Sonn­tags­ge­dan­ken: Maria in luthe­ri­scher Sicht, Teil 1

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

Der Advent lädt uns ein, über Maria, die Mut­ter Jesu nach­zu­den­ken, die in der evan­ge­li­schen Volks­fröm­mig­keit lei­der kei­ne Rol­le mehr spielt, wäh­rend die römisch-katho­li­sche Kir­che zahl­rei­che Mari­en-Feste fei­ert, die uns kaum dem Namen nach bekannt sind. Noch Mar­tin Luther konn­te ehr­fürch­tig von Maria reden, sie als Vor­bild im Glau­ben prei­sen. In der Tat brau­chen wir Zeu­gen Jesu, die uns das Evan­ge­li­um ein­la­dend, glaub­wür­dig vor­le­ben, ohne dass wir sie dabei ver­göt­tern dürf­ten, denn auch der frömm­ste Christ bleibt ein schwa­cher, fehl­ba­rer Mensch.

Betrach­ten wir uns also Maria, die Mut­ter Jesu in evan­ge­li­scher Frei­heit, in evan­ge­li­scher Nüchternheit:

Zunächst ein­mal sei betont, dass sie im Neu­en Testa­ment fast nur in der Weih­nachts­ge­schich­te auf­taucht, nament­lich bei Lukas, wäh­rend Mat­thä­us das Gesche­hen aus der Sicht Josefs dar­stellt. Gott hat Maria aus­er­wählt, nicht weil sie so fromm war, so attrak­tiv, so klug, so reich, son­dern weil er es so woll­te. Gott ist der HERR, nicht ich. Sein Wil­le soll gesche­hen, nicht mei­ner. Das zu akzep­tie­ren fällt uns Men­schen der Gegen­wart schwer, die wir oft all­zu selbst­be­wusst und ich­be­zo­gen auf­tre­ten. Es geht nicht immer so, wie ich das möch­te. So man­cher reagiert dann mit Fru­stra­ti­on und Wut, ohne dass sich dadurch etwas ändern wür­de. Frei­lich möch­te ich auch nicht behaup­ten, dass alles, was auf Erden geschieht, immer nach dem Plan Got­tes abläuft. Er lässt uns die Frei­heit zu tun, was wir wol­len, und man­ches ist viel­leicht wirk­lich Zufall.

Maria ließ an sich gesche­hen, was Gott mit ihr vor­hat­te, obwohl sie ihn nicht ver­stand, obwohl sie nicht wuss­te, was noch wer­den soll­te. Sie ließ sich auf die­sen Weg mit Gott ein. Sie war bereit, um Got­tes wil­len die ver­wun­der­ten Blicke ihrer Mit­men­schen, ja deren Spott zu ertra­gen, denn bestimmt hat man ihr die Geschich­te mit dem Erz­engel nicht abge­nom­men, hat sie für eine Lüg­ne­rin, eine Ange­be­rin gehalten.

Maria frag­te kri­tisch nach, als sie die Pro­phe­zei­ung erhielt. Wir dür­fen also unse­ren Zwei­fel äußern. Das eigen­stän­di­ge, das kri­ti­sche Nach­den­ken, auch der Zwei­fel, gehö­ren zum Glau­ben dazu. Maria aber behielt die Wor­te Got­tes in ihren Her­zen und dach­te fort­wäh­rend dar­über nach: Es gilt also, nicht gleich vom Glau­ben abzu­fal­len, wenn man Zwei­fel hegt, wenn etwas Uner­klär­li­ches, etwas Schlim­mes geschieht. Wer Bewei­se ver­langt, hat nichts ver­stan­den. Bewei­sen las­sen sich immer nur Neben­sa­chen im Leben. Alles Ent­schei­den­de ist eine Sache der Ent­schei­dung, des Ver­trau­ens. Ich kann bewei­sen, dass 2 und 2 4 ergibt. Aber was bringt mir das? Die Fra­ge, wel­chen Beruf ich ergrei­fen, wel­chen Part­ner ich hei­ra­ten soll, wo ich Trost fin­de im Unglück, was noch wer­den soll aus mir, aus mei­ner Fami­lie, aus den Kin­dern und Enkeln, kann man mit klu­gen Argu­men­ten nicht beantworten.

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

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