MdB Schar­fen­berg: „Kei­ne Pri­va­ti­sie­rung der Was­ser­ver­sor­gung durch die Hintertür“

„Schwarz-Gelb muss end­lich Wort halten“

Anläss­lich der gest­ri­gen Debat­te zur EU-Dienst­leis­tungs­kon­zes­si­ons­richt­li­nie im Deut­schen Bun­des­tag erklärt Eli­sa­beth Schar­fen­berg MdB:

Die gest­ri­ge Debat­te im Bun­des­tag mach­te wie­der ein­mal klar: Was in Bay­ern gere­det wird, hat im Bund kei­nen Bestand. Wäh­rend das Land Bay­ern heu­te im Bun­des­rat einen Antrag gegen die geplan­te EU-Richt­li­nie zur Ver­ga­be von Kon­zes­sio­nen auch für die Was­ser­ver­sor­gung ein­bringt, hat die CDU/CSU ges­tern im Bun­des­tag das Gegen­teil abgestimmt.

Anlass für die gest­ri­ge Debat­te im Bun­des­tag war der Antrag der Grü­nen: „Kei­ne Pri­va­ti­sie­rung der Was­ser­ver­sor­gung durch die Hin­ter­tür“. Dar­in for­dern die Grü­nen die Bun­des­re­gie­rung auf, den Vor­schlag der EU Kom­mis­si­on zu stop­pen oder eine Aus­nah­me für die Was­ser­ver­sor­gung zu erwir­ken. Zudem rufen die Grü­nen die CDU auf, sich zu ihrem Par­tei­tags­be­schluss vom Dezem­ber zu beken­nen, in dem sie eine Pri­va­ti­sie­rung der Was­ser­ver­sor­gung voll­mun­dig ablehnt.

In der geplan­ten neu­en Richt­li­nie sol­len so genann­te Dienst­leis­tungs­kon­zes­sio­nen, zum Bei­spiel für die Trink­was­ser­ver­sor­gung, neu gere­gelt und dem Ver­ga­be­recht unter­wor­fen wer­den. In der Fol­ge müss­ten kom­mu­na­le Unter­neh­men, die teil­wei­se oder voll­stän­dig pri­va­ti­siert sind, Dienst­leis­tun­gen euro­pa­weit aus­schrei­ben. Auch Kom­mu­nen, die noch nicht (teil)privatisiert haben, kämen durch vie­le Auf­la­gen unter Druck, euro­pa­weit aus­zu­schrei­ben. Dann kön­nen sich zwar auch Stadt­wer­ke bewer­ben, aber auch euro­pa­weit täti­ge pri­va­te Kon­zer­ne. Die Richt­li­nie wür­de damit eine schritt­wei­se Pri­va­ti­sie­rung der Was­ser­ver­sor­gung durch die Hin­ter­tür bewir­ken. Sie wür­de die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung erheb­lich ein­schrän­ken. Zudem wäre eine Rekom­mu­na­li­sie­rung fast unmög­lich, denn dann müss­ten kom­mu­na­le Betrie­be mit euro­pa­weit agie­ren­den Kon­zer­nen konkurrieren.

Wel­che Fol­gen die Pri­va­ti­sie­rung haben kann, ist in Ber­lin, Lon­don oder Paris zu beob­ach­ten. Dort wur­de die Was­ser­ver­sor­gung (teil)privatisiert, was in der Fol­ge zu miss­bräuch­lich über­höh­ten Was­ser­prei­sen führ­te. Nicht nur teu­er, auch schlech­ter könn­te unser Was­ser durch die Pri­va­ti­sie­rung wer­den. Etwa wenn aus Kos­ten­grün­den nicht in Instand­hal­tung und Erneue­rung inves­tiert wird, was zwangs­läu­fig zu Las­ten der Was­ser­qua­li­tät geht.

Im Bun­des­tag hat der baye­ri­sche CSU-Abge­ord­ne­te Ulrich Lan­ge aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sei­ne Frak­ti­on, eben­so wie der Euro­päi­sche Gerichts­hof, kei­nen Rege­lungs­be­darf für die Dienst­leis­tungs­kon­zes­si­on in der Was­ser­ver­sor­gung sieht. „Unser Was­ser ist ein Stück regio­na­le Wert­schöp­fung“ erklär­te er. Dem stim­me ich ger­ne zu, nur fest­steht: Das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um unter Phil­ip Rös­ler hat die­ser Richt­li­nie zuge­stimmt! Und der Antrag der Grü­nen wur­de von CDU/CSU und FDP im Bun­des­tag abgelehnt.

Ich sage klar: Was­ser ist kein Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt, son­dern ein Men­schen­recht. Die Was­ser­ver­sor­gung als ele­men­ta­rer Bestand­teil der kom­mu­na­len Daseins­vor­sor­ge ist kein gewöhn­li­ches Geschäft. Unser wich­tigs­tes Grund­nah­rungs­mit­tel, das Was­ser, muss qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig und bezahl­bar blei­ben, und zwar für alle. Aus die­sem Grund for­dert mei­ne Frak­ti­on die Bun­des­re­gie­rung auf, sich dafür ein­zu­set­zen, dass die Was­ser­ver­sor­gung aus der Kon­zes­si­ons­richt­li­nie her­aus­ge­nom­men wird. Im Bun­des­tag und im Euro­pa­par­la­ment wer­den sich die Grü­nen wei­ter dafür ein­set­zen, dass kei­ne Pri­va­ti­sie­rung der Was­ser­ver­sor­gung durch die Hin­ter­tür erfolgt.