Bay­reu­ther Behin­der­ten­bei­rat zeigt sich beein­druckt vom Auf­bau einer Inklu­si­ons­schu­le

Sit­zung im Rat­haus: Gre­mi­um emp­fiehlt dem Stadt­rat, geplan­ten Hort und bar­rie­re­frei­en Aus­bau der Jean-Paul-Schu­le zu unter­stüt­zen

Der Behin­der­ten­bei­rat der Stadt Bay­reuth hat sich in sei­ner jüng­sten Sit­zung unter ande­rem mit dem Kon­zept von Bay­reuths erster Inklu­si­ons­schu­le befasst, die an der Jean-Paul-Schu­le ein­ge­rich­tet wird. Das Gre­mi­um zeig­te sich von der bis­he­ri­gen Auf­bau­lei­stung beein­druckt und emp­fiehlt dem Stadt­rat, sowohl den bar­rie­re­frei­en Aus­bau der Schu­le als auch die Ein­rich­tung eines Kin­der­horts zu unter­stüt­zen.

Schul­lei­te­rin Hei­drun Weber erläu­ter­te den Mit­glie­dern des Behin­der­ten­bei­rats das Kon­zept der ersten Inklu­si­ons­schu­le im Stadt­ge­biet Bay­reuth. Unab­hän­gig von einem hohen Anteil von Kin­dern aus Migran­ten­fa­mi­li­en wer­den nach Webers Anga­ben an der Jean-Paul-Schu­le 30 Pro­zent der Kin­der mit einem son­der­päd­ago­gi­schen För­der­be­darf unter­rich­tet. Das stel­le die Leh­rer und die Nach­mit­tags­be­treu­ung vor hohe Anfor­de­run­gen. „Ohne einen Hort am Nach­mit­tag, der die­sen Kin­dern bei ihren Haus­auf­ga­ben unter­stüt­zend zur Sei­te steht, geht es nicht.“, stell­te die Rek­to­rin fest. Zudem ste­he noch der bar­rie­re­freie Aus­bau der Schu­le aus, um ent­spre­chend kör­per­lich gehan­di­cap­te Kin­der auf­neh­men zu kön­nen.

Der Behin­der­ten­bei­rat zeig­te sich von der Auf­bau­lei­stung beein­druckt und ver­stän­dig­te sich nach kur­zer Dis­kus­si­on als bera­ten­de Instanz auf eine Emp­feh­lung an den Stadt­rat, sowohl den geplan­ten Hort als auch den bar­rie­re­frei­en Aus­bau der Jean-Paul-Schu­le zu unter­stüt­zen.

Einen wei­te­ren the­ma­ti­schen Schwer­punkt der Sit­zung bil­de­te das Betreu­ungs­recht. Rich­te­rin Schwarz vom Bay­reu­ther Betreu­ungs­ge­richt stell­te in einem kur­zen Vor­trag die Mög­lich­kei­ten dar, frei­heits­ent­zie­hen­de Maß­nah­men wie bei­spiels­wei­se Bett­git­ter oder Bauch­gurt in Ein­rich­tun­gen wie Senio­ren- und Behin­der­ten­hei­men durch Alter­na­ti­ven zu erset­zen. Pfle­ge­be­dürf­ti­ge so wenig wie mög­lich zu fixie­ren und Frei­heits­be­schrän­kun­gen auf das unbe­dingt nöti­ge Min­dest­maß zu redu­zie­ren, ist dabei das erklär­te Ziel.

Das Betreu­ungs­ge­richt ori­en­tie­re sich dabei am soge­nann­ten „Wer­den­fel­ser Weg“. Stimmt der Betreu­er des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen zu und emp­fiehlt der Arzt eine Fixie­rung, so kann zunächst ein vor­läu­fi­ger Eil­be­schluss über deren Geneh­mi­gung für läng­stens sechs Wochen erlas­sen wer­den. Die­se Frist soll­te genutzt wer­den, um mög­li­che Alter­na­ti­ven wie bei­spiel­wei­se den Ein­satz von Nie­der­flur­bet­ten zu prü­fen. Eine wich­ti­ge Rol­le spielt dabei künf­tig der fach­lich geschul­te Ver­fah­rens­pfle­ger. Er ist in die­sem Bereich spe­zi­ell fort­ge­bil­det, hat selbst eine pfle­ge­ri­sche Aus­bil­dung vor­zu­wei­sen, soll Par­tei ergrei­fen für den Betrof­fe­nen und unter­stüt­zend klä­ren, was an Alter­na­ti­ven mög­lich ist. Dass dies mög­lich ist, bewei­sen die posi­ti­ven Erfah­run­gen. Oft kön­ne durch ein gemein­sa­mes Gespräch von Pfle­ge­per­so­nal, Ver­fah­rens­pfle­gern und Ange­hö­ri­gen eine gute Lösung für den Betrof­fe­nen erzielt wer­den, erklär­te Rich­te­rin Schwarz. Das Pro­jekt wird in Zusam­men­ar­beit mit den Betreu­ungs­be­hör­den und Heim­auf­sich­ten von Stadt und Land­kreis Bay­reuth vor­an­ge­trie­ben.

Gegen­stand der jüng­sten Bera­tun­gen des Behin­der­ten­bei­rats war auch das Pro­jekt „Wun­der­sam Anders“, das vom Her­aus­ge­ber des Fami­li­en- und Frei­zeit­ma­ga­zins „Freg­ger­la“, Mar­co Mari­no, vor­ge­stellt wur­de. Mari­no will ein inklu­si­ves Ange­bot für Fami­li­en schaf­fen, egal ob sie behin­der­te und nicht behin­der­te Kin­der haben. Unter ande­rem soll das Musi­cal „Glü­wi“ vor­ge­stellt wer­den, bei dem behin­der­te und nicht behin­der­te Men­schen als Dar­stel­ler agie­ren. Das Event fin­det am 10. Juni im Evan­ge­li­schen Gemein­de­haus und damit in einer bar­rie­re­frei­en Räum­lich­keit statt.

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