RESPEKT: Gro­ße Kunst­aus­stel­lung des Berufs­ver­ban­des Bil­den­der Künst­ler Ober­fran­ken e.V. 2013 in Bam­berg

Respekt, ein wei­tes Feld.

Hans Kronenbergs Architekturobjekte

Hans Kro­nen­bergs Archi­tek­tur­ob­jek­te

Ein alt­mo­di­scher Aus­stel­lungs­ti­tel für zeit­ge­nös­si­sche Kunst? In einer Zeit, in der die Märk­te die Wer­te zu domi­nie­ren schei­nen, statt die Wer­te die Märk­te? Genau des­we­gen ist RESPEKT ¯ in ande­ren Wor­ten: Ach­tung, Wert­schät­zung, Scheu und Rück­sicht ¯ eine zeit­lo­se und zugleich hoch­ak­tu­el­le Hal­tung.

Die­se Aus­stel­lung des Berufs­ver­ban­des wur­de letz­tes Jahr inner­halb sei­ner Mit­glie­der mit dem The­ma RESPEKT aus­ge­schrie­ben. Die ein­ge­reich­ten Kon­zep­te wur­den juriert und 14 Künst­ler aus­ge­wählt, eigens für die­ses The­ma Arbei­ten anzu­fer­ti­gen. Sie beant­wor­ten aus künst­le­ri­scher Sicht, wie es um die­se Hal­tung heu­te bestellt ist, wo man sie antrifft, wo man sie ver­misst, wie modern sie ist. Zu sehen sind Posi­tio­nen in den ver­schie­den­sten Gat­tun­gen zeit­ge­nös­si­scher Kunst von Druck­gra­fik, Male­rei, Digi­ta­ler Kunst, Klein­pla­stik, Col­la­gen, über Foto­gra­fie bis hin zu Objekt- und Instal­la­ti­ons­kunst.

Respekt for­dert der BBK auch für die Arbeit sei­ner Mit­glie­der. Ein Beruf, in dem es nur schwer mög­lich ist, ein Ein­kom­men zu gene­rie­ren, ist ein Armuts­zeug­nis unse­rer Gesell­schaft.

Im fol­gen­den sind die Kurz­be­schrei­bun­gen der Wer­ke der aus­stel­len­den Künst­ler.

Genäh­te Papier­ar­bei­ten von Michae­la Schwarz­manns aus der Serie „Gegen­sei­tig“ zei­gen fili­gran Betrach­tungs­wei­sen des zwi­schen­mensch­li­chen Mit­ein­an­ders: Kin­der und Erwach­se­ne, Mann und Frau, Kir­che und Welt. Sie stel­len die Fra­ge: Wo wird Rück­sicht gefor­dert, jedoch vom Gegen­über nicht ein­ge­hal­ten?

Das Cha­ris­ma Neu­er Wel­ten! Moni­ka Pell­kofer- Grieß­ham­mer insze­niert mit ihren Uni­kat­drucken der Serie „Haut­nah“ Fremd­ar­ti­ges wie unter dem Mikro­skop. Zei­chen einer ande­ren Spra­che, die sich anfäng­lich aller Erklä­rung ent­zie­hen, ani­mie­ren zum genau­en Hin­se­hen. Sie for­dern durch den behut­sa­men Umgang, dem Sich-dar­auf-ein­las­sen, Ach­tung vor dem Anders­ar­ti­gen ein.

Täg­lich ent­führt im Lou­vre Mona Lisas licht­voll-tie­fes Lächeln tau­sen­de Besu­cher aus aller Welt in die Genuss­stu­be mensch­li­cher Emo­tio­nen. Ker­stin Amend-Poh­lig kon­kre­ti­siert in ihrer male­risch ana­log-digi­ta­len Kunst­li­nie – Mona Lisa Pra­li­nés – die Schlüs­sel­rei­ze rei­nen Wert­schät­zens. Ein­stim­mig­keit des Posi­ti­ven, die Sum­me aus Ursa­che und Wir­kung sind Aus­lö­ser für ima­gi­nä­re Wege eines fried­li­chen Mit­ein­an­ders.

Hans Kro­nen­bergs Archi­tek­tur­ob­jek­te sind „Ver­klei­dungs-Stücke“. Sinn­ent­frem­de­te Holz­tei­le ver­knüp­fen archi­tek­to­nisch-über­grei­fend Kul­tur­schät­ze. Struk­tu­ren brin­gen uns auf die Fähr­te – Wer­tig­kei­ten zu orten, Urfor­men und Quel­len des Wer­te­ge­fü­ges neu zu erschlie­ßen, zu über­den­ken und in Ein­klang zu brin­gen.

Immer die Mit­te im Blick! Die Male­rei von Ant­je Fries geht ganz nah ran. Das Aus­ge­wo­gen­sein im Visier zoomt die Künst­le­rin beson­de­re Aus­schnit­te. Phan­ta­sti­sche Stof­fe und Muster ver­füh­ren sub­til die Sin­ne, festi­gen das Wohl­ge­fühl und set­zen den Selbst­wert – das mit sich im Rei­nen sein – ins Zen­trum.

Maria Söll­ner lässt mit Ihren „Genuss­schei­nen“ Wider­sprüch­lich­kei­ten und das Gefäl­le im Wer­te­sy­stem kon­kret wer­den. Sie über­zieht gezielt Belang­lo­sig­kei­ten mit Kunst­wer­ten, lässt sie zu tief­sin­ni­ger Poe­sie wer­den. Dar­über hin­aus wei­sen ihre auto­no­men Zeich­nun­gen und Über­ma­lung dar­auf hin, dass der „Genuss­schein“ in Finanz­kri­sen für vie­le Klein­an­le­ger zum Ver­lust­schein, zum Desa­ster wird.

In den Radie­run­gen von Wal­li Bau­er sieht der Betrach­ter anony­mes Leben hin­ter Fen­stern. Asso­zia­tio­nen ver­bin­den sich mit dem The­ma, das ver­schie­de­ne Facet­ten anspricht: Alter ¯ Frem­de ¯ Ein­sam­keit ¯ Inti­mi­tät ¯ Distanz. Ihre Kunst hilft dem Betrach­ter, ein vom Leben gezeich­ne­tes Gesicht mit all sei­nen Lini­en, Inseln, Brü­chen und Abgrün­den zu ver­ste­hen, um eige­ne Gefüh­le zu klä­ren.

Basis für die Instal­la­ti­on – Tie­risch-Respekt – von Ker­stin Kas­sel sind die „10 Gebo­te der India­ner“ im Ein­klang mit der Natur und den Men­schen. Ein dunk­ler Raum, lei­se Geräu­sche, Dia­shows, Tie­re in ver­schie­de­nen Situa­tio­nen und Farb­si­gna­le erzeu­gen ein Span­nungs­feld, sind bewuss­ter Stim­mungs­mo­tor im Refle­xi­ons­feld.

Was an zwei Tagen des Febru­ar 2012 (Süd­deut­sche Zei­tung) geschah, lässt Lena Grä­we in bril­lan­ter Bild­spra­che doku­men­ta­risch Revue pas­sie­ren. Ihre male­ri­schen Col­la­gen ver­mi­schen Gescheh­nis­se, mensch­li­ches Ver­sa­gen und Unab­än­der­li­ches. Was anfangs lose erscheint, erschließt sich einem Bezie­hungs­fak­tor, wird schlüs­sig in der Hoff­nung auf Besin­nung.

Zu akti­ver Respekt­for­schung for­dert Dag­mar Ohn­dor­fer auf. Ihrer Instal­la­ti­on gibt sie im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes die Funk­tio­na­li­tät der Boden­haf­tung mit Fuß­kon­takt. Wagen wir es über die Kunst hin­weg zu schrei­ten? Mit ambi­va­len­ten Gefüh­len wer­den wir hier­bei sicher­lich kon­fron­tiert. Der Schuh­ab­druck wird Teil des Wer­kes und ist Beweis für das Über­tre­ten von Gren­zen im Kunst­raum.

Ganz im Sin­ne J. Beuys „Den­ken ist bereits Pla­stik“, stellt Bernd Schaible die Geburt des „fle­xi­blen Men­schen“ zum Zwecke der Pro­fit­ma­xi­mie­rung auf den Prüf­stand. Die Instal­la­ti­on zollt zwei wei­te­ren Per­sön­lich­kei­ten Respekt in Wort und Bild: dem Zeich­ner Dan Per­jov­schi und dem Sozio­lo­gen Richard Sen­nett. Anspie­lun­gen und Ver­knüp­fun­gen fügen sich zu einem „See­stück in pre­kä­rer Lage“.

Moni­ka Mein­harts Licht­ob­jek­te las­sen für einen Moment die Zeit still ste­hen. Die Schwe­re­lo­sig­keit ihrer Foto­gra­fien zol­len dem Wert des Augen­blicks Hoch­ach­tung – ist Impuls gela­de­ner See­len­ma­gnet. Für den O‑Ton des Weg­be­rei­ters der Moder­ne – Paul Cezan­ne – ent­sprun­gen „Man muss sich beei­len, wenn man etwas sehen will. Alles ver­schwin­det.“, sind ihre Arbei­ten Indiz.

Das Kon­zept – Alter – von Ger­hard Jaug­s­tet­ter zeigt das Fort­schrei­ten der Alz­hei­mer­krank­heit. In der Tech­nik ana­lo­ger Schwarz­weiß­fo­to­gra­fie doku­men­tie­ren fünf­zehn Por­träts den Ver­lauf der Krank­heit – das Auf und Ab, die glück­li­chen und die trau­ri­gen Momen­te der letz­ten Lebens­jah­re. Ein Appell an das Mit­ge­fühl und die rech­te Posi­tio­nie­rung vom Rand der Gesell­schaft – direkt in unse­rer Mit­te!

In Adel Heils Eisen­guss­ar­beit – Herr und Hund – bezieht das hori­zon­ta­le und ver­ti­ka­le Grund­ver­ständ­nis von Respekt ein­deu­tig Posi­ti­on. Instink­ti­ves Anneh­men – in Treue und ohne Hin­ter­fra­gen – kom­mu­ni­ziert in abso­lu­ter Erge­ben­heit mit der rohen Instanz – Auto­ri­tät – dem Erwar­tungs­po­ten­ti­al des Gehor­sams. In sich stim­mig oder eher ein gro­ßes Miss­ver­ständ­nis?

Infor­ma­tio­nen zur Aus­stel­lung fin­den Sie im Inter­net unter www​.bbk​-bay​ern​.de/​obf und auf www​.face​book​.com/​B​B​K​.​obf

Zügel­los respekt­voll – 14 Künst­ler des BBK Ober­fran­ken

  • 27.7. – 8.9.2013
  • Ort: Stadt­ga­le­rie Vil­la Des­sau­er Bam­berg, Hain­str. 4a, Bam­berg
  • Titel: „RESPEKT“
  • Eröff­nung: Frei­tag, 26.07.2013, 19:00 Uhr – die Künst­ler sind anwe­send
  • Begrü­ßung: Chri­stia­ne Toewe, 1. Vor­sit­zen­de des BBK Ober­fran­ken
  • Rah­men­pro­gramm: Petra Feigl – Texteuse/​Wortografin/​Objektivistin…
  • Gruß­wor­te der Stadt Bam­berg: Stadt­rat Wolf­gang Metz­ner, Vor­sit­zen­der der SPD- Stadt­rats­frak­ti­on
  • Dau­er der Aus­stel­lung: 27.7.–8.9.2013
  • Öff­nungs­zei­ten: Di., Mi., Do. 10 – 16 Uhr, Fr., Sa., So. 12 – 18 Uhr
  • Künst­ler­füh­run­gen: jeden Sonn­tag um 15 Uhr
  • Betei­lig­te Künst­ler: Michae­la Schwarz­mann, (Eggols­heim), Moni­ka Pell­kofer-Grieß­ham­mer, (Ahorn­tal), Ker­stin Amend-Poh­lig, (Coburg), Hans Kro­nen­berg, (Bamberg/​Ste­gau­rach), Ant­je Fries, (Erlan­gen), Maria Söll­ner, (Bam­berg), Wal­li Bau­er, (Bam­berg), Ker­stin Kas­sel, (Igen­s­dorf), Lena Grä­we, (Bam­berg), Dag­mar Ohrn­dorf, (Alten­dorf), Bernd Schaible, (Bam­berg / Frens­dorf), Moni­ka Mein­hardt, (Bam­berg / Ste­gau­rach), Ger­hard Jaug­s­tet­ter, (Burg­wind­heim), Adel Heil (Bam­berg).

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