Sonn­tags­ge­dan­ken: Die Berg­pre­digt

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

Zu den umstrit­ten­sten Tex­ten der Bibel gehört die so genann­te “Berg­pre­digt” in den Kapi­teln 5 – 7 des Mat­thä­us­evan­ge­li­ums: Wie sol­len wir die zuge­spitz­ten Aus­sa­gen die­ser Zei­len ver­ste­hen, etwa die Selig­prei­sung der Armen oder das Gebot Jesu, die Fein­de zu lie­ben? Die Frie­dens­be­we­gung der 80er Jah­re berief sich gern auf die­se For­de­run­gen und begrün­de­te damit ihre eige­ne Hal­tung, ihre For­de­rung, durch ein­sei­ti­ge ato­ma­re Abrü­stung den Frie­den zwi­schen Ost und West auf den Weg zu brin­gen. Die kühl rech­nen­den Real­po­li­ti­ker hiel­ten dage­gen, dies sei dumm und gefähr­lich, wür­de die Gegen­sei­te nur ermu­ti­gen, mili­tä­risch anzu­grei­fen, in der Mei­nung, einen geschwäch­ten demo­ra­li­sier­ten Feind vor sich zu haben. Die klas­si­sche katho­li­sche Theo­lo­gie will die “Nor­mal­chri­sten” nur auf die Zehn Gebo­te ver­pflich­ten, wäh­rend die Klo­ster­leu­te die For­de­run­gen der Berg­pre­digt radi­kal befol­gen soll­ten. Im evan­ge­li­schen Bereich dage­gen ver­stand man seit Mar­tin Luther die Berg­pre­digt dahin­ge­hend, dass Jesus hier bewusst pro­vo­zie­rend for­mu­lie­re, bewusst Uner­füll­ba­res ver­lan­ge, um damit die tota­le “Sün­de” des Men­schen auf­zu­zei­gen, um zu demon­strie­ren, dass der Mensch aus eige­ner Kraft nicht “selig” wer­den kön­ne.

Mein Ant­wort­ver­such lau­tet: Das Ent­schei­den­de ist nicht die Tat, son­dern das Ver­trau­en auf die Lie­be Got­tes, auf das Geheim­nis von Kreuz und Auf­er­ste­hung Jesu, das Ver­trau­en auf das unver­füg­ba­re, gedul­di­ge Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes. Weil nichts uns von Got­tes Lie­be tren­nen kann, des­halb sol­len wir uns mit allem Ernst bemü­hen, die­se Lie­be auch wei­ter­zu­ge­ben. Dass wir dabei im Ansatz stecken blei­ben, ver­steht sich von selbst. Doch dür­fen wir um Got­tes Geist bit­ten, dass wir uns täg­lich neu auf den Weg machen, um uns den For­de­run­gen der Berg­pre­digt zu nähern. Unser Ver­sa­gen, unser Lei­den, unse­re Zwei­fel hat Chri­stus am Kar­frei­tag getra­gen und am Oster­mor­gen über­wun­den. Das Oster­licht ver­klärt unser Leben mit sei­nen Höhen und Tie­fen, sei­nen (Miss-)Erfolgen. Wenn unser HERR am “Jüng­sten Tag” kommt in gött­li­cher Herr­lich­keit, soll er uns auf dem Weg Got­tes fin­den.

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

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