Aus­gra­bun­gen am Dom­kranz in Bamberg

Archäo­lo­gen der Uni­ver­si­tät Bam­berg sto­ßen bei Bau­ar­bei­ten am Dom auf Grä­ber aus dem Mittelalter

(bbk) Bei einer bau­be­glei­ten­den Gra­bung am Bam­ber­ger Dom­kranz ist ein mit­tel­al­ter­li­cher Fried­hof zum Vor­schein gekom­men. Die zustän­di­gen Archäo­lo­gen datie­ren die Lei­chen­fun­de auf das Mit­tel­al­ter. Die Gra­bung wird vor­aus­sicht­lich bis Mit­te Novem­ber andauern.

Mit einem fei­nen Pin­sel befreit Robert Hell­mich der­zeit braun­gel­be Toten­köp­fe von Boden­re­sten. In einem Radi­us von weni­gen Metern liegt gut ein Dut­zend teils voll­stän­dig erhal­te­ner mensch­li­cher Ske­let­te aus dem 13. und 14. Jahr­hun­dert. Gefun­den wur­den sie ganz zufäl­lig. Bei Sanie­rungs­ar­bei­ten an Abwas­ser­roh­ren an der Ost­sei­te des Doms. Mit­te Sep­tem­ber begann die Gra­bung – eigent­lich um der Feuch­tig­keit an den Wän­den der Ost­kryp­ta des Doms auf den Grund zu gehen. Weil der Dom nicht irgend­ein Bau­werk ist und zudem unter Denk­mal­schutz steht, muss­te die Arbeit von Archäo­lo­gen beglei­tet wer­den. Das zustän­di­ge Staat­li­che Bau­amt Bam­berg wand­te sich für fach­kun­di­ge Unter­stüt­zung an die Uni Bam­berg, und zwar an den Lehr­stuhl für Archäo­lo­gie des Mit­tel­al­ters und der Neu­zeit. „Die Anfra­ge haben wir gern ange­nom­men. So konn­ten wir die Aus­gra­bungs­stel­le nut­zen, um unse­re Stu­die­ren­den an die Pra­xis her­an­zu­füh­ren“, sagt Eike Michl, Archäo­lo­gie-Lehr­be­auf­trag­ter der Uni Bam­berg und Ausgrabungsleiter.

Schon knapp unter­halb der heu­ti­gen Ober­flä­che stieß die erste Schau­fel auf Kno­chen statt Erde. Mehr als zehn Ske­let­te kamen zum Vor­schein. Damit änder­te sich das Vor­ge­hen auf der Bau­stel­le. „Ich muss beto­nen, dass das hier kei­ne archäo­lo­gi­sche For­schungs­gra­bung ist, son­dern eine bau­be­glei­ten­de Unter­su­chung zur Sanie­rung der Roh­re“, sagt Michl. Doch seit dem Ske­lett­fund wird vor­sich­ti­ger frei­ge­legt. Nicht mehr mit Spa­ten, son­dern Kel­len und fei­ne­rem Instru­ment. Wo sich vor­her Stu­den­ten und Bau­ar­bei­ter dräng­ten, huschen jetzt nur noch die bei­den Archäo­lo­gen Hell­mich und Michl durch die Gru­be – damit nichts beschä­digt wird. Im Ein­gang des sta­bi­len und wet­ter­fe­sten Ver­baus der Dom­bau­hüt­te stau­nen täg­lich Tou­ri­sten über die Ent­deckung. Die über­ra­schen­de Erkennt­nis: Frü­her dien­te der Dom­kranz als Friedhof.

Auch Dom­ka­pi­tu­lar Nor­bert Jung besuch­te, gemein­sam mit den Mit­glie­dern der Ordi­na­ri­ats­kon­fe­renz, die Aus­gra­bung am Ost­chor des Got­tes­hau­ses und infor­mier­te sich über die Fort­schrit­te der Archäo­lo­gen. „Die­se ist eine der weni­gen Stel­len, an der man mög­li­cher­wei­se Auf­schluss erhält über die Geschich­te des Dom­ber­ges aus der Zeit, bevor der Dom gebaut wur­de“, sagt Jung. Der Dom­kranz hal­te trotz oder gera­de wegen sei­nes ehr­wür­di­gen Alters noch man­che Über­ra­schung bereit und sei offen­bar wesent­lich älter als bis­her ange­nom­men. Das Bam­ber­ger Erz­bis­tum als Haus­herr, das Staat­li­che Bau­amt Bam­berg und das Baye­ri­sche Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge unter­stüt­zen die archäo­lo­gi­schen Arbeiten.

Die bis­her gefun­de­nen Ske­let­te sind zwar noch nicht genau datiert – hier­für bedarf es spe­zi­el­ler Labor­un­ter­su­chun­gen. Gra­bungs­lei­ter Eike Michl ver­mu­tet aber, dass die Ske­let­te aus dem 13. oder 14. Jahr­hun­dert, also dem spä­ten Mit­tel­al­ter, stam­men. Zu die­ser Annah­me brach­ten ihn Kera­mik­fun­de, also Scher­ben von Gefä­ßen. „Anhand der Muster, Rän­der und For­men kann man Trends iden­ti­fi­zie­ren, die zu bestimm­ten Zei­ten vor­herrsch­ten“, sagt Michl. Mit einem so genann­ten Such­schnitt drin­gen die Archäo­lo­gen vor­sich­tig ins Erd­reich vor, um Pro­ben zu neh­men und wei­te­re mög­li­che Fun­de zu lokalisieren.

Dabei wird jeder Fort­schritt doku­men­tiert: Neben Schau­feln, Scha­bern, Pin­seln und fei­nen Bür­sten fin­den sich Kame­ra, Lap­top und moder­nes Ver­mes­sungs­ge­rät an der Fund­stel­le. Daten, Zah­len und Fotos wer­den täg­lich gesi­chert. Sogar ein drei­di­men­sio­na­les Bild des frei­ge­leg­ten Fried­hofs wur­de mit einem 3D-Scan­ner der Pro­fes­sur für Restau­rie­rungs­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Bam­berg kon­stru­iert. Nach der­zei­ti­ger Pla­nung wird die Gra­bung vor­aus­sicht­lich Mit­te Novem­ber abgeschlossen.

(Hen­drik Steffens)

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