Stel­lung­nah­me zu den Vor­wür­fen von Herrn zu Gut­ten­berg gegen die Uni­ver­si­tät Bayreuth

In dem Buch „Vor­erst geschei­tert“ kri­ti­siert Karl-Theo­dor Frei­herr zu Gut­ten­berg die Arbeit der Kom­mis­si­on “Selbst­kon­trol­le in der Wis­sen­schaft“, die die Ver­let­zun­gen der Regeln guter wis­sen­schaft­li­cher Pra­xis bewer­tet hat. Die im Buch geäu­ßer­ten Vor­wür­fe zu Gut­ten­bergs weist die Uni­ver­si­tät Bay­reuth mit aller Ent­schie­den­heit als unbe­grün­det zurück.

  1. Auf­ga­be der Kom­mis­si­on „Selbst­kon­trol­le in der Wis­sen­schaft“ der Uni­ver­si­tät Bay­reuth ist die Unter­su­chung von Vor­wür­fen wis­sen­schaft­li­chen Fehl­ver­hal­tens. Es han­delt sich um eine stän­di­ge Kom­mis­si­on, wie es sie in aller Regel an jeder deut­schen Uni­ver­si­tät gibt. Der Kom­mis­si­on gehö­ren Ver­tre­ter aus meh­re­ren an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth ver­tre­te­nen Wis­sen­schafts­be­rei­chen an. Zusätz­lich zum Vor­sit­zen­den der Kom­mis­si­on – dem Juri­sten Prof. Dr. Ste­phan Rixen – und drei wei­te­ren Pro­fes­so­ren aus dem Bereich der Natur­wis­sen­schaf­ten und der Psy­cho­lo­gie, wur­den zur Beur­tei­lung des wis­sen­schaft­li­chen Fehl­ver­hal­tens im Fal­le Herrn zu Gut­ten­bergs zwei exter­ne Bera­ter hin­zu­ge­zo­gen: der inter­na­tio­nal renom­mier­te Wis­sen­schafts­phi­lo­soph Pro­fes­sor Dr. Jür­gen Mit­tel­straß, Uni­ver­si­tät Kon­stanz, sowie Pro­fes­sor Dr. Wolf­gang Löwer, Uni­ver­si­tät Bonn, Rich­ter am Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len und Spre­cher des von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) ein­ge­setz­ten Gre­mi­ums „Ombuds­man für die Wis­sen­schaft“, auch er Jurist und zudem ein aus­ge­wie­se­ner Exper­te des Wis­sen­schafts­rechts. Fer­ner ist an der Kom­mis­si­ons­ar­beit der Ombuds­man „Selbst­kon­trol­le in der Wis­sen­schaft“ der Uni­ver­si­tät Bay­reuth, der Jurist Prof. Dr. Diethelm Klip­pel als stän­di­ger Gast betei­ligt. Daher war gera­de im Fal­le von Herrn zu Gut­ten­berg aus­ge­wie­se­ne inter­ne und exter­ne Exper­ti­se in die Beur­tei­lung des Fehl­ver­hal­tens eingebunden.
  2. Auf­ga­be der Kom­mis­si­on war es, das Fehl­ver­hal­ten Herrn zu Gut­ten­bergs aus wis­sen­schafts­ethi­scher Sicht zu bewer­ten. Die recht­li­che Zustän­dig­keit der Kom­mis­si­on war auch nach Aberken­nung des Dok­tor­ti­tels von Herrn zu Gut­ten­berg gege­ben. (Sie­he auch: http://www.unibayreuth.de/presse/Aktuelle-Infos/2011/091–089-guttenberg.pdf) Die Kom­mis­si­on muss – und darf – ihrer inter­nen Kon­troll- und Bera­tungs­auf­ga­be auch dann nach­ge­hen, wenn ein ande­res Gre­mi­um der Hoch­schu­le im Rah­men sei­ner Zustän­dig­keit bereits tätig gewor­den ist, bei­spiels­wei­se die Pro­mo­ti­ons­kom­mis­si­on einer Fakul­tät, die den Dok­tor­ti­tel einer Per­son, die dem Ver­dacht wis­sen­schaft­li­chen Fehl­ver­hal­tens aus­ge­setzt ist, zurück­ge­nom­men hat. Dies war ins­be­son­de­re auch des­halb not­wen­dig, da in der wis­sen­schaft­li­chen Com­mu­ni­ty eine erheb­li­che Irri­ta­ti­on im Hin­blick auf die Bewer­tung des Fehl­ver­hal­tens von Herrn zu Gut­ten­berg bestand.
  3. Als uni­ver­si­täts­in­ter­nes Kon­troll- und Bera­tungs­gre­mi­um, das wis­sen­schaft­li­chen Maß­stä­ben und deren Bewah­rung an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth ver­pflich­tet ist, nimmt die Kom­mis­si­on kei­ne staats­an­walt­li­chen oder gericht­li­chen Funk­tio­nen wahr. Die genu­in straf- oder urhe­ber­recht­li­che Bewer­tung etwai­gen wis­sen­schaft­li­chen Fehl­ver­hal­tens obliegt den zustän­di­gen Stel­len, nament­lich den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den und den Gerichten.
  4. Die Ver­öf­fent­li­chung des voll­stän­di­gen Berichts der Kom­mis­si­on war not­wen­dig, um zum einen die wis­sen­schafts­ethi­sche Bewer­tung des Fehl­ver­hal­tens von Herrn zu Gut­ten­berg trans­pa­rent und nach­voll­zieh­bar dar­zu­stel­len und zum ande­ren Ori­en­tie­rungs­hil­fen für die Beur­tei­lung ver­gleich­ba­ren wis­sen­schaft­li­chen Fehl­ver­hal­tens zu geben. Der Ver­öf­fent­li­chung des Berichts hat Herr zu Gut­ten­berg aus­drück­lich zugestimmt.
  5. Exter­ne Ein­fluss­nah­me auf die Arbeit der Kom­mis­si­on – wie im Buch unter­stellt wird – hat es nicht gege­ben. Ins­be­son­de­re droh­te auch zu kei­nem Zeit­punkt – anders als in dem Buch behaup­tet – der Ver­lust von Forschungsgeldern.

Pres­se­stel­le der Uni­ver­si­tät Bayreuth

Harald Scholl

E‑mail: pressestelle@​uni-​bayreuth.​de

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