Deutsch-Kolumbianisches Forum in Bayreuth

Zukunftsweisender Beitrag zur Weiterentwicklung und Verstetigung der internationalen Beziehungen in der Nachfolge Alexander von Humboldts

Das Deutsch-Kolumbianische Forum an der Universität Bayreuth brachte am 29. und 30.04. Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Kultur und Kirche zum gemeinsamen Dialog über Chancen und Herausforderungen der internationalen Beziehungen zwischen Deutschland und Kolumbien zusammen. Die Veranstaltung in Bayreuth folgte dabei auf einen ebenfalls zweitägigen, inhaltlich und organisatorisch mit der Bayreuther Veranstaltung in Zusammenhang stehenden Programmteil, der am 25. und 26. April in Berlin stattgefunden hatte. Die Initiatoren des Forums, Vizepräsident Professor Dr. Stefan Leible und MdB Hartmut Koschyk sowie die Referentinnen und Referenten beider Länder betonten die zunehmenden Bedeutung der deutsch-kolumbianischen Beziehungen, deren positive Dynamik und die Notwendigkeit, diese aktiv und verantwortlich zu gestalten.

In seiner Eröffnung begrüßte MdB Koschyk besonders herzlich S. E. Juan Mayr Maldonado, Botschafter der Republik Kolumbien in Deutschland, und dankte ihm für seine engagierte Unterstützung beim Zustandekommen und der Durchführung des internationalen Forums. Die Anwesenheit und aktive Teilnahme des Botschafters und zahlreicher weiterer Persönlichkeiten aus der Republik Kolumbien machten den Stellenwert der Veranstaltung deutlich. Diese wurde in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Hanns-Seidel-Stiftung sowie mit Unterstützung weiterer Partner (Goethe-Institut, KFW, IHK Oberfranken, Bayreuth, KSB) durchgeführt.

Im Zentrum des bereichernden internationalen Austauschs, der durch eine professionelle Simultanübersetzung unterstützt wurde, stand nicht nur der Transfer von Wissen, sondern der gemeinsame Dialog mit dem Ziel, Erfahrungen und Erkenntnisse zu teilen und diese wechselseitig und nachhaltig nutzbar zu machen.

Innerhalb der Panels wurden die Geißeln der Vergangenheit, Armut, Marginalisierung, Konflikt und Krieg kontrastiert mit den Entwicklungen, die seit etwa der Jahrtausendwende festzustellen sind und mit den Schlagworten Mut, Entschlossenheit und dem Wunsch nach Rechtsstaatlichkeit pointiert wiedergegeben werden können. Dabei wurde die dynamische Entwicklung der Volkswirtschaft Kolumbiens in Kausalzusammenhang mit einem notwendigen Erfolg des Friedensdialoges gebracht. In der aufsteigenden Wirtschaftsmacht Kolumbien wird ein wichtiger Handels-, wissenschaftlicher Kooperations- und Wertepartner gesehen, wobei betont wurde, dass ein System für nachhaltiges Wirtschaftswachstum eine gut ausgebildete und dialogbereite Bevölkerung voraussetzt. Professor Dr. Leible berichtete in diesem Zusammenhang von den Internationalisierungsbestrebungen der Hochschulen und den bereits bestehenden Kooperationsverträgen zwischen der Universität Bayreuth und kolumbianischen Partneruniversitäten in den Schwerpunktbereichen Polymer-, Material-, Wirtschafts- und Afrikawissenschaften.

Im Rahmen des Forum erfolgte zu verschiedenen Zeitpunkten ein Verweis auf die Persönlichkeit Alexander von Humboldts in seiner (Vorbild-)Funktion als Wegbereiter und Beförderer eines neuen, interdisziplinären Wissenschaftsbildes und einer globalisierten Wissenschaft, die den Austausch mit Wissenschaftlern vor Ort ebenso einbezieht, wie die Begegnung auf Augenhöhe mit der indigenen Bevölkerung. Anders als andere Forschungsreisenden war seine wissenschaftliche Tätigkeit geprägt von Assimilation und Empathie, die durch Perspektivenwechsel und Rollentausch gefördert wurden und auf einem Bewusstsein für soziale Verantwortung basierte.

Im Rahmen der weiterführenden Diskussion fand Professor Dr. Leible große Zustimmung für seinen Vorschlag, die wissenschaftlichen Beziehungen beider Länder auf eine vertragliche Grundlage zu stellen und themenbezogene, deutsch-kolumbianische Forschungsprojekte durchzuführen. Für die Finanzierung dieser internationalisierten akademischen Zusammenarbeit deutscher und kolumbianischer Universitäten und Forschungseinrichtungen wurde die Gründung eines Förderfonds angeregt, der als „Humboldtfonds“ ausgeflaggt, die interkulturelle Vorreiterfunktion und die wissenschaftliche Leistung des Universalgenies bei der Vernetzung der Disziplinen würdigt.

Im Rahmen des Deutsch-Kolumbianischen Forums in Bayreuth wurde der mehrfach preisgekrönte Roadmovie „Los viajes del viento“ (Die Reisen des Windes) des kolumbianischen Regisseurs Ciro Guerra (Foto) präsentiert. Der Filmemacher lud die Anwesenden zu einer weniger physisch, dafür aber umso mehr emotional beanspruchenden cineastischen Reise durch Kolumbien ein und stand im Anschluss persönlich für ein Filmgespräch zur Verfügung.