Hubert Forscht bei den Kir­cheh­ren­ba­cher Kulturwochen

Thomas Wenkemann und Hubert Forscht

Tho­mas Wen­ke­mann und Hubert Forscht

Der gelern­te Kunst­schrei­ner Hubert Forscht kennt sich mit Holz aus. Zugleich weiß er als Sati­ri­ker, dass die Bret­ter, die jemand vor dem Kopf trägt, auch eine Welt bedeu­ten kön­nen. Forscht gilt als Exper­te für das poli­ti­sche und kul­tu­rel­le Leben Forch­heims und sei­ne komi­schen Rari­tä­ten. Wo gibt es noch den cle­ve­ren Ober­bür­ger­mei­ster einer ins Wachs­tum ver­lieb­ten Klein­stadt, der vor Gericht beteu­ert, mit dem Vor­sitz eines Sport­ver­eins über­for­dert zu sein?

Im Kir­cheh­ren­ba­cher Gast­haus Spon­sel über­brach­te Forscht als Kaba­ret­tist „Grü­ße aus Forch­heim“. Aller­dings behielt er bei sei­nem Auf­tritt die­ses Leit­mo­tiv zunächst in der Hin­ter­hand und erhei­ter­te das Publi­kum mit lite­ra­ri­schen Par­odien. Da rei­tet Kara Ben Nem­si an Karl Mays Zügel bei Nacht und Wind durch die Wüste und knallt unter Zuhil­fe­nah­me eines Rasier­spie­gels ihn ver­fol­gen­de Bedui­nen ab.

Da ent­tarnt Bill Ram­sey, ein Schla­ger­star vor einem hal­ben Jahr­hun­dert, die Zucker­pup­pe aus der Bauch­tanz­grup­pe als das Freu­den­mäd­chen Elfrie­de aus Wup­per­tal, so dass Vor­de­rer und Hin­te­rer Ori­ent stau­nen. Da ver­an­stal­tet der Kom­mis­sar Dimp­fel­mo­ser von der Poli­zei­in­spek­ti­on Forch­heim vor Ort im Kir­cheh­ren­ba­cher Gast­haus Spon­sel einen Fress-Wett­kampf mit sich sel­ber und befrie­digt sich oral an einem Rie­sen­tel­ler Brat­kar­tof­feln mit Sül­zen; nur das dunk­le Bier aus Het­zels­dorf, das nicht zeit­ge­recht ser­viert wird, fehlt zum voll­kom­me­nen Glück.

So neben­bei löst der vom sanf­ten Gesetz des Seins gepräg­te Dimp­fel­mo­ser einen Mord­fall aus Eifer­sucht, noch bevor sein Vor­ge­setz­ter Ober­kom­mis­sar Schiman­ski, aus dem Ruhr­pott nach Fran­ken straf­ver­setzt, mit sei­nen Hau-Drauf-Metho­den ein­grei­fen kann.

Dann end­lich der Song, der ins ober­frän­ki­sche Herz trifft: Forch­heim, die „Stadt ohne Mit­leid“, seit dem gleich­na­mi­gen Film mit Kirk Dou­glas und Chri­sti­ne Kauf­mann welt­be­kannt. Inzwi­schen ist dar­aus ein Chan­son vol­ler Nost­al­gie gewor­den. Man fährt an der neu­en Erlan­ger Tra­ban­ten­stadt nicht mehr schnell vor­bei. Das einst unge­küss­te Dorn­rös­chen wird von vie­len poten­ten Frei­ern begehrt.

Die kom­mu­na­le Kul­tur­po­li­tik frei­lich, die Forscht aus jahr­zehn­te­lan­ger eige­ner Erfah­rung kennt, ver­harrt noch in den alten Denk­mu­stern. Erhel­lend, wenn zwei alt­ge­dien­te Stadt­rä­te ihren „Guldur“-Dialog füh­ren. „Gul­dur“ ist schon wich­tig. Aber sie ist mit vie­len Schmer­zen ver­bun­den: für den Haus­halt der Stadt, aber eben­so für das bei lan­gen Kon­zer­ten auf har­ten Stüh­len stra­pa­zier­te Sitz­fleisch ihrer Hono­ra­tio­ren. Wäre es da nicht bes­ser, sich auf die mate­ri­el­len und kuli­na­ri­schen Aspek­te von „Gul­dur“ zu verlegen?

Schon in der Mit­te des 15. JHdt. rühm­te der huma­ni­sti­sche Autor Enea Sil­vio Pic­co­lomi­ni, der spä­te­re Papst Pius II, das Forch­hei­mer Weiß­brot als in der Welt ein­ma­lig. Und wur­de in die­ser Stadt zwar nicht die Cur­ry­wurst erfun­den, aber die Knob­lauch­wurst-Pro­duk­ti­on auf ein in der Welt­ge­schich­te ein­ma­li­ges Geschmacks­ni­veau gebracht?

Der Höhe­punkt der Forch­hei­mer Kul­tur­land­schaft aber liegt auf dem Schau­fel­kel­ler, wo Hubert Forscht plötz­lich von den dunk­len sprach­li­chen Leer­for­meln des einst als abend­län­di­schen Mei­ster­den­kers über­schätz­ten Phi­lo­so­phen Mar­tin Hei­deg­ger über­fal­len wird. „Hier ist die Mit­te und der Aus­schank des Seyns, an dem das Sei­en­de sein Seyn zuge­mes­sen bekommt. hier wird es gezapft … Ein Axi­om des Glücks. Es macht dumm und das ist gut so.“

Betö­rend sang Forscht im letz­ten Drit­tel des Abends, durch sei­nen Freund Tho­mas Wen­ke­mann mit prä­zi­ser Musi­ka­li­tät beglei­tet, von dem ihm wohl­ver­trau­ten kalo­rien­rei­chen Elend der Hand­wer­ker am Beginn des digi­ta­len Zeit­al­ters. Sei­ne Par­odien auf den „Jäger aus Kur­pfalz“, den er in annä­hernd zwan­zig Spra­chen über die Prä­rie hop­peln ließ, fan­den ein aus­dau­ern­des, begei­ster­tes Publikum.

Die näch­ste Ver­an­stal­tung im Gast­haus Spon­sel ist am 2.12.2011: Das Duo Sör­gel und Ottin­ger mit ihrem Pro­gramm „Advent, Advent, ka Lich­la brennt …“. Beginn 20 Uhr, Ein­tritt: 16 Euro.

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