Leserbrief: Stellungnahme zum Bebauungsplan 332E

Bebauungsplan 332E: Innenbereich zwischen Pfarrfeldstraße, Starkenfeldstraße, Annastraße und Pödeldorfer Straße
hier: Einwände und Anregungen

Sehr geehrte Damen und Herren!

Grundsätzlich ist Innenentwicklung durch Nachverdichtung zu begrüßen. Selbstverständlich muß ein lebenswertes, von Kindern sicher erreichbares und zu nutzendes Nahumfeld mit Grünflächen und (nicht ausschließlich künstlich gestalteten bzw. baulichen) Spielbereichen erhalten bleiben.

Mit Ausnahme der grundsätzlichen Zulässigkeit von Solaranlagen enthält der Bebauungsplanentwurf keinerlei, geschweige denn verbindliche Aussagen hinsichtlich Erschließung regenerativer Energie und effizienten Energieeinsatzes. Entsprechende Vorgaben sind indes wünschenswert. Die gegenüber der frühzeitigen Bürgerbeteiligung im vergangenen Herbst aufgenommenen Regelungen zum Umgang mit Wasser (Regenwassernutzung, Versickerung des auf versiegelte Flächen auftreffenden Niederschlags) sind grundsätzlich zu begrüßen.

Das Plangebiet liegt ca. 600 m Luftlinie (rund 800 m Fuß- bzw. Fahrweg) vom Bamberger Bahnhof entfernt. Die Distanz zur Innenstadt beträgt etwa 1,5 km. Nahe gelegene Stadtbushaltestellen lassen beide Ziele in wenigen Minuten erreichen. Insbesondere auf den innerstädtischen Verbindungen bietet das Fahrrad flexible Mobilität, wenngleich natürlich die teils schweren Mängel der Infrastruktur (gefährliche, dennoch teils – in der Regel unzulässigerweise – benutzungspflichtige Radwege, Schäden und Unebenheiten der Fahrwegoberflächen, unzureichende Abstellmöglichkeiten u. a. m.) deutlichen Nachbesserungsbedarf bedingen.

Dennoch finden im Bebauungsplanentwurf (Begründung) ausschließlich Stellplätze, die offensichtlich für Kraftfahrzeuge vorgesehen sind, Erwähnung. Aus welchem Grund die konkreten Vorgaben, wie sie während der frühzeitigen Beteiligung noch beschrieben waren, fehlen, bleibt offen. Soll ein kritikbedürftiges Detail aus dem Blickfeld genommen werden?

Anzunehmen ist: Zur Anwendung kommen soll die städtische Stellplatzsatzung – ohne einen die Erschließung durch den Umweltverbund (vernetztes Angebot von Fußläufigkeit, Radverkehr, Bahn und Bus) berücksichtigenden Abschlag. Einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung wird dies nicht gerecht.

Die Stellplatzsatzung der Stadt Bamberg, zuletzt geändert im Dezember 2001, ist schon lange nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Die Bayerische Bauordnung in der Fassung vom 24. Juli 2007, gültig seit dem 1. Januar 2008, schreibt in Artikel 46 (Wohnungen), Absatz 2, vor: „Für Gebäude der Gebäudeklassen 3 bis 5 sind für jede Wohnung ein ausreichend großer Abstellraum und, soweit die Wohnungen nicht nur zu ebener Erde liegen, leicht erreichbare und gut zugängliche Abstellräume für Kinderwagen, Fahrräder und Mobilitätshilfen erforderlich.“ Mangels diesbezüglicher Ausführungen in der Bamberger Stellplatzsatzung wäre die Bayerische Bauordnung unmittelbar anzuwenden. Hinsichtlich der Anzahl der Stellplätze sind mindestens (bekannte bzw. leicht in Erfahrung zu bringende) Durchschnittswerte anzusetzen. In Bezug auf Flächenbedarf und Zugänglichkeit ist zu berücksichtigen, daß eine große Modellvielfalt an Fahrrädern (mehrspurig, Tandem, Liegerad, Anhängergespann …) zur Verfügung steht und in zunehmenden Maß genutzt wird.

Fazit:

Der Bebauungsplanentwurf ist nach Maßgabe vorstehender Ausführungen zu überarbeiten und den Erfordernissen einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung anzupassen. Wenn nicht einmal unter nahezu optimalen Voraussetzungen (Innenstadt- und Bahnhofsnähe, vorhandene Buserschließung) zeitgemäße Erkenntnisse zur Anwendung kommen, wäre ein offenes, deutliches Bekenntnis zu ewiggestriger Kommunalpolitik schon aus Gründen der Ehrlichkeit angebracht.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Bönig

Aus gesundheitlichen, ökologischen und städtebaulichen Gründen müsse es schnellstens gelingen, das Verhalten der Menschen zu verändern: raus aus dem Auto, rauf aufs Fahrrad – auch und gerade im innerstädtischen Raum. So äußerte sich vor rund einem Jahr der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Gesundheit, Herr Dr. Marcel Huber. Im weiteren redete er überdies dem CarSharing, dem öffentlichen Personenverkehr sowie dem logististischen Ineinandergreifen, also dem Umweltverbund, das Wort. Nur wird dieser auf Regierungsebene geltende Erkenntnisstand folgenlos bleiben, solange vor Ort überholte Konzepte gelten.