Aus­stel­lung im Kunst­mu­se­um Bay­reuth: Richard Lind­ner

Aus der Samm­lung Her­tha Dre­scher und Gün­ter Ruck­dä­schel im Kunst­mu­se­um Bay­reuth und aus dem Neu­en Muse­um Nürn­berg – 1.4. – 10.6.2012

Der Deutsch­ame­ri­ka­ner Richard Lind­ner wur­de 1901 in Ham­burg gebo­ren und ver­leb­te sei­ne frü­hen Jah­re in Nürn­berg, wo er auch an der dama­li­gen Kunst­ge­wer­be­schu­le (heu­te Aka­de­mie der Bil­den­den Kün­ste) Zeich­nen, Ölma­le­rei und Gebrauchs­gra­fik stu­dier­te. Er gewann dort meh­re­re Wer­be­de­sign-Wett­be­wer­be. Seit 1927 arbei­te­te Lind­ner als selb­stän­di­ger Wer­be­gra­fi­ker, Büh­nen­bild­ner und Wer­be­ka­ri­ka­tu­rist in Ber­lin und ab 1929 als Illu­stra­tor für Zei­tun­gen, Zeit­schrif­ten und Buch-Publi­ka­tio­nen in einem Ver­lag in Mün­chen. Neben kari­ka­tu­ri­sti­schen Strich­zeich­nun­gen ent­stan­den hier erste ganz­far­bi­ge Pla­ka­te.

Um der Dis­kri­mi­nie­run­gen als Jude und Sozi­al­de­mo­krat zu ent­ge­hen, emi­grier­te Lind­ner mit sei­ner Frau 1933 zunächst nach Paris und spä­ter nach New York. Dort konn­te er als Zeit­schrif­ten- und Buch­il­lu­stra­tor und als Wer­be­gra­phi­ker arbei­ten und begann zu malen.

Wenn er auch Kon­tak­te zu Andy War­hol und ande­ren hat­te, ver­stand Lind­ner sich doch nicht als Pop Art – Künst­ler. Sei­ne Wur­zeln lie­gen eher im Sur­rea­lis­mus, Veris­mus und in der Neu­en Sach­lich­keit der 20er Jah­re. In einer Art Col­la­ge-Tech­nik kom­bi­nier­te er Bild­ele­men­te, die nur schein­bar eine Bezie­hung mit­ein­an­der ein­ge­hen. Richard Lind­ners Werk ist bekannt für eine eis­kal­te Ero­tik. Sei­ne Figu­ren tra­gen oft Uni­for­men oder Lack und Leder, an denen Gefüh­le abzu­per­len schei­nen, oft sind die Men­schen zu anony­men Sil­hou­et­ten erstarrt, wer­den zu Objek­ten und Platz­hal­tern für die Wün­sche und Vor­stel­lun­gen der ande­ren, ste­hen für die uner­füll­te Sehn­sucht und Bezie­hungs­lo­sig­keit der Geschlech­ter im Zeit­al­ter der sexu­el­len Befrei­ung.

Ab 1956 hat­te Lind­ner am Pratt Insti­tu­te in Brook­lyn, einer Schu­le für Wer­be­kunst, einen Lehr­auf­trag zunächst für Design, spä­ter auch für Kunst, und unter­rich­te ab 1965 auch an der Hoch­schu­le für Bil­den­de Kün­ste in Ham­burg. Sein Werk war 1968 und 1977 in der docu­men­ta in Kas­sel zu sehen sowie auf gro­ßen Aus­stel­lun­gen in den USA (New York, Chi­ca­go, Ber­ke­ley, Min­nea­po­lis), sowie in Lon­don, Paris, Ber­lin und in ande­ren gro­ßen deut­schen Städ­ten.

Die­se Aus­stel­lung zeigt in etwa zu glei­chen Tei­len Wer­ke aus der Samm­lung Her­tha Dre­scher und Gün­ter Ruck­dä­schel im Kunst­mu­se­um Bay­reuth und aus dem Neu­en Muse­um in Nürn­berg. Das Neue Muse­um ver­eint eine umfang­rei­che Kunst­samm­lung, die auf die Samm­lung der Stadt Nürn­berg zurück­geht, und eine eben­so pro­mi­nen­te Design­samm­lung. Es bewahrt eine gro­ße Anzahl von Wer­ken von Richard Lind­ner, dar­un­ter die bei­den Ölbil­der „Tele­pho­ne“ (1966) und „Dop­pel­por­trät König Lud­wig II“ (1974), das König Lud­wig und Richard Wag­ner dar­stellt und das nun – zusam­men mit Skiz­zen und Stu­di­en für das Bild – erst­mals in Bay­reuth zu sehen ist.

Nur ein hal­bes Jahr nach der Eröff­nung des Kunst­mu­se­um Bay­reuth rich­te­ten die bei­den Nürn­ber­ger Samm­ler Her­tha Dre­scher und Gün­ter Ruck­dä­schel im Som­mer 2000 eine Dau­er­leih­ga­be aus ihren gemein­sa­men Gra­phik­samm­lun­gen im Muse­um ein. Sie waren damit die ersten, die das noch jun­ge Haus mit ihrem Bür­ger­en­ga­ge­ment unter­stütz­ten und so wei­te­re Stif­ter und Schen­ken­de anreg­ten, es ihnen gleich­zu­tun. Mitt­ler­wei­le ist ihre Samm­lung im Muse­um auf meh­re­re hun­dert Blät­ter ange­wach­sen und zeich­net sich durch fas­zi­nie­ren­de Bestän­de des inter­na­tio­na­len Phan­ta­sti­schen Rea­lis­mus aus. Die Blät­ter aus dem Werk Richard Lind­ners neh­men hier einen beson­de­ren Stel­len­wert ein.

Anläss­lich des 80. Geburts­ta­ges von Jür­gen Brod­wolf zeigt das Kunst­mu­se­um Bay­reuth par­al­lel zu der Richard Lind­ner Aus­stel­lung eine Rei­he mit acht Para­phra­sen Brod­wolfs aus dem aktu­el­len Jahr über die Fol­ge „Mari­lyn was here“ von Richard Lind­ner.