Leser­brief: Dienst­auf­sichts- / Untä­tig­keits­be­schwer­de gegen den Land­rat des Land­krei­ses Bamberg

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An die Regie­rung Ober­fran­ken, Lud­wig­stra­ße 20, 95444 Bayreuth

Dienst­auf­sichts- / Untä­tig­keits­be­schwer­de gegen den Land­rat des Land­krei­ses Bam­berg, Herrn Dr. Gün­ther Denz­ler, in der Ange­le­gen­heit „Benut­zungs­pflich­ti­ge Rad­we­ge am Kreis­ver­kehr Emil-Kem­mer-Stra­ße in Hallstadt“

Sehr geehr­te Damen und Her­ren, sehr geehr­ter Herr Regie­rungs­prä­si­dent Dr. Wenning!

Mit Datum vom 4. Sep­tem­ber 2011 hat­te ich die Stadt Hall­stadt, im Land­kreis Bam­berg gele­gen, auf die Rechts­wid­rig­keit der für die neu gebau­ten „Rad­we­ge“ am Kreis­ver­kehr Emil-Kem­mer-Stra­ße ange­ord­ne­ten Benut­zungs­pflicht hin­ge­wie­sen. Das Land­rats­amt Bam­berg erhielt, wie auch von den spä­te­ren Schrei­ben in die­ser Ange­le­gen­heit, eine Kopie. Aus­führ­lich hat­te ich, wenn­gleich ohne Anspruch auf Voll­stän­dig­keit, die recht­li­chen und fach­li­chen Hin­ter­grün­de der Rechts­wid­rig­keit dargelegt.

Ohne auf nur ein ein­zi­ges Argu­ment ein­zu­ge­hen, teil­te die Stadt Hall­stadt im Novem­ber 2011 mit, sie sähe kei­nen Änderungsbedarf.

Mit Datum vom 11. Dezem­ber 2011 for­der­te ich den Land­rat des Land­krei­ses Bam­berg auf, rechts­auf­sicht­lich tätig zu wer­den und die Stadt Hall­stadt in frag­li­cher Ange­le­gen­heit zu rechts­kon­for­mem Han­deln zu bewe­gen, so daß sie die ange­ord­ne­te Benut­zungs­pflicht der Rad­we­ge am Kreis­ver­kehr Emil-Kem­mer-Stra­ße auf­hebt. Die Behör­de teil­te mir unter Beru­fung auf tech­ni­sche Regel­wer­ke mit, sie hal­te die Füh­rung des Rad­ver­kehrs auf der Fahr­bahn für unver­tret­bar, ohne jedoch die vor­ge­brach­ten Kri­tik­punk­te in der Sache auch nur zu erwäh­nen. Mit Hin­weis auf die Ent­schei­dung des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs vom 11. August 2009 (Az. 11 B 08.186) stell­te ich dar­auf­hin mit Schrei­ben vom 27. Dezem­ber 2011 klar, daß weder ERA 2010 noch RASt 06 die recht­li­chen Vor­ga­ben der Stra­ßen­ver­kehrs-Ord­nung (StVO) und der All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrift zur StVO (VwV-StVO) außer Kraft set­zen resp. authen­tisch inter­pre­tie­ren kön­nen. Zudem sei die Anord­nung benut­zungs­pflich­ti­ger Rad­we­ge auch dann nicht zuläs­sig, wenn trotz nach­ge­wie­se­ner, das all­ge­mei­ne Maß erheb­lich über­schrei­ten­der Gefah­ren­la­ge kei­ne siche­ren Rad­we­ge vor­han­den sind (VG Dres­den am 25. August 2010, Az. 6 K 2433/06). Unbe­streit­bar – und unbe­strit­ten – ent­spre­chen die am Kreis­ver­kehr Emil-Kem­mer-Stra­ße neu errich­te­ten Rad­we­ge nicht ein­mal den Min­dest­an­for­de­run­gen der VwV-StVO, geschwei­ge denn den lt. VwV-StVO zu beach­ten­den Vor­ga­ben der Emp­feh­lun­gen für Rad­ver­kehrs­an­la­gen (ERA), die für Neu- und wesent­li­che Umbau­maß­nah­men gel­ten. Indes wur­de noch nicht ein­mal der Nach­weis der beson­de­ren Gefah­ren­la­ge erbracht.

Der Land­rat des Land­krei­ses Bam­berg ist bis­lang offen­bar nicht tätig gewor­den. Zwar gewährt die baye­ri­sche Gemein­de­ord­nung dem ein­zel­nen Bür­ger kei­nen Rechts­an­spruch auf Wahr­neh­mung der kom­mu­na­len Auf­sicht. Nichts­de­sto­we­ni­ger hat der Bür­ger einen grund­ge­setz­lich ver­bürg­ten Anspruch auf rechts­kon­for­mes Ver­wal­tungs­han­deln (Rechts­staats­prin­zip). Dies beinhal­tet das Ein­schrei­ten der zustän­di­gen Auf­sichts­be­hör­den (auch ohne Anstoß von außen), wenn wie im vor­lie­gen­den Fall offen­kun­di­ge Rechts­ver­stö­ße vor­lie­gen. Es kann und darf in einem demo­kra­ti­schen Rechts­staat nicht sein, daß kom­mu­na­le Kör­per­schaf­ten in (still­schwei­gen­der) Über­ein­stim­mung mit der zustän­di­gen Auf­sichts­be­hör­de will­kür­lich Bun­des­recht miß­ach­ten und mög­li­cher­wei­se dar­auf ver­trau­en, ange­sichts eines (eines Rechts­staats unwür­di­gen, aber lei­der zu erwar­ten­den) jah­re­lan­gen Instan­zen­wegs wer­de nie­mand vor Gericht gehen.

In sei­nem vor­ste­hend zitier­ten Urteil zur Rad­weg­be­nut­zungs­pflicht, in der Revi­si­on bestä­tigt durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, weist der BayVGH aus­drück­lich dar­auf hin, „dass der­ar­ti­ge stra­ßen­ver­kehrs­be­hörd­li­che Ent­schei­dun­gen in nicht gerin­ger Zahl von Rechts wegen kei­nen Bestand haben könn­ten.“ Eine rechts­irr­tüm­li­che Ent­schei­dung der Stadt Hall­stadt wie auch des Land­rats des Land­krei­ses Bam­berg erscheint vor die­sem Hin­ter­grund aus­ge­schlos­sen. Eher ist bewuß­te Miß­ach­tung gel­ten­den Rechts, von fach­li­chen Fra­gen ganz abge­se­hen, anzu­neh­men. Die kon­se­quen­te Wei­ge­rung bei­der Behör­den, die vor­ge­brach­ten Ein­wän­de in der Sache zu wider­le­gen, bestärkt die­sen Eindruck.

Ich erwar­te daher, daß Sie Ihrer Auf­sichts­pflicht nach­kom­men und den Land­rat des Land­krei­ses Bam­berg in vor­be­zeich­ne­ter Ange­le­gen­heit in die Pflicht neh­men. Er hat unter Wahr­neh­mung sei­ner Auf­sichts­pflicht Sor­ge zu tra­gen, daß die Anord­nung der Benut­zungs­pflicht für die Rad­we­ge am Kreis­ver­kehr Emil-Kem­mer-Stra­ße in Hall­stadt auf­ge­ho­ben wird.

Den bis­he­ri­gen Schrift­ver­kehr erhal­ten Sie beiliegend.

Mit freund­li­chen Grüßen
Wolf­gang Bönig

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