Hand­werk: Frau­en zei­gen Unter­neh­mer­geist

Bir­git Rod­ler aus Markt­leug­ast ist Unter­neh­mer­frau des Jah­res 2011

Birgit Rodler. Foto: AFW-Stickerei

Bir­git Rod­ler. Foto: AFW-Sticke­rei

Am 8. März, dem Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag, ste­hen Gleich­be­rech­ti­gung und Frau­en­för­de­rung im Mit­tel­punkt. Im Hand­werk ist dies auch an den übri­gen Tagen des Jah­res der Fall. Frau­en haben sich in der Welt des Hand­werks längst durch­ge­setzt. So wer­den immer mehr Hand­werks­be­trie­be erfolg­reich von Frau­en geführt, die ihre Zie­le fest im Blick haben und sie mit Ent­schlos­sen­heit und Unter­neh­mer­geist ver­fol­gen.

Immer mehr Frau­en fin­den im Hand­werk ihre Beru­fung und erklim­men mit Fleiß und Ehr­geiz die Kar­rie­re­lei­ter. Der Anteil weib­li­cher Absol­ven­ten der Mei­ster­prü­fung steigt kon­ti­nu­ier­lich an und auch als Unter­neh­me­rin­nen spie­len Frau­en eine immer grö­ße­re Rol­le. Mehr als 18.000 Betriebs­neu­grün­dun­gen wer­den jähr­lich von Frau­en vor­ge­nom­men. Jeder fünf­te Hand­werks­be­trieb wird inzwi­schen von einer Frau geführt. Bir­git Rod­ler ist eine die­ser erfolg­rei­chen Unter­neh­me­rin­nen im Hand­werk. So erfolg­reich, dass sie vom hand­werk maga­zin zur Unter­neh­mer­frau 2011 gekürt wur­de. Mit Tat­kraft hat sie 2009 zusam­men mit zwei Kol­le­gin­nen einen Näh- und Sticke­rei­be­trieb aus der Insol­venz her­aus­ge­kauft und wie­der auf Erfolgs­kurs geführt. So ret­te­te sie nicht nur ihren eige­nen, son­dern auch zahl­rei­che wei­te­re Arbeits­plät­ze.

Frau Rod­ler, Ihr Unter­neh­men AFW Crea­tiv-Sticke­rei expan­diert. Noch vor drei Jah­ren muss­te der Betrieb unter ande­rer Füh­rung Insol­venz anmel­den. Was ist Ihr Erfolgs­re­zept?

Viel Mut und auch eine Por­ti­on Glück, das war die Basis für unse­re Unter­neh­mens­grün­dung. Jetzt ist es vor allem unser per­sön­li­ches Enga­ge­ment, das den 20-köp­fi­gen Betrieb erfolg­reich macht. Wir sind spar­sam, das zeigt sich auch an den schma­len Gehäl­tern der sechs Gesell­schaf­ter. Wir sichern lie­ber uns und unse­ren Mit­ar­bei­tern die Arbeits­plät­ze, als selbst reich zu wer­den. Zudem arbei­ten wir alle ganz nor­mal im Betrieb mit. Ich selbst etwa ste­he von mor­gens bis abends an dem Stick­au­to­ma­ten. Zeit für Mar­ke­ting ist dann spä­ter oder am Wochen­en­de.

Das klingt nach Stress. Hät­ten Sie ger­ne mehr Frei­zeit?

Natür­lich, wer hät­te das nicht. Aber mein Beruf macht mir Spaß, genau­so wie mei­nen Mit­ar­bei­tern. Wenn es nach uns geht, ste­hen wir mit 75 Jah­ren noch gemein­sam an den Maschi­nen.

Sie sind lei­den­schaft­li­che Unter­neh­me­rin. Aber Hand aufs Herz – gab es auf Ihrem Weg auch schwie­ri­ge Situa­tio­nen?

Natür­lich war die Geschäfts­über­nah­me mit Risi­ken ver­bun­den. Wir muss­ten schnell han­deln. Bereits wäh­rend der Insol­venz­ver­hand­lun­gen besuch­ten wir ehe­ma­li­ge Groß­kun­den der alten Fir­ma und war­ben für unse­ren neu­en Betrieb. Zu der Zeit stan­den die Maschi­nen still, ein ande­rer Inter­es­sent hat­te sich gemel­det und wir wuss­ten nicht, ob wir über­haupt den Zuschlag erhal­ten. Es war jedoch wich­tig, schnell zu han­deln, Auf­trä­ge zu sichern und damit vie­le Arbeits­plät­ze. Wir hat­ten Glück, wir konn­ten das insol­ven­te Unter­neh­men über­neh­men. Zudem haben wir Groß­ab­neh­mer wie den Deut­schen Fuß­ball-Bund von der hand­werk­li­chen Qua­li­tät unse­rer Waren über­zeugt.

Das heißt, Sie haben mit AFW Crea­tiv-Sticke­rei an alte Kun­den­be­zie­hun­gen ange­knüpft?

Ja, aller­dings haben wir unse­ren Kun­den­stamm auch mas­siv erwei­tert. Die Maschi­nen in der Insol­venz­mas­se waren alt und konn­ten eini­ge der heu­ti­gen Anfor­de­run­gen nicht mehr erfül­len. Wir haben inve­stiert und den alten Bestand nach und nach aus­ge­tauscht. Wir besit­zen jetzt unter ande­rem zwei neue Stick­ma­schi­nen sowie Gerä­te für Sub­li­ma­ti­ons- und Digi­tal­druck­tech­nik. Damit kön­nen wir neben klas­si­schen Auf­trä­gen wie Wim­pel für den DFB und Kar­ne­vals­müt­zen auch Beschrif­tung von Ruck­säcken und Base­ball­caps vor­neh­men.

Sind Sie auch erfolg­reich, weil Sie als Frau die Din­ge anders ange­hen als Män­ner?

Ich glau­be nicht, dass wir als Frau­en grund­sätz­lich etwas bes­ser oder schlech­ter machen. Es kommt auf das Enga­ge­ment und den Weit­blick an. Ich glau­be aller­dings, dass sich Frau­en mit dem Schritt in die Selbst­stän­dig­keit schwe­rer tun. Sie den­ken an Fami­lie und an die finan­zi­el­le Unsi­cher­heit. Letzt­end­lich kön­nen sie genau­so wie Män­ner Betrie­be lei­ten. Des­halb möch­te ich jeder Frau Mut machen: Trau­en Sie sich!

Hat das zu Ihnen auch jemand gesagt, als Sie sich selbst­stän­dig machen woll­ten?

Die 85-jäh­ri­ge Mut­ter mei­nes ehe­ma­li­gen Chefs hat mir Mut gemacht. Ich woll­te mich eigent­lich allei­ne selbst­stän­dig machen, mit nur einem Stick­au­to­ma­ten. Aber eines Tages kam sie zu mir und sag­te, ich kön­ne mir das ruhig zutrau­en, einen gan­zen Betrieb zu über­neh­men. Und so habe ich zuerst mei­ne Schwe­ster Son­ja Oel­schle­gel und mei­ne Cou­si­ne Doris Rau ins Boot geholt. Dann kam in der Grün­dungs­zeit auch Bern­hard Schu­bert von den Aktiv­se­nio­ren hin­zu. Er unter­stützt uns bis heu­te beson­ders bei kauf­män­ni­schen Auf­ga­ben.

Was haben Sie bei der Unter­neh­mens­grün­dung gelernt bezie­hungs­wei­se was wür­den Sie ande­ren Frau­en, die es Ihnen gleich tun wol­len, mit auf den Weg geben?

Es braucht Mut und Kraft, einen Betrieb zu grün­den. Ohne die gro­ße Unter­stüt­zung mei­nes Man­nes wäre es schwer gewor­den. Auch soll­te man nicht immer per­fekt sein und alles allei­ne schaf­fen wol­len, son­dern auch Bera­tung und Hil­fe anneh­men. Und zu guter Letzt wür­de ich ihnen mit auf den Weg geben: Es ist toll, die eige­nen Pro­duk­te auf der Stra­ße oder sogar im Fern­se­hen zu sehen. Ich schaue ger­ne Fuß­ball­län­der­spie­le – Män­ner genau­so wie Frau­en. Denn am Anfang wird immer unser Wim­pel über­ge­ben. Das belohnt jede Mühe.