Sonn­tags­ge­dan­ken: Das Dreh­buch des Lebens

„Das Leben gleicht einem Buche, Toren durch­blät­tern es flüch­tig, der Wei­se liest es mit Bedacht, weil er weiß, dass er es nur ein­mal lesen kann.“

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chris­ti­an Fuchs

Jean Paul hat Recht: Wir leben nur ein­mal, aber wel­che Schlüs­se zie­hen wir dar­aus? Genuss und Kon­sum um jeden Preis oder Resi­gna­ti­on, Bit­ter­keit, wenn wir an Ver­säum­tes, an erlit­te­nes Unrecht, an ver­gan­ge­ne Freu­den den­ken? Auch die Bibel kennt das „Buch des Lebens“, wo die Gläu­bi­gen ver­zeich­net stehen.
Wer aber schreibt die­ses „Buch“, von dem Jean Paul oder die Bibel erzäh­len? Schreibt wirk­lich Gott oder das blin­de, dump­fe Schick­sal jedem sei­ne Rol­le vor?

Que­r­e­do y Vil­le­gas drückt es so aus:
„Ver­giss nicht, dass das Leben Schau­spiel ist,
und die­se gan­ze Welt die gro­ße Bühne,
und sich im Augen­blick die Sze­nen wandeln
und alle wir dabei als Spie­ler handeln.
Ver­giss auch nicht, dass Gott das gro­ße Spiel
und sei­nen weit gedehn­ten Gegenstand
in Akte ord­net und sie selbst erfand.“

Ist das Leben nur Spiel? Sind wir Schau­spie­ler, die ihren Part pflicht­schul­dig zu spie­len haben? Wo bleibt hier die Frei­heit und damit auch die Ver­ant­wort­lich­keit der Men­schen? Ich wage mich aus der christ­li­chen Deckung, mache mich bewusst angreif­bar, wenn ich frei­mü­tig erklä­re: Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass alle Unglücks­fäl­le und Gemein­hei­ten, die uns zusto­ßen, die Men­schen ein­an­der antun, irgend­ei­nem gött­li­chen oder schick­sal­haf­ten Dreh­buch ent­stam­men. Gott will das Böse, das Unglück, den Tod nicht. Wir Men­schen sind frei zu tun, was wir wol­len und des­halb für unser (Fehl)verhalten hun­dert­pro­zen­tig ver­ant­wort­lich. Das Dunk­le gehört dabei auch zu unse­rem Leben wie der nass­kal­te Herbst zum blü­hen­den Früh­ling. Glück­lich, wer sich rück­bli­ckend zu der Ein­sicht durch­ringt: „Gott hat mich durch ein dunk­les Tal geführt, um mich rei­fen zu las­sen, um mich vor Hoch­mut oder Dumpf­heit zu bewah­ren.“ Aber mit den Begrif­fen „Schick­sal“ oder „Wil­len Got­tes“ bin ich vor­sich­tig. Die einem Chris­ten zukom­men­de Hal­tung ist das unbe­ding­te Ver­trau­en auf Chris­tus: Er hat uns den mühe­vol­len Weg geeb­net durch das Grau­en des Todes zum Mor­gen der Auf­er­ste­hung. Kar­frei­tag kommt vor Ostern, für ihn und uns.

Pfar­rer Dr. Chris­ti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de