stu­dio­büh­ne bay­reuth insze­niert Lust­spiel von Carl Stern­heim: “Die Hose”

Pre­miè­re am 3. März 2012

Plakat

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Skan­dal im Jah­re 1900. Lui­se, die ver­träum­te Frau des bie­de­ren Beam­ten Theo­bald Mas­ke, hat ihre „Unaus­sprech­li­che“ ver­lo­ren – ihre Unter­ho­se, als sie mit ihrem Mann einer könig­li­chen Para­de bei­wohn­te. Der Ehe­mann, zunächst empört über den Faux­pas sei­ner Frau – aller­dings mehr aus Angst, Anse­hen und sei­ne Stel­lung zu ver­lie­ren, als aus mora­li­schen Grün­den – wit­tert aller­dings recht schnell ein lukra­ti­ves Geschäft. Zwei Augen­zeu­gen, dem Schrift­stel­ler Scar­ron (einem glü­hen­den Nietz­sche-Ver­eh­rer) und dem lun­gen­kran­ken Fri­seur­ge­hil­fen Man­del­s­tam, ver­mie­tet er kur­zer­hand ein Zim­mer. Die bei­den hof­fen auf ein Aben­teu­er mit Lui­se, doch bei­de ver­sa­gen kläg­lich: Man­del­s­tam rezi­tiert ver­ge­bens Richard Wag­ner, um Lui­se zu erwei­chen, die sich zumin­dest von Scar­ron ger­ne umschwär­men lässt, den jedoch im ent­schei­den­den Moment der Mut ver­lässt. Wäh­rend Theo­bald sei­ne Frau zum Kirch­gang schickt, erlaubt er sich einen Sei­ten­sprung mit der Nach­ba­rin, dem kupp­le­ri­schen Fräu­lein Deu­ter, um am Ende hero­isch und mit neu gestärk­ter Man­nes­kraft zu ver­kün­den: „Jetzt kann ich es, dir ein Kind zu machen, ver­ant­wor­ten.“

Mit den Mie­tern ver­höhnt der Autor Carl Stern­heim (1878 – 1942) die roman­ti­schen Idea­le; beim Beam­ten Mas­ke kon­sta­tiert er Geld­gier, Selbst­ge­fäl­lig­keit, Berech­nung und Bru­ta­li­tät. Die Urauf­füh­rung die­ses Thea­ter­stücks am 15. Febru­ar 1911 löste einen Skan­dal aus. Die rüde Direkt­heit und der ätzen­de Spott gegen den deut­schen Spieß­bür­ger führ­ten zu einem zeit­wei­li­gen Ver­bot des Stückes.

„Man wird DIE HOSE in hun­dert Jah­ren die spi­ri­tu­ell­ste Komö­die unse­rer Zeit nen­nen.“ (Franz Blei 1910 in der SCHAU­BÜH­NE)

Regis­seur Nor­bert Mah­ler

Nor­bert Mah­ler wur­de 1961 in Bay­reuth / Fran­ken gebo­ren. Nach der Schul­zeit wand­te er sich dem Thea­ter zu, zunächst der stu­dio­büh­ne bay­reuth, einer Grup­pe, die sich aus dem Bay­reu­ther Jugend­fest­spiel­tref­fen her­aus ent­wickel­te. Deren Spe­zia­li­tät waren und sind Par­odien auf die Wer­ke Richard Wag­ners, so auch den RING. In die­ser Auf­füh­rung spiel­te Nor­bert Mah­ler den Loge, den Sieg­mund und den Sieg­fried. Anschlie­ßend ging er nach Ber­lin, wo er die Schau­spiel­schu­le von Else Bon­gers besuch­te. Sei­ne ersten Rol­len spiel­te er 1986 in Fern­seh­fil­men unter der Regie von Erwin Keusch (DER FLIE­GER) und Sven Seve­rin (PRINZ).

1987–1989 war er am Lan­des­thea­ter Det­mold enga­giert, u.a. als Spie­gel­berg in DIE RÄU­BER, als Man­del­s­tam in DIE HOSE und als Dau­phin in DIE HEI­LI­GE JOHAN­NA.

Cor­du­la Tran­tow enga­gier­te ihn seit 1990 wie­der­holt für ihren Weil­hei­mer bzw. Gar­mi­scher Thea­ter­som­mer. Dort spiel­te er u.a. den Kost­ja in Tsche­chows DIE MÖWE (1990), den Ben­vo­lio in ROMEO UND JULIA (1992) und den Mephi­sto in FAUST (1998+99). 2002 und 2003 gehör­te Nor­bert Mah­ler als Gerichts­rat Wal­ter dem Ensem­ble der Münch­ner Insze­nie­rung des ZER­BRO­CHE­NEN KRU­GES (mit Jörg Hube) an.

1998 führ­te er zum ersten Mal Regie; in Bay­reuth insze­nier­te er SUSN von Her­bert Ach­tern­busch, eben­dort 2007 WER HAT ANGST VOR VIR­GI­NIA WOOLF? (Albee) und 2012 DIE HOSE (Stern­heim).

Ab 1989 dreht Nor­bert Mah­ler unter der Regie von Franz X. Bogner die Fern­seh­se­rie CAFÉ MEIN­EID. In 113 Fol­gen spielt er den Gerichts­as­ses­sor und spä­te­ren Staats­an­walt Wil­li Kainz. Dane­ben war er in Fern­seh­fil­men, im Kino und in Seri­en zu sehen, u.a. in POLI­ZEI­RUF 110, LIL­LI LOT­TO­FEE, LIEB­LING KREUZ­BERG, TIER­ARZT DOK­TOR ENGEL, VERA BRÜH­NE, FORST­HAUS FAL­KEN­AU, ROSEN­HEIM COPS, MÜN­CHEN 7, DIE WOL­KE, PFAR­RER BRAUN und DER BUL­LE VON TÖLZ (u.a. 11 Fol­gen als der Poli­zist Schmidt). Nor­bert Mah­ler dreh­te mit u.a. Wer­ner Masten, Micha­el Verhoeven, Micha­el Braun, Vera Loeb­ner, Hark Bohm, Gre­gor Schnitz­ler und Wolf­gang Hen­schel.

Ganz beson­ders freu­en wir uns, in die­ser Pro­duk­ti­on zwei Gäste begrü­ßen zu dür­fen, die in der stu­dio­büh­ne bay­reuth ihre Thea­ter­lauf­bahn begon­nen haben: Den Schau­spie­ler Klaus Mei­le (www​.klaus​mei​le​.de) und den Regis­seur Nor­bert Mah­ler (Info s.u.).

Es spie­len: Michae­la Bach­hu­ber, Bir­git Franz, Gün­ter Heu­mann, Joseph Mais­el, Klaus Mei­le, Andre­as Teo­do­ru

Regie: Nor­bert Mah­ler Büh­ne: Bar­ba­ra Mah­ler Kostü­me: Hei­ke Betz

Licht: Ronald Kropf Mas­ke: Andrea Fer­ri

Spiel­ter­mi­ne:

  • 10., 17., 30., 31. März
  • 3., 7., 13., 18., 20., 21. April jeweils um 20.00 Uhr
  • 18. März um 17.00 Uhr

Kar­ten­vor­ver­kauf Thea­ter­kas­se Bay­reuth Tel. 0921–69001