bes­sern­den Eigen­schaf­ten zählt schließ­lich auch der Bei­trag für den Kli­ma­schutz zu den wich­tig­sten Poten­zia­len der Ter­ra Pre­ta. Durch die Nut­zung der Ter­ra Pre­ta-Tech­no­lo­gie wird die Bio­koh­le über vie­le Jahr­hun­der­te in den Boden gefahr­los ein­ge­la­gert und gespei­chert. Auf die­se Wei­se wer­den gro­ße Men­gen an CO2 der Atmo­sphä­re ent­zo­gen. Bis zu 300 Ton­nen Koh­len­di­oxid könn­ten so pro Hekt­ar ein­ge­la­gert wer­den. Nicht zuletzt wür­de durch die ver­bes­ser­te Nähr­stoff­spei­cher­fä­hig­keit der schwar­zen Erde die Zufuhr von mine­ra­li­schen und che­mi­schen Dün­gern reduziert.
Das Kon­zept der Ter­ra Pre­ta klingt viel­ver­spre­chend – nicht nur für Land­wir­te. Auch Klein­bau­ern und Hob­by­gärt­ner könn­ten davon profitieren.

Daher gehen die Land­wirt­schaft­li­chen Lehr­an­stal­ten in wei­te­ren Ver­su­chen weni­ger wis­sen­schaft­lich, dafür aber sehr pra­xis­ori­en­tiert an das The­ma her­an. Mit ver­schie­de­nen Koh­le­mi­schun­gen star­te­ten Land­wirt­schafts­di­rek­tor Rai­ner Pri­schenk und sei­ne Mit­ar­bei­ter kur­zer­hand einen Eigen­ver­such. Über drei Mona­te hin­weg wer­den nun Mie­ten, gefüllt mit unter­schied­li­chen Mischun­gen aus Koh­le­mi­schung, Rasen­schnitt, Rin­der­mist und Hack­schnit­zel, beob­ach­tet. Das Ergeb­nis lässt sich im letz­ten Abschnitt des Ver­suchs bereits deut­lich sehen, bezie­hungs­wei­se rie­chen. Aus dem Kom­post-Koh­le­ge­misch ent­steht durch mikro­bio­lo­gi­sche Vor­gän­ge die dunk­le Erde, deren Geruch kei­nes­wegs fau­lig sau­er, son­dern inten­siv erdig ist. Nun sol­len Boden­un­ter­su­chun­gen fol­gen, in denen die tat­säch­li­chen Nähr­stoff­ge­hal­te unter­sucht wer­den und die erprob­ten Mischungs­ver­hält­nis­se ver­gli­chen werden.

Für das näch­ste Jahr wur­de außer­dem bereits eine Flä­che auf dem Gelän­de der LLA aus­ge­wählt, auf der durch Ver­wen­dung des Sub­strats und Anpflan­zung einer Grä­ser­mi­schung der Unter­schied zwi­schen der Schwar­zen Erde und nor­ma­ler Erde beob­ach­tet wer­den könn­te. Und auch für den Gar­ten­bau könn­te die Ter­ra Pre­ta inter­es­sant sein: Die Beob­ach­tung von Gera­ni­en­kä­sten zum Bei­spiel soll Auf­schluss dar­über geben, ob die Schwar­ze Erde auch Alter­na­ti­ve für die sonst ver­wen­de­te Torfer­de sein kann.

Über­all geht es dabei vor allem um die prak­ti­sche Nutz­bar­keit, nicht dar­um, wis­sen­schaft­li­che Kri­te­ri­en zu erfül­len. „Wir wol­len neue Metho­den aus­pro­bie­ren und die Effek­te für den Prak­ti­ker nutz­bar und sicht­bar machen. Wir set­zen auf pra­xis­na­hes Testen im gan­zen Betrieb. Das Aus­pro­bie­ren war schließ­lich schon immer Sache der Lehr­an­stal­ten“, so Pri­schenk. Auch wenn der Land­wirt­schafts­di­rek­tor und sein Stell­ver­tre­ter Her­mann Hof­mann der flä­chen­decken­den Ver­wen­dung von Ter­ra Pre­ta in der Land­wirt­schaft und auch deren Wir­kung und Nähr­stoff­spei­che­rung über Jah­re hin­weg noch mit gewis­ser Vor­sicht gegen­über ste­hen: sie sind über­zeugt, dass das Kon­zept ins­be­son­de­re für den Prak­ti­ker im Pri­vat­ge­brauch eine inter­es­san­te Opti­on ist. Rai­ner Pri­schenk lädt des­halb auch alle Inter­es­sier­ten ein, die Ver­su­che und deren Ergeb­nis­se in den Land­wirt­schaft­li­chen Lehr­an­stal­ten selbst zu betrach­ten – bezie­hungs­wei­se zu erfüh­len und zu errie­chen – und dadurch mehr über die Wun­der­erde und ihren Gebrauch in der Pra­xis zu erfahren.

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