Leser­brief von Dani­el Frieß

Sehr geehr­te Damen und Herren,

Ohne Zwei­fel ist die Dis­kus­si­on über die geplan­te Gleich­strom­tras­se von Hal­le nach Augs­burg ein wich­ti­ges The­ma, über das dis­ku­tiert wer­den muss; selbst­ver­ständ­lich auch öffent­lich und mit Lei­den­schaft. Sie muss jedoch ehr­lich und vor allem sach­be­zo­gen geführt wer­den. Lei­der ist im Moment genau das Gegen­teil der Fall. So kri­ti­siert die Hollfel­der Bür­ger­mei­ste­rin Karin Bar­wisch Land­rat Her­mann Hüb­ner in den Sit­zun­gen der Kreis­gre­mi­en eben­so wie im Stadt­rat dafür, dass bei zwei Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen, die die Bun­des­netz­agen­tur in Nürn­berg abge­hal­ten habe, zwar die Gemein­den Hollfeld und Auf­seß ver­tre­ten gewe­sen sei­en, jedoch kein Ver­tre­ter des Land­krei­ses Bay­reuth; zumal alle ande­ren betrof­fe­nen Land­krei­se Ver­tre­ter geschickt hät­ten. Sie wer­tet dies als ein ver­meint­li­ches Des­in­ter­es­se des Land­krei­ses an der künf­ti­gen Strom­pas­sa­ge. Der Auf­se­ßer Bür­ger­mei­ster Lud­wig Bäu­er­lein infor­miert sei­nen Gemein­de­rat dahin­ge­hend, dass er selbst sehr spät von den Plä­nen der Bun­des­netz­agen­tur in Kennt­nis gesetzt wor­den sei, jedoch der Land­rat schon wesent­lich frü­her Bescheid gewusst hätte.

Vor­wür­fe, die weder in ihrer poin­tier­ten Schär­fe noch von ihrem Inhalt her ange­mes­sen erschei­nen, brin­gen uns hier kei­nen Schritt wei­ter. Als Lei­ter der Pro­jekt­grup­pe „Gleich­strom­pas­sa­ge Süd-Ost“ im Land­rats­amt Bay­reuth sehe ich mich ver­an­lasst, die­sen Vor­wür­fen ent­ge­gen­zu­tre­ten. Der Land­kreis war bis­her nicht untä­tig. Wir haben eine Pro­jekt­grup­pe ein­ge­setzt, in denen nicht nur Fach­leu­te aus den Berei­chen Bau­en, Umwelt und Lan­des­pla­nung ein­ge­bun­den sind, son­dern auch die Ver­tre­ter der poten­ti­ell betrof­fe­nen Gemein­den in der Frän­ki­schen Schweiz. Wir wer­den Mit­te Janu­ar 2014 eine Bür­ger­mei­ster­dienst­be­spre­chung orga­ni­sie­ren, bei der auch die für die Tras­sen­fin­dung beauf­trag­te Fir­ma ampri­on Rede und Ant­wort ste­hen wird. Im Übri­gen hat sich der Land­kreis bereits im Mai 2013 inhalt­lich gegen­über der Bun­des­netz­agen­tur, der die Zustän­dig­keit für die län­der­über­grei­fen­de Pla­nung der Strom­tras­sen über­tra­gen wur­de, geäu­ßert und die­se auf­ge­for­dert, bei ihren Pla­nun­gen Was­ser­schutz- und Land­schafts­schutz­ge­bie­te, ins­be­son­de­re in den Natur­parks „Fich­tel­ge­bir­ge“ und “Frän­ki­sche Schweiz – Vel­den­stei­ner Forst”, von der­ar­tig raum­be­deut­sa­men Pla­nun­gen voll­um­fäng­lich frei­zu­hal­ten. Nach unse­rer Ansicht lau­fen groß­di­men­sio­nier­te ober­ir­di­sche Frei­lei­tungs­tras­sen die­sem Schutz­zweck zuwi­der, da bei­spiels­wei­se in den Zonen I und II von Was­ser­schutz­ge­bie­ten ein gene­rel­les Bau­ver­bot für bau­li­che Anla­gen gilt. Wenn Land­rat Hüb­ner im Arti­kel des NK vom 12.11.2013 unzu­tref­fend mit den Wor­ten zitiert wird, dass er es kri­tisch sähe, wenn die Tras­se dort ver­lau­fe, wo bereits Ein­grif­fe in die Natur statt­ge­fun­den haben, wider­spricht dies genau dem, was wir bis­her für den Bau der Tras­se gefor­dert haben und auch wei­ter­hin for­dern wer­den. Der Land­rat und wir ver­tre­ten gegen­über der Bun­des­netz­agen­tur die kla­re Posi­ti­on, dass die geplan­te Gleich­strom­pas­sa­ge mit vor­han­de­nen Strom‑, Ener­gie- und Ver­kehr­stra­ssen gebün­delt wer­den muss bei gleich­zei­ti­ger höchst­mög­li­cher Beach­tung umwelt­re­le­van­ter Schutz­vor­ga­ben. Dies ent­spricht im Übri­gen den lan­des­pla­ne­ri­schen Ziel­vor­ga­ben für sol­che Projekte.

Gleich­zei­tig ist dem Vor­wurf ent­ge­gen­tre­ten, dass sich der Land­kreis von Ver­an­stal­tun­gen, die zu die­sem The­ma von der Bun­des­netz­agen­tur ver­an­stal­tet wur­den, bewusst fern­ge­hal­ten hat. Zunächst hat die Bun­des­netz­agen­tur in der Tat eine Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung in Nürn­berg abge­hal­ten; hier­zu jedoch nicht die Land­krei­se ein­ge­la­den. Aus die­sem Grund waren auch nicht, wie behaup­tet, alle betrof­fe­nen Land­krei­se anwe­send. Dass dann den­noch Ver­tre­ter zwei­er Land­rats­äm­tern vor Ort waren, lag dar­an, dass die­se von ihren Gemein­den, die vom Baye­ri­schen Gemein­de­tag von die­ser Ver­an­stal­tung in Kennt­nis gesetzt wur­den, einen Hin­weis beka­men. Das Land­rats­amt Bay­reuth wur­de lei­der weder von der Stadt Hollfeld noch von der Gemein­de Auf­seß von die­ser Ver­an­stal­tung infor­miert. Im Nach­hin­ein dar­aus einen Vor­wurf zu for­mu­lie­ren, erscheint mir nicht sach­ge­recht. Eine wei­te­re Ver­an­stal­tung in Würz­burg, von der wir eben­falls kei­ne Kennt­nis hat­ten, über­schnitt sich mit der Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung des Fach­pla­ners ampri­on in Bay­reuth, an der Land­rat Hüb­ner teil­nahm und bei der er die zwi­schen­zeit­lich in den Kreis­gre­mi­en vor­ge­tra­ge­nen Infor­ma­tio­nen erhielt.

Erstaun­li­che Züge nimmt auch die Dis­kus­si­on um den Zeit­punkt der Wei­ter­ga­be der Infor­ma­tio­nen durch Land­rat Hüb­ner an. Wäh­rend er zum Teil von poli­ti­scher Sei­te dafür gerügt wur­de, so früh­zei­tig an die Öffent­lich­keit gegan­gen zu sein, da dadurch unnö­tig Unru­he erzeugt wür­de, kri­ti­siert ihn die Auf­se­ßer Sei­te, die Infor­ma­tio­nen so spät wei­ter­ge­ge­ben zu haben. Fest steht, dass die Kreis­aus­schuss­sit­zung am 08.11.2013 die erste Gre­mi­ums­sit­zung nach der Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung der Fa. ampri­on war; der Land­rat mit­hin die erste Mög­lich­keit wahr­ge­nom­men hat, das kom­plet­te Gre­mi­um über den aktu­el­len Sach­stand zu infor­mie­ren. Ver­spä­tet wäre die Infor­ma­ti­on dann gewe­sen, wenn dadurch im lau­fen­den Ver­fah­ren Fri­sten ver­säumt wor­den wären, die es unmög­lich gemacht hät­ten, wesent­li­che Umstän­de, die gegen die Errich­tung der Gleich­strom­tras­se auf Kreis­ge­biet spre­chen, vor­brin­gen zu kön­nen. Dies ist defi­ni­tiv nicht der Fall. Wir befin­den uns aktu­ell noch in einer Vor­stu­fe zur for­ma­len Bun­des­fach­pla­nung. Das end­gül­ti­ge Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren, mit dem die end­gül­ti­ge Tras­se fest­ge­legt wird und gegen deren Ent­schei­dung dann auch Rechts­mit­tel ein­ge­legt wer­den kön­nen, hat bis­her nicht begon­nen. Ein­wän­de gegen die Ver­or­tung der Grob- bzw. Tras­sen­kor­ri­do­re sind bereits jetzt und auch noch Anfang des näch­sten Jah­res möglich.

Als Pro­jekt­lei­ter habe ich zwi­schen­zeit­lich an alle Betei­lig­ten appel­liert, wie­der mit einer gemein­sa­men Stim­me zu spre­chen und in unse­rem gemein­sa­men Inter­es­se wie­der an einem Strang zu zie­hen. Das Land­rats­amt Bay­reuth wird jeden­falls sei­nen maß­geb­li­chen Bei­trag dazu lei­sten, dass eine Tras­se gefun­den wird, die die schüt­zens­wer­ten Tei­le des Land­krei­ses Bay­reuth nicht berührt.

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