Veröffentlichung der Kriminalstatistik Mittelfranken 2011

Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2011 verzeichnet für den Regierungsbezirk Mittelfranken mit 91.179 Straftaten den zweitniedrigsten Wert im Langzeitvergleich über zehn Jahre (Vorjahreszahlen jeweils in Klammern). Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr liegt bei 617 Delikten bzw. + 0,7% und spiegelt den gesamtbayerischen Trend. Die Aufklärungsquote beträgt 64,1% (64,8%).

Besonders hervorzuheben ist, wie Polizeipräsident Johann Rast heute bei der Veröffentlichung der mittelfränkischen Kriminalstatistik feststellte, der positive Trend bei der Jugendkriminalität. Der Anteil Jugendlicher an den gesamten ermittelten Tatverdächtigen von 41.163 beträgt aktuell 10.352 / 25,1 % (11.188 / 26,9%). Mit dem erneuten Rückgang der ermittelten jugendlichen Tatverdächtigen (unter 21 Jahren) sinkt deren Anteil auf den niedrigsten Wert innerhalb der letzten zehn Jahre, obwohl deren Anteil an der Wohnbevölkerung mit 20% gleich geblieben ist.

Die Fallzahlen bei den Tötungsdelikten befinden sich mit 64 Straftaten (inklusive der Versuche) nach dem außergewöhnlichen Tiefststand des Vorjahres (46) wieder auf dem Durchschnittsniveau.

Bei den Sexualdelikten ist mit 841 (917) erfreulicherweise der niedrigste Stand der letzten zehn Jahre zu verzeichnen. Der Rückgang um 8,3% erstreckt sich über alle Deliktsformen von der sexuellen Nötigung über den sexuellen Missbrauch von Kindern bis zu den exhibitionistischen Handlungen.

Trotz der deutlichen Zunahme der Raubdelikte auf 526 / +13,4% (464) liegt deren aktueller Wert noch sehr deutlich unter dem Zehnjahres-Durchschnittswert. Die Steigerung des Anteils jugendlicher Tatverdächtiger auf 49,6% (45,2%) bestätigt, dass hier zunehmend jugendtypische Handlungen, wie z. B. die gewaltsame Wegnahme von Handys, Smartphones und Bargeld beobachtet werden.

Bei den Körperverletzungsdelikten ist ein Anstieg auf 11.450 / +2,8% (11.138) zu verzeichnen. Dabei nimmt der Anteil derer, bei welchen mindestens ein Tatverdächtiger unter Einfluss von Alkohol stand, zu. Die zunehmende Alkoholisierung der Tatverdächtigen, erkennbare örtliche Schwerpunkte (Nürnberg +342 Fälle / 6,4% auf aktuell 5.646 Fälle) sowie eine Konzentration der Tatausführung in den Nachtstunden und am Wochenende stehen in engem Zusammenhang mit dem Ausgeh- und Freizeitverhalten der Bevölkerung.

Jede dritte in Mittelfranken registrierte Straftat ist ein Diebstahlsdelikt. Hier vollzog sich nach den niedrigsten Werten innerhalb der letzten zehn Jahre beim einfachen und auch beim schweren Diebstahl aktuell ein deutlicher Zuwachs. Der Fahrraddiebstahl steigerte sich auf 4751 / +25,6% (3782) Fälle. Die Wandlung des Fahrrades vom billigen Fortbewegungsmittel zum hochwertigen Freizeitgerät und die damit gestiegene Attraktivität als Diebesbeute dürfte ein Grund dafür sein. Bei den Diebstählen werden zunehmend osteuropäische Tätergruppierungen beobachtet.

Auch bei den Wohnungseinbrüchen von 1012 / +53,6% (659) Fällen ist eine deutliche Steigerung zu verzeichnen. Bei den Tages- und Dämmerungswohnungseinbrüchen, die bereits im Herbst 2010 begannen und erst in die Kriminalstatistik 2011 einflossen, waren insbesondere Einfamilien- und Reihenhäuser in ganz Mittelfranken betroffen. Konzepteinsätze und intensive Fahndungsmaßnahmen führten zur Festnahme einiger Tatverdächtiger, denen mehrere Wohnungseinbrüche zugeordnet werden konnten. Die Aufklärungsquote stieg um +5,7% auf 23,0%.

Bei den zurückliegend stark gestiegenen Betrugsfällen konnte ein deutlicher Rückgang erzielt werden. Insbesondere der Betrug mittels rechtswidrig erlangter Zahlungskarten sank um 32,6% auf 581 (862) Fälle. Der Warenkreditbetrug sank um 15,2% auf 3965 (4675) Fälle.

Die politisch motivierte Kriminalität stieg um 9,1% auf 469 (430) Fälle, bei einer Aufklärungsquote von 43,5%. Im Phänomenbereich Rechts stiegen die Straftaten um 71 Fälle / 36,2% auf 267 (196) Fälle an. Die Propagandadelikte stellen mit 72,3% die größte Deliktsgruppe dar. Die rechtsmotivierten Gewaltstraftaten stiegen von 9 auf 16 Fälle an, wobei mit 14 Fällen der Schwerpunkt im Deliktsbereich Körperverletzung lag. Im Phänomenbereich Links gingen die Fallzahlen um 44 / 22,3% auf 153 (197) Fälle zurück. Der Schwerpunkt liegt hier bei den Sachbeschädigungen. Gewaltstraftaten (Körperverletzungsdelikte und Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte) wurden 26 (66) verzeichnet. Mit insgesamt neun Straftaten liegt die Politisch motivierte Ausländerkriminalität auf einem erneut niedrigen Niveau.

Mit zahlreichen Präventionskonzepten und kriminalpolizeilichen Fachberatern bei allen Kriminalpolizeidienststellen versucht die mittelfränkische Polizei die Entwicklung der Kriminalität weiterhin positiv zu beeinflussen und die Fallzahlen zu senken. Durch gemeinsame Bemühungen mit den Sicherheitsbehörden sowie Jugendschutzkontrollen wird weiter konsequent gegen Alkoholmissbrauch insbesondere bei Jugendlichen vorgegangen.