Leserbrief: Sozialer Brennpunkt Forchheim-Nord – die Stadt darf jetzt nicht auf halben Weg stehen bleiben

Es tut sich was im „sozialen Brennpunkt“ der Stadt Forchheim. Die Stadt nimmt an einem Förderprogramm des Staates teil, Mittel fließen. Neben der Polizei nimmt ein neu erstelltes Gebäude die „Nichtmietfähigen“ auf. Häuser, die in einem erbärmlichen Zustand waren sind abgerissen. Auf der so enstandenen Fläche sollen 15 neue Wohnungen entstehen. Grund genug die Stadt zu loben? Leider nur zum Teil!

Die echte Sanierung eines „ schwierigen Stadtviertels“ ist nicht nur eine Sache der Abschöpfung von Mitteln für Baumaßnahmen.

Wenn es nicht gelingt einen neuen Geist in den Bewohnern des Viertels zu wecken, werden die neuen Häuser in einigen Jahren im gleichen Zustand sein, wie die eben abgerissenen Bruchbuden.

Dabei fordert der Staat mit sehr klaren Worten die integrative Bürgerbeteiligung bei der Sanierung sozialer Brennpunkte. Ein „Wir-Gefühl“ der Bewohner ist anzustreben. Das geschieht nicht dadurch allein, dass neue Häuser hochgezogen werden. Es genügt auch nicht, dass ein kleiner Zirkel handverlesener Bürger in die Vorhaben eingeweiht wurden.

Es muss gelingen die Anwohner mit ins Boot zu nehmen, sie zu informieren über das was in ihrem Viertel geschehen soll und welche Vorstellungen

Sie haben. Die geistige Beteiligung an den Sanierungsvorstellungen kann den Menschen dort ein neues Selbstwertgefühl und Stolz auf die geplanten Neuerungen geben. Dieses WIR-GEFÜHL ist der beste Schutz der neuen Häuser und der wichtigste Schritt zur Auflösung des sozialen Brennpunktes.

Das ist in anderen Städten Bayerns gelungen, in Forchheim ist in dieser Richtung fast nichts gelaufen. Diese Bürgerbeteiligung erfordert Kreativität, Geduld und guten Willen. Aber wer nimmt diese Aufgabe der Einbeziehung der Bürger auf sich?

Dabei sind erste Schritte bei gutem Willen sofort zu verwirklichen. Im Viertel sind deutliche Schmuddelstellen zu beseitigen, vor allem stehen immer wieder abgemeldete Fahrzeuge auf den Parkplätzen der GWS herum.

Die GWS als Eigentümer muss solches nicht dulden und kann dies verhindern wenn sie das energisch anstrebt. Wo Dreck ist, kommt neuer Dreck hinzu.

Kann der Eine ungestraft sein Schrottauto stehen lassen, wirft der Andere seinen Müll daneben. Ein erzürnter Nachbar tat den bösen Spruch;“Wir sind der Abstellplatz für Leute ohne Fürsprecher und für Autowracks.

Hier muss durch aktive Bürgerbeteiligung ein neuer Geist entstehen, dann erst können die geplanten neuen Häuser eine Änderung zur nachhaltigen Sanierung unseres Viertels bewirken.

Die Stadt darf jetzt nicht auf halben Weg stehen bleiben. Die Investitionen in Forchheim Nord dürfen nicht nur technisch abgewickelt werden, sie müssen zum Ausgangspunkt einer sozialen Sanierung werden. Die Zeit drängt.

Mit freundlichen Grüßen
Otwin Schneider
Jean-Paul Straße 15
Forchheim
Unterschriftenliste AG Forchheim Nord,
www.bi-forchheim-nord.de