Von einem Ober­fran­ken, der in Welt zieht, um Bam­ber­ger Bier zu verkaufen

„Wir den­ken Bier neu“

Christian Klemenz mit indischem Partner Vikanshu Bhargava

Chri­sti­an Kle­menz mit indi­schem Part­ner Vik­ans­hu Bhargava

Chri­sti­an Kle­menz, der im März 2013 sein 26. Wie­gen­fest fei­ert, wirkt bei der ersten Begeg­nung wie der sym­pa­thi­sche, aber unschein­ba­re Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te von neben­an. Doch am kla­ren Blick und dem selbst­si­che­ren Lächeln merkt man, hier steckt mehr dahin­ter. Und das stimmt. Der Jung­un­ter­neh­mer hat in den letz­ten zwei Jah­ren ein inter­na­tio­nal agie­ren­des Unter­neh­men auf­ge­baut, das ein ganz beson­de­res Ziel ver­folgt: Frän­ki­sches Bier in Indi­en und Chi­na zu verkaufen.

Das mag erst mal recht ein­fach klin­gen, doch dann kom­men schnell die mög­li­chen Hin­der­nis­se in den Sinn: Wie bringt man ein flüs­si­ges Pro­dukt heil über 12.500 Kilo­me­ter See­weg? Wie kommt es dann an die Leu­te? Und vor allem: Wie funk­tio­niert so etwas wirt­schaft­lich? Kein leich­tes Unter­fan­gen, ins­be­son­de­re, wenn man gera­de erst Anfang 20 ist, und nicht viel mehr als eine gute Idee vor­zu­wei­sen hat…

Chi­na und Indi­en bereits ken­nen gelernt

Doch die­se Idee kam nicht aus hei­te­rem Him­mel. Schließ­lich konn­te der gebür­ti­ge Kulm­ba­cher Kle­menz schon 2008 bei einem BWL-Aus­lands­sem­ster in Chi­na die dor­ti­ge Olym­pia-Luft schnup­pern und zwei Jah­re spä­ter im Rah­men sei­nes Master­stu­di­ums auch Indi­en für meh­re­re Mona­te ken­nen ler­nen. Dabei fie­len ihm vor allem zwei Din­ge auf: Erstens herrscht in eini­gen Bun­des­staa­ten noch Pro­hi­bi­ti­on. Das bedeu­tet, es gibt Alko­hol nur in weni­gen, offi­zi­el­len Ver­kaufs­stel­len, Aus­län­der erhal­ten Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen und nur weni­ge Hotels schen­ken Bier an der The­ke aus. Trotz­dem steigt all­ge­mein der Bier­kon­sum auf dem Sub­kon­ti­nent. Zwei­tens ist deut­sches Bier an sich zwar bekannt, nicht aber bestimm­te Mar­ken. Zudem genie­ßen deut­sche Pro­duk­te gene­rell ein sehr hohes Anse­hen im Land. Schließ­lich kennt man auch in Delhi Mer­ce­des, Micha­el Schu­ma­cher und Basti­an Schweinsteiger.

Vom Brain­stor­ming zur Marke

So saß Chri­sti­an Kle­menz Ende 2010 mit einem indi­schen Kom­mi­li­to­nen zusam­men und über­leg­te, wie man ein deut­sches Bier für Indi­en gestal­ten müss­te. Schnell war klar: Der Name soll­te ein­präg­sam und gut aus­zu­spre­chen sein, auch im für die Zukunft geplan­ten zwei­ten Markt Chi­na. So gin­gen die bei­den die Mar­ken­re­gi­ster durch und such­ten vor allem nach unge­nutz­ten Vor­na­men. Auf die­sem Wege stie­ßen sie auf „Erhard“, nicht zuletzt wegen des ehe­ma­li­gen Wirt­schafts­mi­ni­sters und Bun­des­kanz­lers Lud­wig Erhard, der als Vater des deut­schen Wirt­schafts­wun­ders gilt. Ein Blick in die Kir­chen­bü­cher offen­bar­te zudem, dass der Hei­li­ge Erhard unter ande­rem als Wan­der­bi­schof und Mis­sio­nar in Regens­burg tätig war. So lag es nahe, bei­des zu ver­bin­den und unter dem Namen „St. Erhard“ die Mar­ke zu kre­ieren, mit der man den indi­schen Bier­markt „mis­sio­nie­ren“ woll­te. Nun blieb noch die Fra­ge nach dem Bier an sich. Von der Far­be her, waren sich die Inder schnell einig, muss­te es anders sein als das bekann­te, hel­le Bier, also dun­kel. Der Geschmack soll­te eher mal­zig mit wenig Hop­fen und Koh­len­säu­re sein. Das klang für den Ober­fran­ken Kle­menz sehr ver­traut. Er order­te bei sei­ner Mut­ter flugs eini­ge Fla­schen frän­ki­schen Kel­ler­bie­res, zu einem hor­ren­den Preis per Luft­fracht, und die zukünf­ti­gen Kun­den waren begeistert!

Noch schnell fer­tig studieren

Zurück in Deutsch­land gab es für Kle­menz nur eins: Schnell fer­tig stu­die­ren und sich dann sofort an die Umset­zung machen. Er hol­te noch zwei wei­te­re Part­ner mit ins Boot, einen Kom­mi­li­to­nen aus Kiel und einen Freund aus der Nähe von Ess­lin­gen, den er beim Prak­ti­kum im Sili­con Val­ley ken­nen gelernt hat­te. Zusam­men mit dem indi­schen Part­ner grün­de­ten die drei am 1. Juni 2011 ihre GmbH – in Bam­berg. Dies war ein Wunsch von Chri­sti­an Kle­menz, denn ver­meint­lich ein­fa­che­re Stand­or­te wie Mün­chen oder Ber­lin wären für ihn nicht Teil der Bot­schaft gewe­sen, die er gemein­sam mit dem Pro­dukt an den indi­schen Markt brin­gen wollte.

Kei­ner kennt Bamberg

Es sind schon eini­ge auf die Idee gekom­men, Kle­menz woll­te sich mit dem Ruf des Welt­kul­tur­er­bes ver­knüp­fen, doch weit gefehlt: Bam­berg ist in Indi­en so gut wie unbe­kannt. So ist es eher die Stadt, die in der Wer­bung für St. Erhard als Kulis­se­für das „Elexir of Life“ dient, und auf die­sem Weg neue Lieb­ha­ber auf dem Sub­kon­ti­nent fin­det. Kle­menz sieht sich als frän­ki­scher Bot­schaf­ter in Indi­en, wo sich die mei­sten Regio­nen über die jewei­li­ge Haupt­stadt defi­nie­ren, und so nun „Bam­berg Area“ als Hei­mat guten Bie­res einen Namen bekommt.

Woher kommt das Bier?

Nun hat­ten die Jung­un­ter­neh­mer also eine Mar­ke und die Defi­ni­ti­on des Pro­duk­tes. Aller­dings ist kei­ner von ihnen Brau­er. Eine Braue­rei in Indi­en auf­zu­zie­hen, kam nicht in Fra­ge, denn nur wirk­lich impor­tier­tes Bier gilt als genieß­bar. Also muss­te eine hie­si­ge Braue­rei gefun­den wer­den. Nach vie­len Gesprä­chen mit ver­schie­de­nen Brau­ern wur­den sich die vier mit Georg Ritt­may­er aus Hal­lern­dorf einig. Der fin­di­ge und erfah­re­ne Brau­mei­ster, der gera­de erst eine top­mo­der­ne Braue­rei in Hal­lern­dorf in Betrieb genom­men hat, tüf­tel­te an sei­nem Rezept – weni­ger Hop­fen, eine leich­te­re Mischung aus Wie­ner, Pil­se­ner und Münch­ner Malz – und schon war der erste Test­sud gebraut. Auf den Punkt, könn­te man sagen, denn Kle­menz und sei­ne Part­ner waren sofort zu 100% zufrie­den. Für die Fla­schen such­ten die vier nach einem exklu­si­ven Design und vor allem einer durch­sich­ti­gen Fla­sche, damit die Kun­den das Bier auch sehen kön­nen, was in Indi­en sehr wich­tig ist. Statt einem Eti­kett einig­te man sich auf ein hoch­wer­ti­ges Druck­ver­fah­ren. Schließ­lich stel­len die Inder so eine Fla­sche ger­ne mal direkt zum Küh­len ins Eis, wo das Eti­kett durch die Feuch­tig­keit schnell ver­lo­ren gehen kann. Um trotz des kla­ren Gla­ses einen UV-Schutz zu haben, wer­den alle Fla­schen nach dem Druck in einem zwei­ten Vor­gang zusätz­lich mit einem Spe­zi­al-Schutz­lack beschichtet.

Das Bier kommt an

„Launch Event“ im bekanntesten Bierlokal von Delhi

„Launch Event“ im bekann­te­sten Bier­lo­kal von Delhi

Und so war es ein denk­wür­di­ger Tag, als im März 2012 die erste Ladung St. Erhard von Hal­lern­dorf die Rei­se über nach Bam­berg zum Ver­packen und dann im Con­tai­ner nach Ham­burg auf einen Frach­ter namens Tabea antrat, um ein­mal um die hal­be Welt zu fah­ren und nach einer kur­zen Zug­fahrt in Delhi aus­ge­la­den zu wer­den. Hier waren die Entre­pre­neu­re wie­der selbst gefor­dert. Denn auch ein St. Erhard ver­kauft sich nicht von selbst. Klas­si­sches Klin­ken­put­zen in Läden und vor allem Hotels und Restau­rants mit Alko­hol­li­zenz war ange­sagt, zum Auf­takt orga­ni­sier­ten die vier ein „Launch Event“ im bekann­te­sten Bier­lo­kal von Delhi. Zu den Gästen zähl­ten unter ande­rem ein berühm­ter Bol­ly­wood-Dar­stel­ler und der Leip­zi­ger Uni­ver­si­täts­rek­tor Prof. Dr. Andre­as Pink­wart, der gera­de mit einer deut­schen Dele­ga­ti­on in der Stadt war. Mit die­ser Ver­an­stal­tung war der Durch­bruch geschafft, die erste Char­ge schnell aus­ver­kauft, und eini­ge Events der Deut­schen Bot­schaft und Deut­scher Unter­neh­men schmück­ten sich mit dem neu­en Stern am indi­schen Bier­him­mel. Als Ziel für 2013 haben sich die vier gesetzt, 1.000 Hek­to­li­ter zu expor­tie­ren, in etwa so viel, wie die Bam­ber­ger Braue­rei Grei­fen­klau pro Jahr her­stellt. In fünf bis zehn Jah­ren soll St. Erhard schließ­lich die bekann­te­ste deut­sche Bier­mar­ke in Asi­en werden.

Ehr­gei­zig, aber nicht unrealistisch

Wer die Geschich­te bis hier­hin ver­folgt hat, dem ist klar, dass sich Kle­menz & Co. sicher ger­ne ehr­gei­zi­ge Zie­le set­zen, aber eben dann auch alles dafür tun, um erfolg­reich zu sein. Des­we­gen konn­ten sie auch schon einen Busi­ness Angel gewin­nen, der das neue Bam­ber­ger Bier nun mit zusätz­li­chem Geld und Know­how unter­stützt. Neben den Stand­or­ten in Indi­en und bald auch Chi­na haben sich übri­gens eher zufäl­lig schon meh­re­re Gastro­no­men aus Deutsch­land für das tren­di­ge Fran­ken-Bier inter­es­siert. So gibt es St. Erhard nun bei­spiels­wei­se auch im Ham­bur­ger Schan­zen­vier­tel, wo es sich anschickt, Becks und Jever den Rang abzu­lau­fen. Chri­sti­an Kle­menz und sei­ne Part­ner wol­len aller­dings den ein­hei­mi­schen Braue­rei­en in Bam­berg und Umge­bung kei­ne Kon­kur­renz machen, son­dern sehen sich eher als Bot­schaf­ter für hoch­wer­ti­ges frän­ki­sches Bier. Schließ­lich wird St. Erhard nicht – wie manch ver­meint­lich frän­ki­sches Bier – im Geträn­ke­markt ver­ramscht, son­dern liegt auch preis­lich in einem Seg­ment, das dem Image gerecht wird. Wenn alles gut läuft, möch­te man viel­leicht sogar eine eige­ne Brau­stät­te in der Dom­stadt eta­blie­ren, doch das ist für Kle­menz tat­säch­lich erst mal noch Zukunftsmusik…

Der Geschmack­stest

Wir haben das St. Erhard auch gleich der här­te­sten Prü­fung unter­zo­gen, es näm­lich zwei Exper­ten vor­ge­setzt: Brau­mei­ster und Bier­som­me­lier Hans Wächt­ler von bier​aka​de​mie​.net und Brau­er, Edel­bren­ner, Koch und Bier­som­me­lier Nor­bert Win­kel­mann vom Brau­haus am Kreuz­berg in Hal­lern­dorf. Und tat­säch­lich: Die bei­den waren sich einig: Ein rich­tig gutes frän­ki­sches Kel­ler­bier. In ihrer Som­me­lier­spra­che heißt das: „Das Bier hat eine anspre­chen­de, war­me Bern­stein­far­be und einen aus­ge­gli­che­nen Geruch mit Hop­fen- und Malz­no­ten. Einem leicht süß­li­chen Ant­runk folgt ein run­des, vol­les Mund­ge­fühl, an das sich ein ange­nehm bit­te­rer Abgang anschließt. Ins­ge­samt bringt die­ses Bier per­fekt das frän­ki­sche Bier­kel­ler-Fee­ling rüber, ist süf­fig, voll­mun­dig und rund.

Wer nun auf den Geschmack gekom­men ist, kann ent­we­der nach Indi­en oder Ham­burg rei­sen, oder sich im IGZ Bam­berg in der Kro­nacher Stra­ße 41 eine Kost­pro­be abho­len. Chri­sti­an Kle­menz freut sich immer über Besuch und auf Gesprä­che mit Bier­lieb­ha­bern. Wei­te­re Infos gibt es auf der Inter­net­sei­te www​.st​-erhard​.com bzw. bei You­tube unter dem Stich­wort „St. ERHARD“.